iUj^tltA»<V^^ \ \;\ \ RAIJSOEGEBEN VON r T-^ 7 T, KOERBER ENA-VE GUSTAV FISCHER »n9ärä^««(<««na)«aK«i)niä««sB«^^ l'r Naturwissenschaftliche Wochenschrift. REDIGIERT VON Prof. Dr. H. POTONIE, und Prof. Dr. F. KOERBER, KGL. LANDESGEOLOQEN KGL. OBERLEHRER IN GROSSLICHTERFELDE bei BERLIN. NEUE FOLGE VII. BAND (DER GANZEN REIHE XXIII. BAND). (JANUAR — DEZEMBER 1908.) MIT 1 TAFEL UND 381 ABBILDUNGEN IM TEXT. .0. %4 JENA. VERLAG VON GUSTAV FISCHER. 1908. Alle Rechte vorbehalten. Register/) Allgemeines und Verschiedenes. Arldt, Xochmals die Atlanlisirage (Orig.) 699. Fischer, Hugo, Über Grenzgebiete des Lebens (Orig.) 28. Hertel, Das Licht und die lebende Zelle. 38. Plate, Vererbungsichre (Orig.) 23S. Pockels, Bemerkungen zu Verworn über die Erforschung des Lebens (Orig.) 202. Poll, Experimente in der Entwicklungs- lehre. 4i;9. P o t o n i e , Bemerkung zu Wasmann, „Tragweite der .Abstammungslehre" (Orig.) 54. Schopenhauer, Treitschke, G. Frey tag etc. über Fremdwörter. 77. Simroth, Zur Atlantisfrage (Orig.j 410. S i m r o t h , Zur Pendulationstheorie (Orig.) 560. Wasmann, Zur Diskussion üb. die Trag- weite der Abstammungslehre (Orig.) 49. Anregungen und Antworten. 207. Fremdwörter. 77. Ölwirkung auf Wellen. 112. Preisausschreiben des Keppler- Bundes. 430. Preisarbeit d. Naturf.-Ges. in Görlitz. 430. .Sammelreierate und Übersichten. 164. Angelegenheiten der Naturw. Wochcnschr. 164, 207. Philosophie. Angersbach, Assoziations- und Apper- zeptionspsychologie (Orig.) 591. Angersbach, „Seelenleben' bei Ein- zellern (Orig.) 192. Angersbach, Über die beschreibende Methode (Orig.) 225. Angersbach, Was ist ein psychischer Vorgang (Orig.) 623. Dahl, Die Grenze zwischen Naturwissen- schaft und Metaphysik (Orig.) 161. Duhem, Ziel und Struktur der physi- kalischen Theorien. 317. Pfordten, Naturphilosophische Erkennt- nistheorie (Orig.) 686. Wasmann, Aus dem Grenzgebiet von Naturw. u. Philos. Erwiderung an Dahl (Orig.) 267. Carl Vogt's Ausspruch über Gehirn u. Seele. 512. Entwicklungsprinzip. 303. Monistische Lehre. 160. Philosophie, Neues aus der 225, c;i7. Anthropologie und Verwandtes. Adloff, Gebiti des Mensclicn und der Anthropomorphen. 266. Baeli, Die Kassengeschichte Japans. 132. Bolk, Zur Anthropologie der Holländer. 764. Brunhes u. Girardin, Siedelungs- verhältnisse des Val d'Anniviers. 40. Cox, Über Entartung. 265. Fischer, Zu: „Die Elektrizität und das Problem der Aufmerksamkeit" (Orig.l 448. Frederic, .\lbinismus. 154. Friedenthal, Sonderstellung des Men- schen im Reiche des Lebendigen (Ong.) 236. Hamburger, Konzeptionsliäufigkeit u. Kindersterblichkeit. 215. H e n n i g , R., Zum Problem der Ahnungen (Orig.) 42S. Hentschel, Abstammung der Indo- germanen. 265. jKoch, Robert, Über anthropologische Beobachtungen am Viktoriasee (Zentral- afrika). 777. iKohlbrugge, Abstammung des Men- schen. 264, 43g. Lehmann-Nitsche, L'atlas du tertiäre de Monte Hermoso. 263. Li vi, Sklaverei und Degeneration durch Blutvermischung. 265. Matthes, Analysen einiger Nahrung.s- und Genußmiltel etc. der Hottentotten und Kalaharibewohner. 407. V. d. Pfordten, Die Elektrizität u. das Problem der Aufmerksamkeit (Orig.) 84. P o h 1 i g , Urgeschichte des Menschen. 264. Pöch, Rassenhygien. Beob. auf Neu- Guinea. 362. Schallmayer, Der EinfluP der Kriege auf die Entwicklung der Menschheit. 732. Schmidt-Gibichenfels, Rassenzucht u. Rassenpolitik. 265. Schoeppel, Bevölkerung von Nieder- ländisch-Ostindien. 55. Trebitsch, Die blauen Geburtstiecke bei den Eskimos. 88. Volz, Das geolog. Alter der Pithecan- thropusschichten bei Trinil, Ost-Java. (.Selbstreferat.) 30. W e 1 1 m a n n. Sozialanthropologisches. 26^. Wieth-Knudsen, Physischer Fort- schritt der dänischen Bevölkerung. 317. Zu Elektrizität u. Problem der .Aufmerk- samkeit, 304. Anthropologie, Neues aus der, 263. Anthropologisches über Dänemark, 266. Archäologisches aus den Grenzgebieten von Peru u. Bolivia. 266. Geburten- u. Sterblichkeitshäufigkeit in England. 327. Mensch der Vorzeit. 263. Pithekanthropus (Proanthropus). 263. Zähne der Urmenschen von Krapina. 265. Zoologie und Verwandtes. Ackermann, Einiges über Rotatorien (Orig. mit Abb.) 641. A pst ein, Übersicht über das Plankton 1902 — 1907. S07. Babdk und Dedek, Darmatmung der Fische. 11. Bail, Zur Fliedermottenfrage (Orig.) 548. Bail, Zur Entwicklungsgesch. d. Flieder- motten (Orig.) 648. Bohn u. Dahl, Mutterliebe beim Reb- huhn (Orig.) 810. Berndt, Staatenbildung der Tiere. 297. Braun, H., Spezifische Chromosomen- zahlen bei Cyelops (mit Abb.) 166. Brauu, M., Absonderiiche Bewohner des süßen Wassers (Orig. mit Abb.) 503. van Bremen, Die nordischen Plankton- Copepoden. 807. Breßlau, Die Dickel'schen Bienen- Experimente. 549. Breßlau, Die geschlechtsbestimmenden Ursachen der Bieneneier. 713. ■ Broch, Verbreitung von Diphyes arctica. 807. Brohmer, Entomologisches aus Deutsch- Ostafrika (S.-R.) (mit Abb.) 65. Dahl, Kokon von Agroeca (Orig. mit Orig.-Abb.) 655. Dahl, Kleine Arten bei Säugetieren (Orig.) 825. Dahl, Netz der Kreuzspinne (Orig. mit Abb.) 222. Eckstein, Exkursion in den winterlichen Wald. 296. Ehrenbaum, Eier und Jugendformen der Seezunge und anderer im Frühjahr laichender Fische der Nordsee. 806. Freund, Autntherapie (Orig.) 416. H a d z i , Nessclwanderung bei den Hydroid- polypen. 155. Haeckel, Karl, Niphargus aquilex im Odergebiet. 1 10. Haeckel, Karl, Unterirdisches Ge- wässer bei Krossen a. O. 256. Ha eck er, Tiefsec-Radiolarien. 804. H ar r ison , Histogenese der Nerven. 217. H a r t m a n n , Max, Generationswechsel der Dicyemiden (mit Abb.) 4152. Hase, Segmentale .Anordnung der Tele- osteerschuppe (mit Abb.) 232. Heinroth, Farben und Zeichnungs- muster der Warmblüter, insbesondere der Vögel. 308. Hensen, Brandt, Nathansohn, P ü 1 1 e r , Stoffwechsel des Meeres. S02. Henze, Stoffwechsel im Meere. 804. Herdman und Scott, Marine plankton around the south end of the Isle of Man. 808. Hertwig, Osk., u. Poll, Zur Biologie der Mäusetumoren. 183. Heymons, Metamorphose der Insekten. . 7"- Killermann, Getreidesammelnde Ameisen (S.-R.) 378. Killermann, Zugvögel auf hoher See (Orig. mit Orig.-Abb.) 193. Killermann, Der Kannibalismus bei Tieren und Menschen (Orig.) 72 1. K iß kalt, Kannibalismus bei Menschen und Tieren (Orig.) 800. Knauer, Giftechsen (Orig.) 393. Kükenthal, Die Wale und ihre wirt- schaftliche Bedeutung (Orig. mit Orig.- Abb.) 241. •) Die Abkürzung S.-R. bedeutet Sammel-Rcferat. - Die Artikel „Neues aus . . ." sind ebenfalls Sammel- Referate. 3 s s i] :] Register. Lensu. van Kiemsdij k ,.SiphoiioplK)ren der Siboga-Expedilion. So6. Loh mann, H., Neues aus dem (Jebicle der Planktonforscliung (Orig.) 801. Lc>hmann, Gehalt des Meeres an Plank- ton (Orig.) 803. I - o h m a n n , Vollständ. Gehalt des Meeres an Plankton (Orig.) 808. Matsch ie, Neuere systematische Säuge- tierforschungcn. 824. Meisenheimer, E.xstirpations- u. Trans- plantationsversuche. 292. Metalnikow, Krnährung der Infusorien. 74- Nathansohn, Die allgemeinen Produk- lionsbedingungen im Meere. 802. Nathansohn, Die Bedeutung vertikaler Wasserbewegungen für die Produktion des Plankton im Meere. S02. <_)udemans, Autotherapie (Orig.) 240. Pütter, Stoffwechsel im Meere. 804. Schmidt, H. E., Einfluß der Röntgen- strahlen auf Entwicklung von .'\m- phibieneiern. 253. Schmidt, H., Über die Wasserspinne. 415-. Schneider, .A., Zur Biologie des Skor- pions Buthus occitanus Amor (Orig. mit Abb.) 545. Spemann, Korrelation in der tierischen Entwicklung (mit Abb.) 56. Steinmann, Eine polypharyngeale Pla- narie aus der Umgebung von Neapel (mit Abb.) 134. Strodtmann, Eier und Larven der im Winter laichenden Fische der Nord- see. 806. Vosseier, t'ber Insekten Deutsch-Ost- afrikas. 65. Webster, .Ameisen und die nordamerikan. Kornwurzellaus. 268. Wilke, Einiges über die Biologie und Anatomie der Wasserläufer (Orig. mit Orig.-Abb.) 209. zur Strassen, Filaria medinensis und Ichthyonema (mit Abb.) 618. .'Ameisenkolonie-Neugründung. 224. .Ameisenlöwe, Herstellung seines Trichters. 224. Atherix ibis, Fortpflanzungsbiologie dieser Fliege. 512. Bärin, Warum wirft sie ihre Jungen im Winter? 222. Borsienwürmer auf Schnecken. 15. Chara-Kes jasius. 240. Dasselfliegenfrage. 352. Entomologisches. 351. Fischeier, Verbreitung pelagischer. 806. Florfliege. 528. Galle von Diaslrophus (mit Orig.-Abb.) 672. Gartenlaubkäfer, seine Vertreibung. 480. Gnathoccrus ma.xillosus, seine Verbreitune. 16. ^ Gordius aquaticus. 624. Insekten, ihre Farben. 48. Küchenschabe und Mehlkäfer. 79. Lachse, Zur Biologie der. 2S7. Lachse, Leichen der. 432. Leuchtkäfer. 176. Mistkäfer (ein kleiner) in ungeheuren Mengen. 47. Mückenplage im Winter. 416. .N'etzherstellung bei Radnetzspinnen. 415. Phorocera concinnata in Goldafternestern. 352- Planktonforschung, neues aus der. Soi. Prosopistoma-Larve (mit .Abb.) 303. Rattenfängcrsagc. 16. Schildläuse. 672. Schwalben-Lausfliege. 671. Seetiere, ihre Konservierung. 351. Sezierbecken. 6"2. Skunkspelzgeruch. 352. (Sperlinge in Schwalbennestern. ii>. Spinnengewebe und Cocons, ihre Bcstim- mung. 255. Über den Totenkopfschwärmer. 60S. Valvata. 352. Vogelschädel, durchlöcherte. 267. Vogelschutz. 14. Wasserspinne. 415. Würmer bei Schraetterlingsraupen. 47. Botanik und Agrikultur. Azulay, \'erfahren zur Erkennung der Pilzsporenfarbe (Orig.) 253. Baenitz, Taxus baccata L. v. fastigiata Loud. (= T. hibernica Hook.) im Rot- buchenwalde des Neroberges bei Wies- baden (Orig.) 733. Baur, Vererbung und Baslardbildung im Pflanzenreich. 508. Bokorny, Alkoholgärung mit getöteter Hefe (Orig.) 204 Tubeuf, Über die Mistel. 204. Bonnier, Kalk und Pflanzen. 675. Braun, Der physiologische Wert der Plasmodesmen im pflanzl. Organismus (Orig.) 17. Brenner, Stereoskopische Pflanzenauf- nahmen mit .Autochromplatten (Orig.) 749- Bünger, Wirkung von K-Mangel auf Pflanzen (Orig.) 674. Eckard t. Die Wälder der Heimat (Orig.) 593- Ernst, Die neue Flora der Vulkaninsel Krakatau. 521. Faust, Schleuderer und Bailisten. Studien über die Verbreitung der Pflanzensamen (Orig. mit Orig.-Abb.) 689. Graebner, Erfrieren subtrop. Arten bei uns (Orig.) 720. Graebner, Vucca-.Arten als Gartenpfl. (Orig.) 800. Hallier, Ursprung der .\ngiospermen. 825. Harms, Verkannte Fremde in unserer Heimat (Orig.) 752. Heineck, Verlauf des Blütenlebens bei Aesculus hippocastanum (Orig.) 29. — , Einrichtungen zur Samenverlareitung von Agrimonia eupatoria (Orig.) 40. — , Wie kommen die Fliegen aus der Perigonröhre in den Kessel der Aristolochia sipho und wie gelangen sie wieder — nach der Bestäubung — ins Freie? (Orig. mit Orig.-Abb.) 58. — , Wie kommen die 5 Zugänge zum Honig bei der Blüte der Lychnis flos cuculi zustande? (Orig. mit Orig.- Abb.) 74. — , Blütenleben der Clivia nobilis (Orig. mit Orig.-Abb.) 92. — , Zur Blüienbiologie von Aspidistra elatior (Orig mit Orig.-.Abb.) 110. — , Zur BlUtenbiologie von Colchicum autumnale (Orig.) 1^$- — , Zur Blütenbiologie von Brassica ole- racea (Orig. mit Orig.-.Abb.) 168. — , Honigzugänge bei Dianthus carthusia- norum (Orig. mit Orig.-Abb.) 186. — , Krümmung der BlUtenspindel bei Diclytra spect. i"rig. mit I )rig.-.\bb.) 283. Fleineck, Aufblühfolge in den Köpfen von Dipsacus Silvester (Orig. 1 294. -, Gladiolus, zur Blütenbiologie (Orig. mit Orig.-.Abb.) 328. — , Neues Unterscheidungsmaterial der männl. u. weibl. Pfl. von Bryonia dioeca (Orig. mit Orig.-Abb.) 345. — , Blütenentwicklung v. Sa.Nifraga granu- lata (Orig. mit Orig.-Abb. 1 363. — , Blülenlebcn bei Atropa belladonna (Orig. mit Orig.-Abb.) 377. — , Beitrag zur Blütenbiologie von Cam- panula persicifolia (Orig. mit Ori<» - Abb.) 396. — , Blütenbiologie von Nicotiana affinis (Orig. mit Orig.-.Abb.) 442. — , Blütenleben bei Silene nutans (Orig. mit Orig.-Abb.) 455. — , Blütenleben von Tradcscantia virginica (Orig. mit Orig.-Abb.) 474. — , Pollcnübertragung bei Daphne meze- reum und Syringa vulgaris (Orig.) 491. — , Zur Blütenbiologie von Weigelia ro- sea (Orig. mit Orig.-Abb.) 506. — , Zur Blütenbiologie einiger Solanum- arten (Orig. mit Orig.-.Abb.) 535. — , Blütenbiologie von Plectranthus fruti- cosus (Orig. mit Orig.-Abb.) 556. — , Zur Blüienbiologie von Gentiana ciliata (Orig. mit Orig.-Abb.) 586. — , Zur Blütenbiologie von .Aralia (Orig.) 605. — , Der Verlauf des Blülenlebens bei He- dera helix. L. (Orig. mit Orig.-Abb.) 620. — , Zur Blütenbiologie von Reseda odorata (Orig. mit tVig.-.Abb.) 649. Hildebrand, Das Öffnen und Schließen der Blumen (Orig. mit Orig.-Abb.) 513. Kieni tz- Ge rloff. Zu Braun's Aufsatz üb. die Plasmodesmen in den Pflanzen. _ (Orig.) 121. Kieni tz- Ger loff, Verwechselung von Plasmodesmen mit Copulation (Orig.) 236. Koestler, Einfluß des Luftsauerstoffs auf die Gärtätigkeit typischer Milchsäure- bakterien. 407. Kottmeier, Schafein I.ohheckenpflanzen (Orig.) 48. Krause, Ernst, H. L., Über Veronica und andere umstrittene Pflanzennamen (Orig.) 492. Krauss, H. .A., Die Drachenbäume auf Tenerife. 535. Krzemieniewski, Einfluß von Mineral- nährsalzen auf den Verlauf der Atmung bei Keimlingen (mit Kurven- Dia- grammenl. 663. Kürsteiner, Untersuchungstechnik ob- ligat anaerober Bakterien (mit .Abb. ) 405 . Kürsteiner, Untersuchungstechnik obli- gat anaerober Bakterien, sowie zur Lehre von der Anaerobiose überhaupt (Orig.) . 55°- Lindau, Empusa muscae. 800. Lodge, New mann und Bomford, Elektrokultur. 662. Mayer, Adolf, Kohlcnstoft'-Assimilation in anders als grün gefärbten Pflanzen- teilen. 768. Meyer, A., Zellkern der Bakterien. 428. Mi ehe. Die Verbreitung der Bakterien (Orig.) 817. Mikosch, Smith, Beijerinck, Register. 111 Rant, Ruhland, Unters, üb. die Ent- stehung des Kirschgummis. 747. Müller, Karl, Hexenbesen auf Pinus silvestris (Orig. mit Orig.-Abb.) 135. Neger, Verbreitung von Pilzsporen durch Wind, Wassser und Tiere (Orig. mit Orig.-.\bb.) 257. Paul, Kalkfeindlichkeit der Torfmoose. 650. Foto nie, „Heidemoor" oder „Hoch- moor"? (Orig.) 832. Rawitscher, Reduktion der Chromo- somenzahl in den Pflanzen (S.-R. mit Abb.) 577- Schenck, A'cgetation der Kanarischen Inseln. 300. Stoklasa, Kali und Pflanze. 075. Ternetz u. Fröhlich, Assimilation at- mosphär. Stickstoffs durch niedere Pilze. 268. Tobler, Über Kautschukgewinnung und Kr.utschukkultur (Orig. mit Orig.-Abb.) 705- Wagner, Psychobiologische Unter- suchungen an Hummeln (mit Abb.) 77S. W i n k 1 e r , Parthenogenesis und Apogamie im Pflanzenreiche. 688. Zopf, Flechtenstotfe. 62. Adventivpflanzen bei der Crossener Mühle. 784. Auffindung neuer Pflanzenarten in Deutsch- land. 448. Bakteriologie, Neues aus der (mit Abb.) 405. Beziehungen der Bakterien zum Sauerstoff. 405- Botan. Nomenklatur. 208. Einfluß der Ernährung, des Wassers und der Belichtung auf Entwicklung und Organisation der höheren Gewächse. 673- Essigbaum (Rhus typhina). 31. Eucalyptus globulus etc. 208. Eucommia. 20S. Galvanotropismus der Wurzeln (mit Orig.- Abb.) 696. Gölterbaum (Aihinthus glandulosa). 32. Nadelfall von Coniferen beim Trocknen. 368. Nutzbarmachung des Luftstickstofles in Deutschland. 1S5. Parnassia, Morphologisches zu. 400. Pflanzen u elektrische Ströme oder Wellen. 48. Phyllodien bei Oxalis ruscif 544. Planktondiatomee, ihre schnelle Ausbrei- tung (Biddulphia sinensis). 807. Plankton s. Zoologie unter Lohmann etc. Rhytisma acerinum. 32. Stickstoffdüngung in der Landwirtschaft. 763. Stoffwechsel im Meere s. Zoologie unter Pütter etc. Sumach. 31. Süßwerden von Kartoffeln. 832. Trocknen von Pflanzen. 368. Paläontologie. .•\mmon, Eine coronate Qualle (Ephy- ropsites jurassicus) aus dem Kalk- schiefer. 828. Branca, Fossile Flugtiere und Erwerb des Flugvermögens. 6o^, Düsen, Fossile Pflanzenreste im antark- tischen Gebiet 42g. lleierli, llenking, Hescheler, Meister, Neuweiler, Das Keßler- loch bei Thaingen (mit Abb.) 791. Potonie, Dendriten u. Konkretionen (Orig. mit Orig.-Abb.) 336. Wie 1 and. Fossile Cycadales (mit Abb.) 811. Geologie und Mineralogie. Brauns, Farbe der Mineralien. 3S0. Cosyns, Schnelligkeit der Lösung des Kalks. 456. F i n c k h , Staub- resj3. Aschenregen (Orig.) 2S8. Fr aa s , Geol.-geographisches aus Deutsch- Ostafrika. 790. Gagel, Vorkommen u. Entstehung der natürl. Diamanten (Orig.) 524. Gothan, Klimazonenbildung im Jura u. in der Kreide (Orig.) 219. Günther, L. , Bergsturzerinnerungen (Orig. mit Orig.-Abb.) 33. Hecker, Neuere Methoden der Erd- bebenforschung. 42. Hennig, Die Tektonik der Alpen (S.-R. mit Abb.) 353. Ho ebne, Klimazonenbildung im Jura und in der Kreide (Orig.) 218. Jahr, Vulkanische Quellkuppe bei Reitzenhain (Orig. mit Orig.-Abb.) 169. Krusch, Angebliches Schwinden des Goldes (Orig.) 64. Linke, Erdbeben, Vulkane und Stürme in der Südsee. 290. Philippi, Über Intrusionen und tekto- nische Störungen (Orig. mit .-\bb.) 385. Piccard, Geruch mancher Steine. 651. Potonie, Zur Autochthonic der Kohlen- lager (Orig.) 144. Reck, Die kainozoischen Vulkane Deutschlands und unsere Vulkan- theorien (S.-R.) 770. Scheibe, Aluminium- und Maguesium- haltige Mineralien. 138. Wahnschaffe, Eiszeit und deren Ein- fluß auf die Gestaltung der Provinz Brandenburg. 172. Weinschenk, Allochthonie der Kohlen- ablagerungen. 144. Alpengeologie. 789. Concretion, Eine merkwürdige (mit Orig.- Abb.) 80. Erdgeschichtliche Gestaltung des Nörd- linger Rieses. 477. Salpeter- und Phosphatlager. 494. Schwerkraft und Druck im Innern der Erde. 256. Sporen- resp. Pollenkaustobiolithe. 64. Geographie und Geophysik. Adolf F'ricdrich zu Mecklenburg, Exp. nach Deutsch-Ostafrika. 788. Amundsen, Nordwestdurchfahrt im Nordpolargebiet. 284. Amundsen, Peary, Erichsen, Nordpolforschungen. 787. Bemmelen, Diurnel field of magnetic disturbance. 182. Bidlingraaier, Die moderne Südpolar- forschung nach eigenen Erlebnissen der deutschen Südpolarexpedition. 42. Broszat, Über Veränderungen unserer Erdoberfläche. 136. Chun, Erforschung der Antarktis. 536. Endeil, Oberflächenerscheinungen auf Gletschern (Orig. mit Orig.-Abb.) 346. Endriß, Die Rheinische Donau (Orig. mit Orig.-Abb.) 97. Filchner, Expedition nach Tibet. 787. Harrison, Reise ins Nordpolargebiet. 284. Hartmeyer, Reisebilder aus Westindien. 459- V. Knebel, Expedition nach Island. 787. L ü t g e n s , Ozeanographische Forschungs- reise. 786. Paulus, Reisen deutscher Segelschifte. 397- Peary, Nordpolarfahrt. 2S5. Pettersson, Wasserzirkulation der Ost- see (mit Abb.) 380. Sandström, Dynamische Versuche mit Meerwasser (mit Abb.) 382. Sehe impflug, Der Ballon im Dienst der Landestojiographie. 78t;. V. Schrötter, Monatskarten für den Indischen Ozean (Orig.) ^87. Tronnier, Veränderungen der Erdober- fläche. III. Uhlig, Wirtschaftliche Aussichten Ost- afrikas. S09. Austrocknende Seen und solche mit Wasserzunahme. 786. Einfluß des metallischen Eisens auf den Erdmagnetismus. 272. Entdeckungsfahrten im amerikanischen Nordpolargebiete. 284. Erdmagnetismus, Neues über den. 181. Geographische Institutionen. 7S6. Geographie, Neues aus der. 7^5- Tägliches Kraftfeld der erdmagnetischen Störungen. 181. Physik. Becker, .\., Die radioaktiven Umwand- lungen (Orig. mit Orig.-Abb.) 465. Becker, Eiffel, Rith, Luftwiderstand. 359- Becquerel, Einfluß von Temperatur- änderungen auf die Absorption. 202. Doglio, Dauer der Kathodenstrahlen- emission. 361. Boltwood, Neue radioaktive Zwischen- substanz zwischen Uran X und Radium. 662. Edelmann und Lutz, Saitenelektro- meter. 361. Greinacher, Die Elektronenstrahlungen (Orig) 321. Grober, Leistung u. Masse (Orig.) 433. H e y l , Fortpflanzungsgeschwindigkeit von Strahlen. 438. Humphreys, Veränderungen der Bogen- Emissionsspektra unter hohen Drucken. 361. Ko erber. Neuere Luftpumpen (S -R. mit Abb.) 23. L o h m a n n etc., Zeemann'sches Phänomen beim Helium. 360. Lorentz, Das Licht und die Struktur der Materie. 4. Lyman, Absorptionsstudien im äußersten Ultraviolett. 360. Myers und Wilson, Über die Ursache der Schallrichtungswahrnehmung. 660. Michelson, Neues Aktinometer. 359. N ernst, W., Theorie der elektrischen Momentanreize. 662. Mikola, Demonstrationen von 'A'ellen- bewegungen. 49 1. Perot und p'abry, Länge des Meters. 359- Perry, Drehkrcisel (mit Abb.) 488. Prochäzcha, Demonstrationsapparat verschiedener Wellenbewegungen. 49 1 . IV Register. Ried er, Mittel zum photographischen Nachweis elektrischer Wellen. 662. Rubens und Ladenburg, Reflexions- vermögen des Wassers. 661. Scheffer, Mikroskop. Untersuchungen photographisch r Schichten. 731. Schmidt, Lm>enfehler (Orig.) 273. Schmidt, Holz mit einem rotierenden Papierblatt zu durchsägen (mit Abb.) 488. Seddig, Brown'sche Molekulurbewe- gung. 660. Thiesen, Schallgeschwindigkeit. 660. Trautz, Chemilumineszcnz. 726. V o 1 k m a n n , Eme merkwürdige Resonanz- erscheinung (Orig.) 734. Wesendonk, Swan'sches Banden- spektrum. 360. Wommelsdorf, Neue Influenzmaschi- nen. 361. Wood, Photographische -aufnahmen sehr schwacher Spektra und Nebel. 661. Zernow, Schallintensität. 660. Apparat zur Calibrierung von Thermo- elementen (Orig.) 331. Optische Resonanz. 359. Physik, Neues aus der. 3'^9, 660. Schwerebeschleunigungsbestimmung. 64. Spektralanalyse. Neues aus der. 198. Strahlregltr. 368. Vergröflerungszahl einer Lupe. 320. Mathematik. Fermat'sche Sätze. 224. Gesetz der großen Zahl. 736. Astronomie. Adams, Sonnenrotation. 214. Blajko, Meteorspektra. 215. Chevalier, Granulationen der Sonnen- oberfläche. 437. G u t h n i c k , Zur Helligkeit des Eros. 438. Loud, Veränderl. Sterne von ö Cephei. 215. Martus, Wahrer Grundriß der Ring- gebirge des Mondes. 294. Messerschmitt, Babylonische Planeten- kunde (Orig.) 329. Nordmann, Heterochromes Photometer. 438. Park hurst u. Jordan, Photograph. Bestimmungen von Sternfarben. 438. Scheele, .Aufnahme desSonnenspektrums mittels der Aulochromplatle (f )rig.) 506. Slipher, Wasserdampf in der Mars- atmosphäre. 437. Stebbins u. Brown, Photometrische Mondbei.bachtungen. 214. Trowbridge. Leuchtende Meteor- schweife. 438. Wien, Temperatur des Mars. 234. Wolf, M., Encke'scher Komet. 215. ■\stronomie, .Meues aus der. 214, 437. Himmelserscheinungen, monatliche. 13, 62, 138, 205, 348, 414, 494, 622, 688, 765, 829. Sonne, zu ihrer Kenntnis. 437. Meteorologie. Aßmann, Aeronautisches Observatorium bei Lindenberg. 166. Börnstein, Zur Geschichte der 100- teiligen Thermometcrskala. 13. Fischer, A., Die Hurrikanes oder Dreh- stürme Westindiens. 538. Henriet u. Bonyssy, Ursprung des atmosph. Ozons. 651. Kaßner, Das chemische Wetterglas oder Paroskop (Orig.) 657. Knoche, Die klimatologische Bedeutung der äquivalenten Temperatur (mit Dia- grammen). 75. Lagrange, Die höchsterreichte Ballon- höhe (Orig.) 80. Leß, WettermonatUbersicht (Orig. mit Orig. -Diagrammen) 44, 125, 1S8, 254, 33Z> 398, 458, 540, 606, 667, 750, 814. Meißner, Der Mond und die Wolken. 457- Pechuel-Loesche, Strahlen neben dem Zodiakallicht (Orig. mit I O.- Tafel.) 609. R ij cke vor s e 1 , Maxima u. Minima bei meteorol. Erscheinungen. 165. Wegener, Drachenaufstiege auf dem Brocken. 166. Wussow, Die Niederschlagsverteilung in Berlin während der Jahre 1899 — 1904 (Orig.) 129. .Aerolotie, Neues aus der. 289. Entstehung des Hagels. 432. Größte bisher erreichte Höhe über dem Erdhoden. 12. Lufttemperaturen. 160. Meteorologie, Neues aus der. 163. Preisausschreiben der Deutschen Meteoro- logischen Gesellschaft. 718. Chemie. Abderhalden, Neuere Ergebnisse auf dem Gebiete der Eiweißforschung mit besonderer Berüchsichtigung biologi- scher Probleme (Orig.) 113. Bergner, Kolloidale Lösungen (Orig. mit Orig. -Abb.) 417. Byk, Elektrochemische und elektromag- netische Theorien der photochemischen Prozesse. 727. Dennstedt u. Haßler, .Vmmonsulfat im Ruß. 437. Freundlich, Zur Theorie des l'ärbe- prozesses. 187. Gold stein. Zweifache Linienspektra chemischer Elemente. 61. Grüß, Über die neueren Ergebnisse der Enzymforschung (Orig. mit Orig.-Abb.) 305- Knorru. Hörlein, Eine neue Morphin- formel. 278. Loebe, Über die Behandlung der elek- trischen Laboratoriumsöfen mit Platin- widerstand (Orig. m. Orig.-Abb.) 123. Loebe, Neue Methode zur Schmelz- punktbestimmung von Metallen (Orig. mit Abb.) 331. Luther, Photochemische Reaktionen. 725. Luther u. Plotnikow, Über scheinbar umkehrbare photochemische Vorgänge 312. Mecklenburg, Das Dulong-Petit'sche Gesetz (Orig.) 664. Nickel, Chemische Graphostatik (Orig. mit Abb.) 795. Pufahl, Magnesium u. Aluminium. 140. Rasch ig, Chlorkalkreaktion des .Anilins und das Monochloramin. 281. Roh 1 and. Über die Reaktionsfähigkeit fester Stoffe und die Elektronentheorie (Orig.) 716. Schoen, Einiges über das Urelement (Orig.) 69. Staudinger u. Klever, Ketone und Kohlensuboxyd. 279. Stobbe, Die Photochemie organischer Verbindungen. 728. Wood, Spektra des erhitzten Natrium- dampfes. 661. Z a w i d z k i , Wesen des Lösungsvorganges. .. 314- Äthylalkohol, sein Nachweis. 48. Atomgewicht des Radiums. 583. Chemie, Neues aus der. 381, 725. Chemie, allgemeine, Neues aus der. 312. Einfl. d. Temp. auf radioakt. Umwand- lungen. 583. Elektrochemie, Neues aus der. 229. Gesetz von der Erhaltung der Masse. 585. Kohlendioxyd u. Kohlensäure. 256. Kohlen- (nicht Kohle-)hydrat. 752. ( »rganische Chemie, Neues aus der. 27S. Reaktion 8. Ordnung. 583. Stereochemie der Katalyse. 584. Transmutation der ehem. Elemente. 582. Leuchten des Phosphors. 381. Verdampfung fester Körper bei gewöhnl. Temperatur. 585. Unterricht. Malthan, Wetterkunde in der Volks- schule. 444. Biologische Stationen. 207. Das Spektrum im Unterricht. 198. Deutsche Ges. für volkstüml. Naturkunde. 4!, 13S, 169, 236, 296, 459, 50S. Ferienkurse in Jena. 430. Lichtbilderanfertigung. 48, 288. Physikal. App. f. d. Schule. 832. Physikalischer Unterricht, Neues aus dem- selben. 488. Urania in Zürich. 439. Medizin, Hygiene, Pharmacie, Nahrungsmittel u. Verwandtes. .\xmann, GeHilirliche Strahlen (Orig.) 449. B a r t h e 1 , Verwendbarkeit der Reduktase- probe zur Beurteilung der hygienischen Beschaffenheit der Milch. 613. Barth el. Die Silberzahl-Methode von W'ijsman und Reijst. 614. Beitter, Enrilo, ein neues Kaffeeersatz- mittel. 618. Belschner und Lintner, Bestimmung des Stärkegehalts in Cerealien durch Polarisation. 248. Best, Kurzsichtigkeit und deren Ver- hütung. 605. Brüning, Zur Beurteilung des konser- vierten Eigelbs. 617. Cohn, Robert, Nachweis von Kokos- fett in Butter. 249. Farnsteiner, Der Ameisensäuregehalt des Honigs. 617. Feist, Spaltung des Amygdalins unter dem Einfluß von Emulsin. 425. Frerichs, Bestimmung des Eisens im Ferrum reductum. 425. Gerlach, Einfluß des Fettgehaltes im Kakao auf die .\usnutzung von N-Sub- stanz und Fett. 252. Härtel, Will usw., Beurteilung von Pfeffer. 252. Hansemann, Grundbegriffe der Krank- heitslehre. 461. Jensen, Herkunft der Kuhmilchenzyme. 282. Register. Klut, Untersuchung des Wassers an Ort und Stelle. 269. Kreutz, Neues Verfahren zur Bestim- mung des Fettgehaltes im Kakao. 618. Kuntze, Max, Maßanalytische Bestim- mung des .'Mlylsenföls. 425. Lendrich u. Murdfield, Coffeiafreicr Kaffee. 617. Loew, Sonderbare japanische Nahrungs- mittel. 790. Mannich u. Herzog, Wertbestimmung von Xeroformverbandstoffen. 42^. Mannich u. Zernik, Neuronal (Diäthyl- bromacetamid). 422. Matthes u. Ackermann, Über die un- verseifbaren Bestandteile der Kokos- butter, sowie über ihren Nachweis in Mischungen mit Butter. 614. Matthes u. Hübner, Über die Zer- setzung der Lecithin-Phosphorsäure bei der Aufbewahrung der Teigwaren. 61 v Matthes u. Fritz Müller, Bestimmung der Rohfaser in Kakaowaren. 251. Matth es u. Roh dich, Kakaofett. 424. Matthes u. Sander, Lorbeerfett. 424. Matthes u. Streitberger, Über den Wert der Silberzahl für die Beurteilung ' der Reinheit des Putterfettes. 614. Matthes u. Streitberger, Refraktion des Butterfettes, der Margarine, des Schweinefettes, der Kokosbutter, des Kakaofettes und deren wasserunlös- lichen, nicht flüchtigen Fettsäuren. 614. Metsch nik o ff , Ein neuer Beitrag zur Tuberkuloseforschung. 133. Mezger, Über alkoholfreie Getränke. 615. Ohm, Die Balata. 426. Prall usw., Eierkonservierung. 250. Rabe, Konstitution des Cinchonins. 422. Reich, Ingwer. 252. Röhrig, Konzentrierte Fruchtsäfte. 618. Rosenthaler, Über gewisse Cinchona- Rinden. 426. Rosenthaler und Sieb eck. Einige organische Eisensalze. 423. Schoen, Über Vegetarismus (Orig.) 64. Scholtz, M., Eisendoppelsalze der Alka- loide. 423. Schoorel und Fred Con, Spezitisches Gewicht des Milchserums. 250. Schwalbe, Die Bedeutung der Bakterio- logie für Gewerbehygiene und soziale Hygiene (Orig.) 145. Schwalbe, Was ist Krebs? (Orig.) 529. Schwarz, Welchen Wert hat die Be- stimmung des Aschengehaltes und die Ausführung der Ley'schen Reaktion bei der Honiguntersuchung? 616. Sprinkmeyer und Fürstenberg, Ziegenmilch und Ziegenbutter. 249. Wimmer, Koffeinfreier Kaffee 251, 791. W i 1 1 ra a c k , Über Reis des Handels (Orig.) 192. Zernik, Wichtigste neue Arzneimittel von 1907. 422. Behandlung d. Vergiftung durch Schlangen- biß. 560. Brasilianische Heilsera gegen Schlangen- gifte- 343- Fruchtsaft-Statistik 1907. 615. Honiguntersuchung. 617. Kreuzotterbiß-Bckämpfung. 432. Milchgerinnung. 112. Mückenplage. 272. Nahrungs- und Genußmittel, neue. 790. Nahrungsmittelchemie, Neues aus der. 248, 611. Pharmacie, Neues aus der. 422. Schaf- und Ziegenmilch und -Butter. 611. Technisches, Instrumentenkunde. Doht, Künstliche Seide (S.-R.) I. Kay es, Natürl. Alaun in Mexiko. 205. Korn, Fortschritte der Bildtelegraphie. 170. K ü h 1 , H., Kautschukuntersuchungen. 426. Mecklenburg, Das Königl. Material- prüfungsamt in Groß-Lichterfelde (Orig. mit .•\bb.) 737. Neuhauß, Farbenpholugraphie. 296. Schaum, Anwendung der Photochemie auf die Photographie. 730. Siemens & Halske, Bodensee-Fern- sprechkabel mit Selbstinduktionsspulen nach dem Pupin'schen System. 317. Stange, Spektroskopische Aufnahmen mit Lumieres .Autochromplatten (Orig.) 235- Vater, Allgemeine Grundlagen für den Bau einer Dampfturbine (Orig. mit Orig.- Abb.) 177. Vater, R., Dampfturbinen 11 (Orig. mit Orig.-Abb.) 497. 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Sommer, Die wirkliche Temperaturver- teilung in Mitteleuropa. 349. Spengel, Fortschritte der Zoologie. 43 r. Spörl, Photogr. Almanach. 287. Stolze, Photograpisches Le.xikon. 735. Strasburger, NoU, Schenck und Karsten, Lehrb. d. Botanik. 348. Thurn, Die F'unkentelegraphie. 141. Tidy, F'euerzeug. 222. Tobler, Kolonialbotanik. 52(1. Toula, Lehrbuch der Geologie. 559. T r ö m m e r , Hvpnotismus und Suggestion. 526. Tschirch, Die Chemie und Biologie der pflanzlichen Sekrete. 622. T ü r k h e i m , Zur Psychologie des Geistes. Tier- und Menschengeist. 782. Trolls-Lund, liimmelsbild u. Welt- anschauung. 557- Ullrich, Programmwesen u. Programm- bibliothek der höheren Schulen. 431. Valentiner, Vektoranal ysis. 143. Vater, Hebezeuge. 526. Villard, Les rayons cathodii|ues. 720. Verworn, Die Mechanik des Geistes- lebens. 141. Virchow, Briefe. 189. Vogel, Taschenbuch der Photographie. 735- Voigt, Magneto- und Elektrooptik. 720. Wagner, Hermann, Orometrie des (.>st- fälischen Hügellandes links der Leine. 349- Wagner, M., Biologie unserer einheimi- schen Phanerogamen. 671. Wagner, V., Geologie und Mineralogie. 320. Wehner, Das Innere der F>de und der Planeten. 480. AV einschenk, Die gesteinsbildenden Mineralien. 333. Weinschenk, Petrographisches Vade- mekum. 590. Weinschenk, Gesteinskunde. 590. Wenzig, Die Weltanschauungen der Gegenwart in Gegensatz und Ausgleich. 142. Werner, Reptilien und Amphibien. 651. Werner, Lebenszweck und Weltzweck oder die zwei Seinszustände. 829. Westermarck, Ursprung und Entwick- lung der Moralbegrifte. 702. Wettstein, Handb. d. System. Botanik. 45- Wieler, Kaffee, Tee, Kakao und die übri- gen narkotischen Aufgußgetränke. 141. Wiesner, Lichtgenuß der Pfl. 318. Wilhelm, Karl, Kleiner Bilderatlas zur Forstbotanik. 542. Winkelmann, Handb. der Physik. 255. Witte, Wendische Bevölkerungsreste in Mecklenburg. 349. Young, Der kleine Geometer. 719. Zetzsche, Mikroskop. 206. Z i e g 1 e r , Konstitution und Komplementät der Elemente. 767. Zopf, F'lechtenstofte. 62. Annales de l'observatoire royal de Bel- gique. 350. Annuaire astronomique de l'observatoire royal de Belgique. 350. Annuaire du bureau des longitudes 190S: 63, 1909: 751. .Arbeiten aus dem Gebiet der experimen- tellen Physiologie herausgegeben von Friedenthal. 607. Astronomischer Kalender für 1908. 222. Aus der Heimat — für die Heimat. 607. .\us Natur und Cjeisteswelt. 141, 52=;, 652. Bibliothek der gesamten Technik. 144. Bibliothek der Technik und Industrien. 144. Das Wetter. 205. Das Wissen der Gegenwart. Deutsche Universalbibliothek für Gebildete. 142. Deutsche Südpolarexpedition 1901 — 03. 156. Ergebnisse der Hamburger Magalhaensi- schen Sammelreise 1892/93. 668. Ergebnisse der F'nrtschritte der Zoologie. 431- Forschungen zur deutschen Landes- und Volkskunde. 349. Jahrbuch für die Gewässerkunde Nord- deutschlands. 704. Natürl. Pflanzenfamilien. 286. Naturwissenschaflliclie Zeitfragen. 541. Pädagogische Jahresschau. 6S5. Photograiihisches Jahrbuch u. Almanacli. 287. Progressus rei botanicae. 2^5. Sammlung Göschen. 142, 510, 6^i. Technik u. Schule. 447. Tier-Bestimmungstabellen m. Zeichnungen. 352- Unsere Groflstadtjugend in Flur und W'ald. 383.. Vegetationsbilder, herausgegeben von Karsten u. Schenck. 588. Wissenschaftliche Ergebnisse der deut- schen Tiefsee-Flxpedition auf dem Dampfer „Valdivia" 1S98 — 99, heraus- gegeben von Chun, Leiter der Exped. 93. 7S2, 799- Wiss. Ergebn. d. Expedition Filchner nach China u. Tibet. 13. Wissenschaft und Bildung. Einzeldar- stellungen aus allen Gebieten des Wissens. 142, 511. Zoologische Annalen. 447. Lit. üb. Bau der Geschlechtsorgane und Entw. d. Wirbeltiere. 35 1. Lit. zur Bestimmung von Käfergattungen. 352- Lit. zur Bestimmung von Raupen. 207. Lit. zur Biologie der Moose u. Farne. 128. Lit. üb. biontol. Mikroskopie. :;44. Lit. zur Bodenkunde. 48. Lit. üb. botan. Atlanten. 688. Lit. üb. Brutpflege. 80. Lit. üb. Coleopteren- u. Dipterenlarven. 176. Lit. üb. d. Devon von Bensberg u. Paff- rath. 768. Lit. für Eiersammler. 528. Lit. zur Elektronentheorie. 736. Lit. üb. einheim. Vögel. =;I2. Lit. üb. die Entwicklungslehre d. Wirbel- tiere. 671. Lit. zur etymologischen und sachlichen Erklärung biontologischer usw. Ter- mini. 16, 44S, 816. Lit. zur Flora u. Fauna der Marianen. 384. Lit. zur Flora von Australien. 384. Lit., florislische, üb. die Kanarischen Inseln. 160. Lit., floristische, üb. die Riviera. i6o. Lit. zur Flora von Sachsen. 512. Lit. üb. Fontinalis. 7S4. Lit. zur. Gesch. d. Naturw. 7*^4* Lit. üb. Insekten als Verbreiter von Krank- heiten. 240. Lit. zur Lichenen-Terminologie. 128. Lit. üb. Meteorologie. 624. Lit. zur norditalienischen Flora. 256. Lit. über Paläontologie der niederen Tiere. 671. VIII Register. I.it. üb. Pllanzcnkork. 36S. I.it. üb. I'flanzenliiuse. 672. ly'U. üb. physikal. Chemie. 304. I.it. üb. Sclinecken. 80. Lit. üb. Schneckristalle. 41;. Lit. üb. Schülerexkursionen. 112, 384. Lit. üb. Schulzooliigie. 176. Lit. üb. Süßwasseralgen. 288. Lit. zur Tiersystematik. 672. Lit. üb. Vererbungserscheinungen im Pflan- zenreich. 192. I.it. üb. Wasserläufer. ;28. Abbildungen. Abb. zu dynara. Vers, mit Meerwasser. 3S3. Albdonau (Orig. ) 99. .\nthus trivialis (Orig.) 197. Apparat zum Studium der Dillusioiis- erscheinungen (Orig.) 418. Apus cancriformis. 504. Aquilegia-Frucht (Orig.) 694. .^ristolochia sipho-Blüten (Orig.j 59, 60. Aspidistra elatior-Blüten (Orig.) 1 10. Atropa belladonna-Blüten (Orig.) 377. Bakterien, zur Untersuchungstechnik ob- ligat anaerober. 406. Bailote nigra-Früchte (Orig.) 695. Blauwalembryo (Orig.) 245. Branchipus stagnalis. 504. Brandversuch. 746. Braunfischembryo (Orig.) 243. Bruchformen bei Zug-. Druck- und Biege- versuchen. 741. Bryonia dioeca-Blätter der t/' u. 9 Pfl. (Orig.) 346. Budytes an Bord eines Dampfers (Orig.) 197- Buthus. 546. Campanula persicifolia-BIüten (Orig.) 396, 397- Ceratium. 94, 95, 96. Chromosomen bei Cyclops. 167. Chromosnmen-Bilder. 579. Clivia nobilis-Blüten (Orig.l 93. Cycadeoidea, Fortpflanzungsorgane. 812 bis 814. Dampfturbine, Abb. dazu ((.>rig.) 17S — 181. Dampfturbinen-Maschinenteile (I 'rig.) 498 bis 502. Dattelsamen, .\natomisches (Orig.) 307. Dattelsamen in Keimung (Orig.) 307. Deckenprüfung. 746. Delphinembryonen (Orig.) 242. Dendrit, künstlicher (Orig.) 336. Diagramm eines Dehnungsversuches mit Flufieisen. 740. Diagramme und Schemata zu: Die radio- aktiven Umwandlungen (Orig.) 468/474, 482/5. Diagramme üb. Temperaturverlauf. 75, 76. Dialysator (Orig.) 418. Dianlhus carthusianorum , Blumen - Dia- gramm (Orig.) 1S6. Diclytra spectabilis (Orig.) 283. Dicyemiden, .Schema des Zeugungskreises. . 453- Dipsacus Silvester (Orig.) 294. Doassansia-Sporenballen (Orig.) 260. Donaubett (trocken) am Hattinger Weg (Orig.) 102. Donau-Hauptversinkung im Brühl (Orig.) 102. Dracaena draco. 301. Dracaena, l'.ndospermzellen (Orig.) 310. Elektrischer Ofen (Orig.) 123, 125. Eremcrus spcctabilis-Blüten (Orig.) 516. Euphorbia canariensis. 302. Ficus ((-irig.) 707. Fließfiguren. 741. F'ormen von Stauchversuchen. 742. Frucht von Impatiens (Orig.) Ü90. Gcntiana ciliala , Blütengrundrisse usw. (Orig.). 5S7. Gerstenkorn, gekeimtes (Orig.) 306. Gerstenkorn, mikroskopisch (r>rig. 1 30(1, 307- Gladiolus-Blumen (Orig.) 328/329. Glechoma-Früchtc (Orig.) 696'. Glelscher-Oberflächenformen (Orig.l 347. Goldau vor dem Bergsturz (Orig.) 35. Graphische Darstellungen über Tempe- ratur u. Niederschlag (Orig.) 44, 7=;, 126, 188, 254, 332,398,540,607, 668, 750, S14. (irapliium im I'raßgang von Bostrychus (Orig.) 202. Zur Graphostatik. 796/797. Härte- und Elastizitätsprüfung bei Stahl- kugeln. 743. Hedera Helix (Orig.) 621. Helvetische und exotische Decken am Urnersee. 371. Hevea (Orig.) 707, 710. Hexenbesen auf Pinus silvestris (t *rig.) 135. 136- Hummelflugbahnen. 779. Hummelkokon und -wabe. 780/781. Hummelncster. 77^. Hydrometra (Orig.) 2Ioff. Impatiens, Fruchtanatomie (Orig.) 690. Karte des Aachtopfgebietes (Orig.) loi. Karte, Geolog., des Brühlgebietes (Orig.) 104. Karte, Geolog., des Cerro Mulcros. 402. Karte, Geolog., des Donauversinkungs- gebietes (Orig.) 104. Karte, Geolog., d. Sierra de Santa Rosa. 403. Karte Südwest-Deutschlands mit einge- zeichneten Vulkangruppen (Orig.) 'J'Jl. Karte, Hydrolog., der Rheinischen Donau (Orig.) io£. Karte u. Profil des Steinheimer Beckens. 391, 392- Keßlerloch bei Thaingen. 792. Kickxia (Orig.) 709. Knickversuch. 746- Kokons von Agroeca (Orig.) 055. Kreuzspinnenfluß 223. Kreuzspinnennetz. 223. Kurven zur Veranschaulichung der Keim- lingsatmung. 663. Lactarius, Anatomisches (Orig.) 312. Lampsana communis - F'ruchtstand etc. (Orig.) 693, 694. Landolphia. 708. Larve von Baetis (Ecdyurus. ) 304. Larve von Prosopistonia. 304. Lasiobotrys Lonicerae-Sklerotien (Orig.) 259. Laubwald mit Unterflora. 173. Lepidurus productus. 503. Leuciscus ruiilus, Segmentverlauf bei dem- selben. 233. Liegende Falte. 355. Limneiis brachyura. 504. Limnadia lenticularis. 504. Linsenfehler (Orig.) 274 — 278. Luftpumpen. 24, 25, 26, 27. Lychnisfloscuculi, Blüten-Diagramm (Orig.) 75- Materialprüfungsamt zu Gr.-LichterfeUle. 73S. Merkwürdige Concretiim. 80. Mond-Ringgebirgs-Grundrisse. 295. Moorlandschaft der Stcinkoblenzeit. 174. Nicotiana affinis-Blumen (Orig.) 442. Xicotiana afrtnis-Blumen (Orig.) 514. Oxalis acetosell.a-Blüten (Orig.) 516. Oxalis stricta-Früchte (t^rig.) 691. Peronospora parasitica (Orig.) 258. Pezomachus agroecae n. sp. (Orig.) 656. Pflanzenwurzel zw. .\node und Kathode (Orig.) 696. Phvllactinia-Perithecium (Orig.) 260. Planaria montencgrina. 134. Plectranthus fruticosus-Blüten (Orig.) 556. Profil, Geologisches, am Ostrande des Cerro Muleros. 402. Profile, Geologische, durch die Sierra de Santa Rosa und die Sierra de Con- cepcion del Oro. 404. Profil durch die Ostsee mit ihren Wasser- schichten. 3S1. Profil aus dem Panorama des östl. Rhäti- kons. 372. Rana silvatica zusammengesetzt mit R. palustris. 57. Reseda odorala-Blüten- u. B. -Teile (Orig.) 649. Riesberg und Riesberg-Profil. 388, 3S9. Riesgebict-Profil. 390. Rippelmarken im Gletschereis (Orig.) 347. Roßberg, sein Abiißgebiet (Orig.) 3:;. Rotatorien (Orig.) 644, 646. Rotierende Körper. 489, 491. Sandstrahlfiguren auf Gesteinen. Sarothamnus scoparius-Frucht tomisches (Orig.) 691. Saxifraga granulala-BIüten (Orig.) Simplonprofil. 370. Schistocerca. 66. Schopper 'scher Prüfer zur Ermittlung der Reißlänge u. Reißdehnung von Papier. 754- Schopper'scher Papierfalzer. 755. Schuppenkleider der Teleosteer. 232, 233. Schwalbenlausfliege (Orig.) 671. Schwarzwalddonau zur Trockenzeit (Orig.) : 99- 1 Scutellaria-Früchte (Orig.) 695. Silene nutans-Blumen (Orig.) 4:^5. Skorpion. 546. Stenopteryx (Orig.) 671. Slärkekörner ('.^rig.) 307. Temperatur und Niederschlagsd'agramme. 45S. Tradescantia-Blumen (< *rig.) 475/6. Traganthzelle (C'rig.) 30g. Tyndall'scher Lichtkegel, Erzeugung des- selben (Orig.) 419. Überschiebungen am Buchberg etc. 387. Ultramikroskopische Versuche, \'ersuclis- anordnung (Orig.) 421. Verlandungsvegetation. 174. Verbena-F'ruchtstand (cTrig.) 693. Viola-F'rucht u. Anatomisches (Orig.) 692. Vilrella saxigena var. danubialis. 107. Vorhistorische Pferdezeichnungen. 793, 795- Vulkanische Quellkuppe bei Reitzeuhain (Orig.) 169. Wasserläufer (Orig.) 2 10 ff. Weigelia, zum Blütenbau (Orig.) 506. Württemberg's Isoklinen. 390. 744, 745- .\na- 363 Organ der Deutsehen Gesellschaft für volkstümliche Naturkunde in Berlin. Redaktion : Professor Dr. H. Potoni^ und Professor Dr. F. Koerber in Gro§-Lichterfelde-West bei Berlin. Verlag von Gustav Fischer in Jena. Neue Folge VII Band; der ganzen Reihe XXIII. Band. Sonntag, den 5. Januar 1908. Nr. 1. Abonnement: Man abonniert bei allen Buchhandlungen und Postanstalten, wie bei der Expedition. Der Halbjahrspreis ist M. 4. — . Bringegeld bei der Post 15 Pfg. extra. Inserate: Die zweigespaltene Kolonelzeile 40 Pfg. P>ci größeren Aufträgen entsprechender Rabatt. Beilagen nach Cbi-rcinkunft. Inseraleuannahme durch die Verlags- handlung. [Nnchdiuck verboten.' Künstliche Seide. Von Dr. Walter Doht. Als zum ersten Male im Jahre 1889 der Graf Hilaire de Chardonnet auf der Pariser Weltaus- stellung eine Kunstfaser von seidenähnlicher Wir- kung unter dem Namen „soie artificielle" vor- führte, erregte er allgemein großes Aufsehen, denn man hoffte, daß nun ein billiger Ersatz für das so geschätzte, aber leider auch so kostbare Raupen- gespinst gefunden sei. Allein trotz der großen Bedeutung der neuen Erfindung sind die damaligen Erwartungen bis heute nur teilweise in Erfüllung gegangen. Wenn auch die künstliche Seide in vieler Beziehung das Naturprodukt zu ersetzen vermocht hat, auf dem Hauptverwendungsgebiet, für Kleiderstoffe und leichte Gewebe, ist sie noch immer nicht konkurrenzfähig, da sie eine zu ge- ringe Festigkeit und Elastizität hat und die aus ihr gefertigten Textilstoffe eine große Neigung zum Brüchigwerden zeigen. Im Gegensatz zu anderen tierischen bzw. pflanz- lichen Gespinststofifen, welche sich aus nur kurzen Fasern mit meist rauher, teilweise schuppiger Oberfläche aufbauen, stellt der Seidenfaden einen strukturlosen, häufig mit Längsstreifung versehenen Schlauch dar, welchem infolge seines glatten Äußeren der für Seide charakteristische Glanz eigentümlich ist. Wie bekannt, ist Seide das Produkt des Verpuppungsvorganges einer Raupe bzw. eines Schmetterlings, und zwar kommt für die Gewinnung der „echten Seide" Bombyx mori, der Maulbeerseidenspinner, in Frage; die mei>tt.n anderen Bombyxarten liefern minderwenige Fä^ len, die sog. „wilde Seide". Hat die Raupe jt-nes Entwicklungsstadium erreicht, wo sie sich für ihre Umwandlung zum Falter einspinnt, so beginnt sie die eigentliche Seidenerzeugung, denn der die Larve einhüllende Kokon ist nichts anderes als ein kunstvoll aufgewickelter, flacher Doppelfaden aus Seide, dessen Länge je nach der Art, der Spinn- und Lebensfähigkeit der Raupe wechselt und bis 3000 m erreichen kann. Ist für den Seidenspiimer die Zeil der Verpuppung gekommen, so sondert er aus zwei unter dem Munde liegen- den Drüsen einen zähflüssigen, fadenziehenden Saft ab, der, aus einer feinen Öffnung heraus- tretend, S(>fort an der Luft erstarrt. Zwecks Er- zielung eines wirklichen Fadens heftet die Raupe, ähnlich der Spinne, den Anfang des werdenden Gebildes an passender Stelle an und läßt unter leichtem Zug den Drüseninhalt zu einem Faden werden, was durch regelmäßiges Hin- und Her- bewegen des Kopfes erreicht wird. Das so ent- standene Gebilde ist nun nicht, wie zu vermuten Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. Vir. Nr. I wäre, ein einheitlicher Körper, sondern erweist sich als ein walzenähnliches Erzeugnis, welches aus zwei miteinander festverklebten Einzelröhrchen zusammengesetzt ist. Die Seidenfaser selbst, also die später gewonnene echte Seide, besteht aus einem Eiweiß- oder Proteinkörper, dem F"ibroin, welches bei der Rohseide noch von einem leim- artigen Überzüge, dem Seidenleim, Sericin oder Seidenbast, umgeben ist, der das Zusammenhaften des Kokondoppelfadcns ermöglicht. Ursprünglich einheitlich, verwandelt sich das Fibroin beim Ver- lassen der Spinndrüse an der Oberfläche in Sericin, welches unter der Einwirkung des Luftsauer- stoffes verändertes Fibroin ist. Für die Fabrikation künstlicher Seide wäre nun das Naheliegendste das: man bereitet sich Fibroin, läßt dieses durch eine feine Öffnung an die Luft treten und unter Zuhilfenahme einer leichten Spannung erstarren. Allein der Chemie ist die Herstellung künstlichen Fibroins bislang noch nicht geglückt. Deshalb arbeitete auch der Erfinder der Kunstseide, Chardonnet, mit einer anderen zähflüssigen Substanz, deren Herstellung gemeinhin bequem ist, indem er von der Kollo- diumlösung ausging, die im täglichen Leben bei medizinischen Verbänden eine große Rolle spielt. Chemisch ist Kollodium eine Auflösung von Schießbaumwolle oder Pyroxylin in einem Ge- misch von Alkohol und Äther und besitzt infolge des leichten Verdunstens seiner Solventien die Fähigkeit, rasch an der Luft zu erstarren. Die erste Schwierigkeit, welche sich Chardonnet bot, war das ganz klare Filtrieren der in Frage kom- menden, sirupdicken Flüssigkeit, da das geringste Fäserchen oder Staubteilchen einerseits die Festig- keit und den Glanz des zu erzeugenden Gespinstes zu beeinträchtigen drohte und andererseits die feine Spinnöffnung verstopfen konnte. Nach langen Versuchen wurden endlich Baumwollfilter gewählt, durch welche sich die Spinnlösung unter mehreren Atmosphären Druck hindurchzwängen mußte, um dann in kapillare Glasröhrchen von etwa 0,o8 mm Durchschnitt zu treten, welche als eigentliche Spinnvorrichtung dienten. So hätte der Theorie nach wohl ein Faden entstehen können, wäre nicht für die Erzielung eines endlosen Gebildes noch eine weitere Auf- gabe zu lösen gewesen. Während die Raupe ihr Spinnsekret ohne weiteres an der Luft erstarren lassen kann, ist es beim Kollodium geboten, zu einem Erstarrungsmittel, einer sog. Fixierfiüssig- keit, zu greifen, da die Verdunstung des Lösungs- mittels nicht wie bei der tierischen Tätigkeit vor sich geht. Als geeignetes Material erwies sich für den genannten Zweck Wasser, an welches das Kollodium sein Solvens in der gewünschten Art unter gleichzeitigem Gerinnen abgibt. Tritt eine Substanz wie Kollodium in eine andere P'lüssigkeit, in unserem Falle Wasser, so beginnt augenblicklich zwischen zwei physika- lischen Kräften, der Oberflächenspannung und der der Spinnlösung durch das Auspressen aus der Düse erteilten Energie, ein Kampf. Die Ober- flächenspannung äußert sich in der Neigung zur Tropfcnbildung, also dem Bestreben, statt der Walzenform, welche durcii den Austritt aus den Kapillaren gegeben ist, die Kugelgestalt anzu- nehmen. Dadurch würde natürlich der Zusammen- hang zwischen den einzelnen Teilchen völlig ver loren gehen und die F'adenbildung ausgeschlossen sein.') Vergrößert man jedoch bei dem eintreten- den Kollodiumstrahl, dessen Oberfläche sofort er- starrt, die lebendige Kraft, also die Energie, welche infolge des Überdruckes dem Strahl beim Verlassen der Spinndüse eigen ist, durch einen leichten Zug, so wird die Oberflächenspannung ihres Einflusses beraubt und die Entstehung des Fadens möglich. Das Gerinnen der eintretenden Materie muß dann in der Weise vor sich gehen, daß das Äußere zunächst fest wird, zugleich aber weich und elastisch bleibt , während das Strahl- innere noch den flüssigen Zustand beibehält und somit die Möglichkeit bietet, daß sich die ge- bildete Faser unter der Wirkung der ausgeübten Spannung auszugartig verlängert. Wäre dies nicht der Fall, so würde ein ständiges Abreißen und Entstehen von lauter einzelnen Ringen un- vermeidlich sein. Dem erwähnten Gesetz der Oberflächenspannung ließ sich Chardonnets Material sofort unter ge- ringen Abänderungen bequem anpassen. Tritt der Anfang des Kollodiumstrahles aus der Spinn- düsenöffnung in die Fixierflüssigkeit, so erstarrt er an der Oberfläche und läßt sich von einem passenden Greifwerkzeug fassen, um mit den ihm folgenden Kollodiumteilchen, welche nun infolge des ausgeübten Zuges die Wirkung der Ober- flächenspannung überwinden, als zusammen- hängende, feine Röhre, also als wirklicher Faden, durch das Fällbad hindurch unter leichtem Ziehen auf eine Haspe befördert zu werden. Ist erst die zweckmäßige Größe der Zugkraft ermittelt und das Nachströmen der Spinnlösung genügend ge- regelt, so ist es verhältnismäßig leicht, eine Strähne von sog. unendlicher Länge zu fertigen. Die Weichheit der echten Seide ist eine Folge der außerordentlich hohen Feinheit des Einzel- fadens, die zwischen 8 und 24 Tausendstel Milli- metern Durchmesser schwankt. Ein so zartes Ge- bilde künstlich nachzuahmen, ist bis heute nur bedingt gelungen, da die P'estigkeit der Kunst- seide hinter der des Naturproduktes im allge- meinen soweit zurücksteht, daß für den Feinheits- ^) Eine annähernde Vorstellung dieses Vorganges vermag man sich vielleicht zu machen, wenn man eine Luftblase durch eine dicke, zähflüssige Lösung schickt, indem man beispiels- weise eine mit passender Flüssigkeit bis zum Halse gefüllte Flasche umkehrt. Die ursprünglich zwischen Hüssigkeits- spiegel und Verschluß befindliche zylindrische Luftblase wird dann verdrängt und durch die Lösung gepreßt. Dabei sucht sich die Blase ständig abzurunden und wird daran durch die physi- kalischen Einflüsse ihrer Umgebung so gehindert, daß sie Ein- schnürungen mannigfaltigster Art erfährt, bis endlich die Ober- flächenspannung als die tropfenbiidende den Sieg davonträgt und die Kugellbrm resultiert. N. F. VII. Nr. I Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 3 grad der künstlichen F'aser die Grenze bald er- reicht ist. Bis zu einem gewissen Grade maß- gebend hierfür ist allerdings auch ferner noch die Weite der Spinndüsenöfifnung, welche auf die Stärke des Fadens von Einfluß ist. Doch glück- licherweise ist man hiervon keineswegs so ab- hängig, als es auf den ersten Blick erscheint. Durch den für die Entstehung des Fadens not- wendigen Zug wird der Querschnitt schon wesent- lich verringert, dann nimmt er aber bei dem später erfolgenden Trocknen infolge der Schrump- fung des Fadens noch weiter ab, so daß man zur- zeit Kunstseiden in einer Stärke von 28 — 35 Tau- sendstel Millimetern Durchmesser gut und brauch- bar herstellen kann, ohne daß dafür entsprechend feine Spinnöffnungen erforderlich sind, welche technisch nicht ausführbar wären. Eine zwingende Folge der leichten Zerreißbarkeit des sehr dünnen Fabrikates ist, daß man , um ein zu häufiges Abreißen des Fadens zu verhüten, nicht jeden u Faden einzeln herstellt und einzeln haspelt. Man spinnt vielmehr gleichzeitig aus mehreren, dicht nebeneinander liegenden Öffnungen, läßt dann je nach Bedarf 10 — 36 Fäden zusammenlaufen und wickelt sie gemeinsam auf eine Haspe oder Spule, wobei man mitunter auch sofort für eine leichte Zwirnung sorgt, indem man entweder die Spinn- vorrichtung oder die Haspe oder auch beide ent- spechend rotieren läßt. Behufs rascheren und besseren Auswaschens und Trocknens läßt man den Strang stets hin und her auf die Spule laufen, wodurch eine kreuzweise Wicklung entsteht, die den einzelnen Faden der Waschflüssigkeit leichter zugänglich macht und infolge gleichmäßigerer Verdunstung beim Trocknen schadhafte Stellen verhütet. Gemäß ihrem Ursprungsmaterial besteht die Chardonnetseide aus Nitrozellulose, also einem leicht entflammbaren und explosiven Körper. Daß ein solches Material nicht berufen sein konnte, sich als Ersatz für Seide Freunde zu erwerben, ist leicht begreiflich, weshalb hier von vornherein Wandel geschaffen werden mußte. Chardonnet versuchte ein Denitrieren seines Fadens, d. h. er machte die den explosiven Charakter bewirkenden Molekülgruppen durch Zerstören unschädlich und verwandelte somit die Nitrozellulose in harmlose Zellulose, welche uns in Form von Papier, Baum- wolle usw. genügend bekannt ist. Diese Um- setzung läßt sich dadurch erzielen, daß man die fertig gesponnene Seide durch eine Lösung von Salzen wie Schwefelammonium, Schwefelnatrium, Magnesiumsulf hydrat, Sulfokarbonat usw. hindurch- schickt, wo sie nur chemisch verändert wird und unter Beibehaltung ihres Äußeren als ungefähr- liche Verbindung hervorgeht. Nach sorgfältigem Auswaschen und Trocknen resultiert dann ein Körper, welcher nach erfolgtem Bleichen, Färben, Zwirnen usw. als brauchbare Kunstseide gelten kann. Naturgemäß fand Chardonnet, welcher außer- ordentlich viel Mühe, Fleiß- und Geldmittel für die Verwirklichung seines Vorsatzes aufwandte, bald Nachahmer. Der Gedanke, Seide künstlich herzustellen, ist nicht neu. Bereits 1734 schlug der berühmte Naturforscher Reaumur in seinem Werke: „Memoire pour servir a l'histoire des insectes" vor, Gummi und Harze in Lackform zu bringen und daraus Fäden zu ziehen, welchen ein seidenartiger Glanz eigen sein würde. Während wegen technischer Unmöglichkeit die Idee des Schweizers Andemars, der ein Gemisch von ge- löstem, nitriertem Mauibeerbast und Kautschuk als Ausgangsmaterial empfahl, wenig bemerkens- wert ist und andererseits die Entdeckung des Engländers Swan, der kurz vor Chardonnet aus Kollodium Kunstseide herzustellen versuchte, zu wenig bekannt wurde, um praktische Bedeutung zu erlangen, verdient du Vivier's Versuch, für Er- zeugung von Fäden Schießbaumwolle in Eisessig zu lösen, hierzu Fischleim und Guttapercha zu mischen, Erwähnung, zumal das Produkt als „soie de France", wenn auch nur vorübergehend, auf den Markt gelangte. Auch wenig aussichtsvoll war das Experiment, Gelatinelösung zu verarbeiten, da die daraus hergestellte „Vanduraseide" der Feuchtigkeit einen zu geringen Widerstand bot, um praktische Verwertung zu finden und alles Probieren, die Gelatine durch Gerben genügend zu härten, erfolglos blieb. Einen ganz neuen Weg betraten, gemeinsam mit Pauly, Fremery und Urban, welche direkt von Zellulose ausgingen und sie durch passende Lösung in ein brauchbares Spininnaterial ver- wandelten. So widerstandsfähig Zellulose im all- gemeinen auch ist, so läßt sie sich doch bei ge- eigneter Behandlung mit Leichtigkeit in Lösung bringen und ebenso leicht wieder daraus ab- scheiden. Als Spinnvorrichtung wurde in der Hauptsache die bereits durch Chardonnet bekannt gewordene verwendet, nur mit dem Unterschiede, daß statt Wasser Essigsäure als Fällmittel diente und die Denitrierung unterbleiben konnte, wo- durch natürlich das Verfahren bedeutend verein- facht war. Infolgedessen mußte Chardonnet, um nicht zu teuer zu arbeiten, bemüht sein, seiner Methode anhaftende Mängel zu beseitigen. Das Denitrieren zu umgehen, war bei der Nitrozellulose ausgeschlossen, dagegen ließ sich aber das Spinn- verfahren verbessern. Nach mühevoller Arbeit wurde ein Weg gefunden, Chardonnetseide ohne Fällungsmittel herzustellen, also, wie die Raupe, trocken zu spinnen, indem man dem zur Ver- wendung kommenden Pyroxylin einen mäßigen Wassergehalt zusetzte, wodurch die Spinnlösung beim Verlassen der Düse augenblicklich an der Luft zum Gerinnen kam und ein Fixierbad über- flüssig wurde. Große Bedeutung erlangte eine von den be- kannten Zellstoffforschern Groß und Bevan ent- deckte Verbindung, die Viskose, welche ein Salz einer komplizierten Zelluloseverbindung, der Zellu- losexanthogensäure, darstellt. Läßt man auf mit Lauge behandelte Zellulose Schwefelkohlenstoff Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. VII. Nr. I einwirken, so erhält man einen Körper, welcher zum Spinnen künstlicher Seide sehr geeignet ist. Auch in diesem Falle bedarf man eines Fixier- mittels, wozu Salmiak-, Zink-, Eisen- oder Mangan- salzlösung, Schwefelsäure und dgl. dienen können. Nach völliger P^rtigstellung ist aber Viskoseseide vom chemischen Standpunkte auch wieder nichts anderes als die Chardonnetseidc, indem beide zu- guterletzt in Zellulose verwandelt werden. Erst in dem Essigsäurederivat des Zellstoffs fand sich eine Verbindung, bei der ein Regenerieren zu Zellulose überflüssig wurde. Behandelt man z. B. Baumwolle, Sägespäne usw. mit gewissen Essig- säureabkömmlingen, wie Essigsäureanhydrid oder Acetylchlorid , so entsteht essigsaure Zellulose, Acetylzellulose oder Zelluloseacetat, welches ein vorzügliches Ausgangsprodukt für die Kunstseiden- herstellung abgibt, da es die Fähigkeit besitzt, gegen den Einfluß von Feuchtigkeit unempfindlich zu sein, eine Eigenschaft, welche den aus anderen Materialien gefertigten Kunstfäden bisher fehlte. Das Verspinnen des Zelluloseacetats , das mit einem geeigneten Lösungsmittel wie Chloroform, Acetylentetrachlorid u. dgl. in Reaktion gebracht wird, geschieht in ähnlicher Weise wie bei den anderen Methoden, nur resultiert hier nicht reine Zellulose, sondern Zelluloseacetat, welches durch den Spinnprozeß wieder aus der Lösung abge- schieden wird und dabei lediglich nur eine andere Form, die der Seide, bekommt. Von den sonst noch vorgeschlagenen Verfahren, deren Zahl ständig wächst, seien nur einige der wichtigsten genannt. Eine sehr beliebte Verbin- dung für Kunstfädenherstellung ist der Käsestoff oder das Kasein, welches man in Lauge löst, um es dann in Säure als Fällbad hineinzuspinnen. Neuerdings richtet sich auch trotz der schlechten Erfahrungen mit Vanduiaseide das Augenmerk wieder auf Gelatine, die durch vorher zugesetzte Gerbmittel gehärtet werden soll, im Gegensatz zu früher, wo der fertige F"aden gegerbt wurde. Auch mit Fibroin, dem Bestandteil der natürlichen Seide, welches man aus Kokonabfällen gewinnt, versucht man zu arbeiten und hofft dadurch das Problem besonders gut zu lösen, ohne sich wohl über die Unkosten ein klares Bild gemacht zu haben. Die Aufgabe, echte Seide auf künstlichem Wege herzustellen, ist im Grunde noch immer nur teilweise gelöst, denn chemisch haben Natur- und Kunstprodukt nichts gemeinsam, sondern ähneln sich nur in physikalisch-morphologischer Beziehung. Als wesentliche mit dem Raupen- gespinst übereinstimmende Eigenschaft zeigt der heutige Ersatz den glatten, endlosen und schlauch- artigen Faden. An Glanz übertrifft er das Natur- fabrikat. Die Festigkeit, Weichheit, F'einheit und namentlich die Wasserunempfindlichkeit lassen indessen bei den Kunstseiden, welche zurzeit den Markt beherrschen ( Acetatseide ist bisher nicht in den Handel gekommen), noch sehr zu wünschen übrig. Während beispielsweise bei tierischer Rohseide die Festigkeit 50 — 53 beträgt, erreicht sie bei Chardonnetseidc ungefähr 15, bei Seide aus Zelluloselösung steigt sie auf 18 und bei Viskoseseide auf 21, so daß die künstliche Strähne in bezug auf Haltbarkeit bedeutend hinter der natürlichen zurückbleibt. M Dementsprechend kann auch der Gebrauch der Kunstfäden nur ein ver- hältnismäßig beschränkter sein. Bei der Her- stellung von Fransen, Borten, Litzen, Quasten und ähnlichen Besatzartikeln, ferner für Klöppelarbeiten, .Stickereien, bei Krawatten, Tüchern usw., wo der hochglänzende Faden effektvoll wirkt, ist Kunst- seide beliebt. Gern verwendet man sie auch zum Überziehen elektrischer Leitungsschnüre bei Klingeln, Telephonapparaten, Lampen u. dgl., da hier dem wohlfeileren Preise, weniger der Halt- barkeit der Vorzug gegeben wird. Billige Seiden- bänder in Chine-, Ponche-, Barege- usw. - Manier stellt man gern in der Art her, daß man als Kette Naturseide verarbeitet, während Kunst- seide als Einschlag oder Schuß dient. Versuche, Kleider- oder Möbelstoffe, Plüsch, Sammet und verwandte Gewebe aus der Kunstfaser zu fertigen, sind häufig gemacht worden, haben aber bisher befriedigende Ergebnisse nicht geliefert, da stets die Widerstandsfähigkeit, die Elastizität, Deck- kraft und der zu dicke Faden zu wünschen übrig ließen und außerdem die Kunstseide beim Ver- arbeiten zu stark zum Rauhwerden neigt. Allein trotz der genannten Mängel erweitert sich das Verwendungsgebiet täglich und mit der Verbesse- rung des Fabrikates, woran unermüdlich gearbeitet wird, steigt der Bedarf, welcher heute schon durch eine Tagesproduktion von über 9000 kg nicht genügend gedeckt werden kann. Im Laufe weniger Jahre ist eine beträchtliche Anzahl großer Kunstseidenwerke zu hoher Blüte gelangt und hat eine ganze Industrie ins Leben gerufen, welche Tausenden von Menschen Arbeit und Erwerb bietet. ') Kürzlich soll es zwar in Belgieo gelungen sein, durch ein eigentümliches Spinnverfahren , das sog. Streckverfahren, Zellulosekunstfäden von großer Haltbarkeit und Wasserun- empfindlichkeit zu gewinnen, welche in bezug auf Feinheit die echte Faser noch übertreffen und bis auf etwa 80 ^/,i die Festigkeit des Raupengespinstes erreichen ; dieses neue Fabrikat hat aber bisher keine Verbreitung gefunden. Kleinere Mitteilungen. Das Licht und die Struktur der Materie.') — Unter den Hilfsmitteln, welche die Physik den Medizinern und Biologen verschafft hat, darf das Mikroskop an erster Stelle genannt werden ; jede ^) Rede, gehalten von Prof. L or en t z am 7. April 1907 bei der Eröffnung des 1 1. niederländischen naturwissenschaftlichen und medizinischen Kongresses (Natuur- en Geneeskundig Congres) zu Leiden, .\bdruck aus: Physik. Zeitschrift, 8. Jahrg., Nr. 16. N. F. Vir. Nr. I Naturwissenschaftliche Wochenschrift. S Verbesserung desselben hat eine Ernte von neuen Entdeckungen gezeitigt , und durch die Grenze, bis zu welcher die Leistungsfähigkeit des Mikro- skops gesteigert werden kann, wird in mancher biologischen Untersuchung der Umfang des Er- reichbaren bestimmt. Es wird daher, wie ich hoffe, dem Ziel dieser Versammlung entsprechen, wenn ich mir gestatte, Ihre Aufmerksamkeit auf die letzten Erweiterungen des Gebietes mikrosko- pischer Untersuchungen zu lenken; einige Bemer- kungen über die Bedeutung optischer Erscheinun- gen für unsere Einsicht in die Struktur der Materie werden sich hierbei von selbst anschließen. Wenn von dem modernen Mikroskop die Rede ist, denken wir sofort an Abbe und seine An- wendung der Theorie der Lichtschwingungen auf die Entstehung des optischen Bildes bei der mi- kroskopischen Beobachtung. Die Vorstellungen, die hierbei in Anwendung gekommen sind, stam- men zum Teil von Christian Huygens, zum Teil auch von späteren Physikern, namentlich von Fresnel. Was der Lichttheorie von Huygens durch seine Nachfolger hinzugefügt werden mußte, war die Erkenntnis, daß man es nicht, wie er glaubte, mit der Fortpflanzung einzelner Stöße oder zusammenhangloser Gleichgewichtsstörungen zu tun hat, sondern mit einer regelmäßigen Auf- einanderfolge von Schwingungen, deren Anzahl pro Sekunde die Farbe bestimmt; sie beträgt für das rote Licht ungefähr 400 Billionen, für das violette ungefähr 750 Billionen pro Sekunde. Mit der Zahl der Schwingungen hängt die Wellen- länge des Lichtes zusammen, der Abstand, um den man längs des Strahles fortschreiten mufi, um denselben Schwingungszustand wiederzufinden, ein Abstand, den man vergleichen kann mit dem- jenigen zwischen zwei Wellenbergen auf einem Wasserspiegel, und der bei den eben genannten Lichtsorten ungefähr 0,8 und 0,4 Mikron beträgt, d. h. 0,8 und 0,4 von einem Tausendstel Milli- meter. Fresnel zeigte, daß gerade diese Wellen- länge in vielen Fällen entscheidend ist für das, was man wahrnimmt. Zu den Erscheinungen, die er mit Vorliebe behandelte, gehören diejenigen, welche auftreten, wenn das Licht enge Offnungen durchdringt oder durch ein Hindernis von kleinen Dimensionen an seiner ungestörten Fortpflanzung behindert wird. In diesen Fällen ist es vorbei mit der geradlinigen Fortpflanzung, die bei allen alltäglichen Erschei- nungen so sehr ins Auge fällt; hinter einer engen Öffnung breitet sich das Licht auch nach Rich- tungen aus, die von der Verlängerung der ein- fallenden Strahlen abweichen, und ein kleines undurchsichtiges Objekt wird von den Lichtwellen in ähnlicher Weise umspült, wie Wasserwellen einen Pfahl umspülen können. Solche Beugungs- oder Diffraktionserscheinungen sind es nun , wo- mit man es, wie Abbe und auch H e 1 m h o 1 1 z zeigten, bei der mikroskopischen Beobachtung zu tun hat. (absehen bei Huygens noch von keinen Beugungserscheinungen die Rede ist, können wir doch seinen Namen in einer Hinsicht mit der heutigen Theorie des Mikroskops und auch mit einigen anderen Fragen in Verbindung bringen, die ich berühren werde. In seinem Traite de la lumiere findet man das Prinzip auseinandergesetzt, dessen man sich noch stets in diesen Theorien bedient, und das darauf hinausläuft, daß sich die Lichtschwingungen von jedem Punkt aus, den sie getroffen haben, nach allen .Seiten ausbreiten, daß also jeder derartige Punkt als ein neues Schwin- gungszentrum angesehen werden kann. Hierdurch wird es begreiflich , daß von den verschiedenen Punkten einer Öffnung das Licht auch zu den Stellen gelangt, die bei geradliniger Fortpflanzung im Dunkeln bleiben würden, und daß die Schwin- gungen, wenn sie in den Punkten an beiden Seiten von einem undurchsichtigen Hindernis angelangt sind, von dort aus den Raum hinter diesem Hin- dernis erreichen können. Die Anwendung dieses Prinzips auf die Ent- stehung des Bildes im Mikroskop führte zu merk- würdigen Folgerungen, die durchaus durch die Beobachtung bestätigt wurden. Von vollkommen scharfen Bildern in dem Sinne, daß das von einem bestimmten Punkte des Objekts ausgehende Licht in einem einzigen Punkte der Bildebene ver- einigt würde, ist keine Rede. Im Gegenteil, die Schwingungen, die von einem leuchtenden Punkte ausgehen , werden über einen gewissen Bereich verbreitet ; der Punkt wird nicht als ein Punkt, sondern als ein kleines Lichtscheibchen abgebildet. Die Folge ist, daß zwei Lichtpunkte, die in sehr kleinem ,'\bstand voneinander liegen, im Bilde in- einanderfließen, so daß man sie nicht mehr unter- scheiden kann, und daß im allgemeinen sehr feine Details des Objektes im Bilde verloren gehen. So setzt die Natur des Lichtes selbst der auf- lösenden Kraft des Mikroskops eine Grenze, und zwar ist es gerade die Wellenlänge, durch welche diese Grenze bestimmt wird. Sind übrigens alle Umstände so günstig wie möglich, dann kann man sagen, daß Punkte, deren Abstand einige Wellenlängen beträgt, deutlich voneinander unterschieden werden können, und daß Gegenstände von solcher Größe wirklich ab- gebildet, in ihrer wirklichen Gestalt gesehen werden können. Dagegen ist an eine genaue Ab- bildung von Objekten oder Strukturen mit Dimen- sionen, die gleich einem Bruchteil der Wellen- länge sind, nicht zu denken. Ein Glück, daß, wie ich bereits sagte, die Wellenlänge so klein ist 1 .Sie beträgt für die Strahlen, die im Sonnen- oder Tageslicht die größte Intensität besitzen, ungefähr 550 Millionstel Millimeter, und wenn wir über die Grenzen der Auflösungskraft eines Mikroskops sprechen, haben wir also auf jeden Fall an Di- mensionen etwas unterhalb eines Mikrons zu denken. Daß eine Abbildung von viel kleineren Körpern nicht zu erwarten ist, sieht man übrigens un- mittelbar ein, wenn man bedenkt, daß wir einen Gegenstand bloß sehen können durch die Ver- Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. VII. Nr. I änderungen, die er in die Ausbreitung der Licht- schwingungen bringt; es kann daher von der Wahrnehmung nicht viel zustande kommen, wenn die Wellen den Gegenstand allzusehr umspülen. Mittel, durch welche das Auflösungsvermögen vergrößert werden kann, und die denn auch mit gutem Erfolge angewandt worden sind, ergeben sich nunmehr von selbst. Eins unter ihnen ist die Verwendung der sog. Immersionssysteme, bei denen der Raum zwischen dem Objekt und dem Objektiv des Mikroskops mit Wasser oder einer anderen , stärker lichtbrechenden Flüssigkeit an- gefüllt ist. Obschon das Objekt durch das Deck- glas von der Flüssigkeit getrennt ist, läuft die Sache ziemlich auf das gleiche hinaus, als ob es in der Flüssigkeit läge, und man hat nicht mehr mit der Wellenlänge in der Luft, sondern mit der in der Flüssigkeit zu rechnen. Wenn man weiß, daß diese in Wasser ■' , der Wellenlänge in Luft beträgt, und z. B. in Zedernholzöl - .. derselben, dann kann man sich deutlich machen, wieviel weiter man es mit einem Immersionssystem bringen kann als mit einem Trockensystem. Ein zweites Mittel besteht in dem Gebrauch von ultravioletten Strahlen, die sich, wie Ihnen bekannt ist, durch eine kleinere Wellenlänge von den Lichtstrahlen unterscheiden; sie wirken zwar nicht auf unsere Netzhaut ein, allein man kann die Bilder, die durch sie erzeugt werden, mit Hilfe der Photographie festlegen. Die Schwierigkeiten bei der Verwendung dieser Strahlen, sind in den letzten Jahren durch Köhler — einen der wissen- schaftlichen Mitarbeiter des Ze iß' sehen Instituts — , unter Mitwirkung von v. Rohr, überwunden worden. Ich will von seiner langjährigen und mühsamen Arbeit nur so viel sagen, daß ein ganz neues Mikroskop konstruiert werden mußte. Die Linsen bestehen nicht aus Glas, das die ultra- violetten Strahlen zu wenig durchläßt, sondern aus Bergkristall, diejenigen, worauf es am meisten ankommt, aus dem amorphen Quarz, der durch Schmelzen im elektrischen Ofen erhalten wird. Was das Licht betrifft — wenn ich es noch so nennen darf - — , so wird es von kräftigen elek- trischen Funken zwischen zwei Drähten aus dem Metall Kadmium geliefert; die von ihnen aus- gehenden Strahlen werden durch einen Spektral- apparat zerlegt, und nur diejenigen, welche eine ziemlich scharfe Linie im Ultraviolett geben, zur Beleuchtung des Objekts verwendet. Die Wellenlänge dieses Lichts beträgt 275 Millionstel Millimeter, gerade die Hälfte der Zahl, die ich soeben für das Sonnenlicht angab. Die hierauf gegründete Erwartung, daß die Auflösungs- fähigkeit ungefähr verdoppelt sein sollte, bestätigt sich in der Tat. Die Strahlen, mit denen Köhler arbeitet, besitzen noch lange nicht die kleinste Wellen- länge, die man kennt. Es gibt deren solche mit einer Wellenlänge von ungefähr loo Millionstel Millimeter; und könnte man diese benutzen, dann würde man es also noch beinahe dreimal soweit bringen können. Leider besteht wenig Aussicht, Linsen anzufertigen, die für diese Strahlen noch ziemlich durchlässig sind, und es scheint wohl, daß mit Bezug auf das wirkliche Abbilden von Gegenständen die äußerste Grenze erreicht ist. Von dem Mikroskop für ultraviolettes Licht können wir übergehen zu der Ultramikroskopie, der vielen von Ihnen wohlbekannten Bcobachiungs- methode, die man Siedentopf und Zsigmondy verdankt, und an deren Entwicklung auch die französischen Forscher Cotton und Mouton einen bedeutenden Anteil gehabt haben. Der Grundgedanke hierbei ist, daß wir ein Objekt, das zu klein ist, um abgebildet zu werden — was wir aber jetzt auch nicht mehr verlangen — , doch noch sehen können; falls nur genug Licht von ihm ausgeht, werden wir es als ein Diffraktions- scheibchen wahrnehmen können. Neu und ungewohnt ist dies übrigens nicht. Die Fixsterne sind zu weit entfernt, um noch in unserm Auge oder in einem Fernrohr so abge- bildet werden zu können, daß wir ihre Details unterscheiden können; wir sehen sie als ,, Licht- punkte", d. h. als kleine Lichtfleckchen, deren Größe abgesehen von der UnvoUkommenheit der Linsensysteme durch die Beugung bestimmt wird. Ebenso werden kleine Teilchen in einem festen Körper oder einer Flüssigkeitsschicht, die unter das Mikroskop gebracht worden sind, sichtbar, wenn sie von einem kräftigen Lichtbündel be- schienen werden und nur groß genug sind, um nach dem H uy ghens'schen Prinzip das Licht so stark zu zerstreuen, daß jedes Teilchen schon für sich einen hinreichenden Lichteindruck zustande bringen kann. Wird dafür gesorgt — beispiels- weise durch geeignete seitliche Beleuchtung — , daß die einfallenden Strahlen nicht direkt in das Instrument fallen, so sieht man die Teilchen als helle Punkte auf dunklem Hintergrund, gewisser- maßen einen Sternhimmel im kleinen. Der Ver- gleich paßt auch insoweit, als der Abstand der nebeneinander liegenden Teilchen nicht zu klein sein darf; liegt er zu weit unterhalb der Wellen- länge, dann können die Teilchen des Schwarms nicht getrennt gesehen werden, und man erhält bloß eine gleichmäßige Erhellung des F"eldes. Es ist hiermit wie mit der Auflösung eines Sternen- haufens. Was das Licht der einzelnen Teilchen betrifft, so leuchtet es ein, daß dies von ihrer Größe ab- hängt und außerdem von ihren optischen Eigen- schaften; je mehr sie in dieser Hinsicht von der Substanz, in die sie eingelagert sind, abweichen, um so mehr zerstreuen sie die einfallenden Strahlen. Daher kommt es, daß Stoffe, die sehr kleine Metallteilchen enthalten, für die ultramikro- skopische Untersuchung besonders geeignet sind. Siedentopf und Zsigmondy haben denn auch ihre neue Methode zuerst auf Glas ange- wandt, das durch eine kleine Menge Gold, viel- leicht ein Zehntausendstel der ganzen Masse, ge- färbt ist. Kennt man die Menge Goldchlorid, die N. F. VII. Nr. I Naturwissenschaftliche Wochenschrift. bei der Herstellung der Glasmasse beigefügt ist, und zählt man die mit dem Ultramikroskop in einem gewissen Raumteil des Glases wahrge- nommenen Lichtpünktchen, dann kann die Masse eines jeden Goldteilchens und also auch, mit Hilfe des spezifischen Gewichts des Metalls, die Größe der Teilchen gefunden werden. Es zeigte sich in dieser Weise, daß die kleinsten Teilchen, die man allerdings nur bei starkem Sonnenlicht an einem schönen Sommertage zu sehen bekommen kann, Dimensionen von 3 bis 6 Millionstel Milli- meter besitzen. Da die Wellenlänge der von Köhler verwendeten ultravioletten Strahlen 275 Millionstel Millimeter beträgt, ist es wohl klar, daß an eine Abbildung dieser Goldteilchen nicht zu denken iss, daß sie wirklich ultramikroskopisch sind. Übrigens haben manche gefärbte Gläser zweifellos ihre F"arbe noch kleineren Teilchen zu verdanken, bei denen auch das Ultramikroskop uns im Stich läßt. Zum Vergleich kann dienen, daß die Blut- körperchen des Menschen einen Durchmesser von ungefähr 8 Mikron haben, mehr als das Tausend- fache desjenigen der Goldkörnchen im farbigen Glase. Die Untersuchungen mit dem Ultramikroskop haben bereits viel Licht verbreitet über die Struktur der in mancher Beziehung so merkwürdigen kolloidalen Substanzen, deren chemische Eigen- schaften vor allen von van Bemmelen unter- sucht worden sind. Sehr überraschend ist, daß eine Menge früher für unlöslich angesehener Sub- stanzen, wie Gold, Silber, Ferrio.xydhydrat in sog. kolloidaler Lösung erhalten werden können, und man hatte schon lange vermutet, daß solche Lö- sungen sich von den gewöhnlichen dadurch unter- scheiden, daß die Stoffe in ihnen in viel größeren Teilchen vorhanden sind; in der Tat war die Auffassung verteidigt worden, daß es einen stetigen Übergang gebe von den Lösungen im gewöhn- lichen Sinne zu Flüssigkeiten, in denen Substanzen in fein verteiltem Zustand schweben. Es ist nun wirklich geglückt, in verschiedenen kolloidalen Lösungen die kleinen Partikeln mit dem Ultra- mikroskop zu unterscheiden. Daß die neue Art zu beobachten viel für unsere Kenntnis derjenigen Kolloide verspricht, die wie die Eiweißstoffe eine große Bedeutung für die Lebenserscheinungen besitzen , braucht nicht gesagt zu werden ; einige Schritte in dieser Richtung sind auch bereits gemacht worden. Es besteht ferner die Möglichkeit, daß die Existenz von Mikroben, die klein genug sind, um sich der gewöhnlichen mikroskopischen Wahrnehmung zu entziehen, auf diese Weise ans Licht gebracht werden kann, obgleich wir diese dann nicht nach ihrer Gestalt voneinander werden unterscheiden können. Ich glaube nicht, daß man bereits etwas Neues von dieser Art gefunden hat, aber wohl haben Cotton und Mouton die Mikrobe der Lungenseuche des Rindes, in deren Kulturen das Mikroskop nicht mehr als eine ziemlich undeut- liche Körnerbildung sehen läßt, in ihrem Ultra- mikroskop als gesonderte Lichtpünktchen wahr- genommen. Flüssigkeiten, die ultramikroskopische Partikeln enthalten, zeigen eine Erscheinung, die noch einen Augenblick unsere Beachtung verdient. Ich meine die seit langem bekannte Brown sehe Bewegung schwebender Teilchen, die bei den sehr kleinen Körpern, von denen wir jetzt sprechen, besonders ins Auge fällt. Es ist ein unaufhörliches unregel- mäßiges Durcheinanderwimmeln, vergleichbar dem Tanzen eines Mückenschwarms im Sonnenschein, wie Zsigmondy sich ausdrückt, und vom physi- kalischen Gesichtspunkte merkwürdig, weil es den Anschein hat, als sähe man hier eine unmittelbare F"olge der schnellen, unregelmäßigen, bald hier- bald dorthin gerichteten Bewegung, die man seit langem den Molekülen, den kleinsten Teilchen, aus denen wir uns alle Körper aufgebaut denken, zuschreibt. Zufällige der Flüssigkeit mitgeteilte Erschütterungen oder .Stöße, durch kleine Tem- peraturunterschiede erzeugte Strömungen, über- haupt äußere Einwirkungen können — das steht wohl fest — die Ursache der Erscheinung nicht sein. Wir müssen daher annehmen, daß die schwebenden Partikeln durch Kräfte in dem Objekt selbst, also durch Kräfte, die von dem umgeben- den Wasser ausgehen, hin und her geworfen werden, und sobald wir wissen, daß die Wasser- moleküle Geschwindigkeiten von 1 lunderten von Metern pro Sekunde besitzen, liegt es auf der Hand, an die Stöße zu denken, die sie auf die in ihrer Mitte befindlichen fremden Teilchen ausüben. Man kann sich nicht darüber wundern, daß man auf diese Weise in einer kolloidalen Goldlösung so etwas wie den Mückenschwarm zu sehen be- kommt, von dem Zsigmondy spricht. Auch ist es begreiflich, daß ein Goldteilchen, weil es viel größer als die Wassermoleküle ist, sich viel langsamer als diese fortbewegt, so daß man es auf seinem Wege verfolgen kann, was bei den Molekülen selbst, auch wenn man sie einzeln sehen könnte, unmöglich wäre; diese bewegen sich hierzu viel zu schnell. Ich muß hinzufügen , daß bei näherer Aus- fuhrung dieser Erklärung bedeutende Schwierig- keiten bestehen bleiben. Für unüberwindlich halte ich sie aber nicht, und man kann darauf hin- weisen, daß es kaum denkbar ist, daß in einer Flüssigkeit, deren kleinste Teilchen in Ruhe sein sollten, suspendierte Körperchen unaufhörlich hin- und hergehen. Verglichen mit den Wassermolekulen sind die Goldteilchen von Sieden topf und Zsigmondy von riesiger Größe, und auch, wenn wir die aller- kleinsten ultramikroskopisch sichtbaren Körperchen mit den Molekülen von Substanzen vergleichen, die viel zusammengesetzter sind als Wasser, bleibt noch ein großer Abstand. Von dem Sehen der einzelnen iVIoleküle sind wir also noch sehr weit entfernt und wir dürfen nicht erwarten, daß es uns jemals gelingen wird. Die Lichtmenge, die von 8 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. VII. Nr. I einem Molekül ausgeht, ist zu klein, um einen Eindruck auf unsere Netzhaut zu machen, und außerdem liegen die Moleküle zu nahe beieinander, um einzeln für sich gesehen zu werden. Die Frage ist indes, ob nicht das durch alle die Moleküle zusammen zerstreute Licht sichtbar sein wird, und ob daher nicht jeder Körper, durch den ein Lichtbündel hindurchscheint, auch dann, wenn er ganz frei von Stäubchen ist, etwas der- artiges zeigen muß, wie wir es in der Luft dieses Saales sehen würden, wenn ein Bündel Sonnen- strahlen hineinfiele und sich diese an dem schwebenden Staub abzeichneten. Lobry de Bruyn und Wolff haben aus ihren Versuchen den Schluß gezogen, daß in der Tat Körper von hohem Molekulargewicht durch den Einfluß ihrer Moleküle das Licht zerstreuen, und die Theorie lehrt, daß jeder Körper dies in stärkerem oder schwächerem Maße tun muß. Das nach allen Seiten geworfene Licht muß bei hinreichender Dicke der Schicht, von der es ausgeht, merklich werden, und die Schwächung der Strahlen, welche die notwendige Folge der Zerstreuung ist, muß sich bemerkbar machen, wenn man nur weit genug längs des Strahlenbündels fortschreitet. Der interessanteste Fall ist derjenige der Atmosphäre. Wird vollkommen reine Luft, in der nicht das kleinste Staubteilchen oder VVa>-ser- tröpfchen schwebt, allein wegen der molekularen Struktur nach Art eines feinen Nebels undurch- sichtig werden? Rayleigh hat durch eine Be- rechnung die Frage beantwortet, und ich kann Ihnen seinen Gedankengang, einigermaßen nach modernen Auffassungen modifiziert, in wenig Worten angeben. Von dem Einfluß eines aus Molekülen zusammengesetzten Körpers auf ein Liclitbündel geben wir uns Rechenschaft, indem wir uns vorstellen, daß in jedem Molekül, selbst in jedem Atom, noch viel kleinere Teilchen vor- handen sind, die durch das Licht zum Mit- schwingen gebracht werden. Ich muß hinzufügen, daß die Kräfte, die in einem Lichtstrahl wirksam sind, elektrischer Natur sind, und daß wir daher, um zu begreifen, daß die Lichtschwingungen diese kleinen Teilchen in Bewegung setzen können, ihnen elektrische Ladungen zuschreiben. Es sind die Elektronen, mit denen wir gegenwärtig so- viel zu tun haben. Nach dem Huy ghens'schen Prinzip wird jedes Elektron, sobald es zum Mitschwingen ge- kommen ist, selbst der Mittelpunkt neuer Licht- wellen, und hierin liegt die Ursache der Zerstreu- ung, von der wir sprechen. Wieviel diese nun beträgt, hängt nicht so sehr von den Dimensionen der Moleküle und ihren Massen ab, als vielmehr von dem, was sich innerhalb jedes Moleküls abspielt, und hiervon kann man sich eine Vorstellung machen, wenn man das Brechungsvermögen des Körpers mißt, das seinerseits durch den Grad des Mitschwingens bestimmt wird. Kennt man den Brechungsindex, die Wellenlänge und die Zahl der Moleküle pro ccm, so kann man berechnen, wieviel von dem einfallenden Licht nach allen Seiten zerstreut wird, und wieweit ein Lichtbündel, das sich eine ge- wisse Strecke fortpflanzt, geschwächt wird. Für gelbes Licht und für Luft gewöhnlicher Dichte findet man, mit Hilfe dessen, was wir über die Anzahl Moleküle wissen, daß die Stärke eines Lichtbündels nach dem Durchlaufen von ungefähr loo km auf die Hälfte gesunken ist. Innerhalb der Entfernungen, in denen wir ge- wöhnlich sehen, kann also reine Luft wohl durch sichtig genannt werden, aber auf größere Ent- fernungen hin, wie sie in der Atmosphäre wirk- lich vorkommen, ist die Zerstreuung des Lichts durchaus nicht zu vernachlässigen. Die Strahlen eines Sterns im Zenith würden nach der Berech- nung, die ich Ihnen skizzierte, wenn sie die Erd- oberfläche erreichen, ungefähr 6"',, ihrer Intensität verloren haben. Wir können dies mit dem Er- gebiüs vergleichen, das man aus der Beobachtung der Lichtstärke bei verschiedenen Höhen eines Himmelskörpers abgeleitet hat; man hat daraus auf eine Abnahme von ungefähr 20 "Z^, geschlossen. Ein Beweis für die molekulare Struktur der Luft ist hiermit nicht geliefert, da man immer die Zerstreuung des Lichtes schwebenden Staub- teilchen würde zuschreiben können. Wir müssen damit zufrieden sein, daß die Beobachtungen der Molekulartheorie nicht widersprechen. Unser Er- gebnis, daß wir den dritten Teil der wahrge- nommenen Zerstreuung den Luftmolekülen selbst zuschreiben dürfen, ist vielleicht so befriedigend, wie es erwartet werden konnte. Ich muß noch darauf hinweisen, daß nach der Theorie von Rayleigh die Zerstreuung, die, sei es durch die Luftmoleküle selbst, sei es durch kleine schwebende Teilchen erzeugt wird, um so mehr betragen muß, je kleiner die Wellenlänge St. In der stärkeren Zerstreuung der blauen Strahlen dürfen wir die Ursache für die blaue Farbe des Himmels sehen, und nach Rayleigh würde also, auch wenn die Luft vollkommen rein wäre, der Himmel uns blau, wenn auch sehr dunkel, erscheinen. Wir würden die Luft noch wirklich sehen, und zwar würde die Sichtbarkeit darauf beruhen, daß sie aus Molekülen zusammen- gesetzt ist. In der Tat folgt aus der Formel, mit Hilfe deren die angeführten Zahlen gefunden worden sind, daß die Zerstreuung bei einem gegebenen Brechungsindex um so kleiner ist, je näher die Moleküle beieinander liegen, je ,, feinkörniger" also das Medium ist; in einem vollkommen homogenen und kontinuierlichen Medium würde die Zerstreu- ung ganz fortfallen. So wie die Luft nach unserer Auffassung nun einmal ist, muß sie in Abständen von einigen Tausend Kilometern wie ein dichter Nebel wirken, und es würde traurig aussehen, wenn sie sich von der Erde bis zur Sonne erstreckte. Wir würden uns dann wahrscheinlich in tiefer F"insternis be- finden und sicher die Sonne nicht sehen. Die, soweit wir wissen, vollkommene Durchsichtigkeit I N. F. VII. Nr. I Naturwissenschaftliche Wochenschrift. des Äthers, der den Himmelsraum erfüüt, legt es sehr nahe, diesem Medium keine körnige Struktur zuzuschreiben, worin sich denn auch viele Physiker einig sind. Daß nun bei Substanzen wie Wasser, Glas, üuarz und Kalkspat kein Gedanke daran ist, den molekularen Bau durch eine Zerstreuung der Lichtschwingungen sichtbar zu machen, brauche ich kaum zu sagen. Aber es ist Ihnen wohl be- kannt, wie das Studium der Lichterscheinungen uns auf indirektem Wege viel über diesen Bau und die Eigenschaften der kleinsten Teilchen lehren kann. Aus der Fortpflanzungsgeschwindig- keit der Strahlen suchen wir zu Folgerungen zu gelangen über die in den Molekülen anwesenden, zum Mitschwingen gebrachten Elektronen und über die Anordnung der Moleküle in Kristallen und organischen Geweben. Ferner führt uns die Richtungsänderung, die in manchen Stoffen die Schwingungen bei ihrer Fortpflanzung erfahren, zu den Vorstellungen, auf welche die zu so großer Entwicklung gelangte Stereochemie gegründet ist. Wieder in anderen Phallen lenken wir die Auf- merksamkeit auf die .Absorption des Lichtes in nicht ganz durchsichtigen Stoffen; auch so kommen wir zu einigen Ergebnissen über die schwingenden Teilchen in den Molekülen und Atomen. Und am weitesten bringen wir es in dieser Hinsicht, wenn wir die Teilchen nicht durch von außen auffallendes Licht zum Mitschwingen bringen, sondern sie zu selbständigen Schwingungszentren machen, indem wir den Körper auf diese oder jene Weise Licht ausstrahlen lassen. Aus dem Vielen, das wir alsdann aus der Untersuchung des Spektrums ableiten können, will ich jetzt bloß einiges herausgreifen. Wenn ein Körper, der Lichtschwingungen be- stimmter Periode aussendet, und also an einer bestimmten Stelle im Spektrum eine helle Linie gibt, sich dem Beobachter nähert, so wird die Anzahl Schwingungen, die pro Sekunde den Spalt des Spektroskops erreicht, vergrößert; die Spek- trallinie wandert ein wenig nach der Seite des Violett zu. Umgekehrt hat eine Bewegung der Lichtquelle von dem Beobachter weg eine Ver- schiebung der Linie nach dem Rot zur Folge. Dies sind die Verschiebungen der Spektrallinien, die man in manchen F'ällen im Spektrum von Himmelskörpern beobachtet hat und aus denen man die Schnelligkeit ihrer Bewegung in der Richtung der Gesichtslinie ableitet. Einen derartigen Einfluß einer Ortsveränderung der Lichtquelle auf die wahrgenommene Schwin- gungszahl hat man mit gutem Erfolge auch im Falle sich bewegender Moleküle oder Atome auf- zufinden gesucht. Bei der elektrischen Entladung durch verdünnte Gase entstehen unter geeigneten Bedingungen die sogenannten Kanalstrahlen, die man mit gutem Grunde für Schwärme von positiv geladenen .'\tomen hält, die sich mit beträcht- licher Geschwindigkeit alle in gleicher Richtung bewegen. Von dem Raum, in dem sie dies tun, geht eine Lichtstrahlung aus. Prof Stark in Hannover hat das Spektrum der nach verschiede- nen Richtungen ausgesandten Strahlen untersucht und gefunden, daß die Linien um so mehr nacli der Seite des Violett zu liegen , je kleiner der Winkel ist, den die Richtung des ausgesandten Lichtes mit derjenigen der Kanalstrahlen selbst bildet. Die Größe der Verschiebung stimmt gut mit der Schnelligkeit, die man aus anderen Grün- den den fortfliegenden .Atomen glaubt zuschreiben zu müssen, und so ist es bewiesen , daß es wirk- lich diese Atome sind, welche als Schwingungs- zentren fungieren. Auch ist Stark zu dem für die Theorie der Strahlung wiciitigen fc^rgebnis gekommen, daß bei vielen Elementen das Linien- .spektrum ausschließlich durcii eine bestimmte Art von schwingenden Teilciien erzeugt wird, nämlich durch Teilchen, die im ganzen eine positive elek- trische Ladung besitzen. Auf einen anderen und sehr allgemeinen Fall, auf den gleichfalls das von Stark benutzte Prin- zip Anwendung findet , hat vor mehreren Jahren Michelson aufmerki-am gemacht. Eine unregel- mäßige Bewegung der Moleküle nach allen Rich- tungen, wie wir sie uns vorhin beim Wasser vor- stellten, besteht auch in Gasen; in einem leuch- tenden Gase denken wir uns daher zahllose hin- und herfliegende Schwingungszentren. Wird nun das ausgestrahlte Licht mit einem Spektroskop untersucht, und ist es derartig, daß eine voll- kommen scharfe Spektrallinie erhalten würde, falls die Moleküle stillständen , dann wird wegen der Bewegung der Moleküle nach verschiedenen Rich- tungen das Licht von einigen unter ihnen etwas mehr nach der Seite des Violett, das von anderen etwas nach der Seite des Rot zu liegen kommen ; die Spektrallinie erhält eine gewisse Breite. Michelson hat nachgewiesen, daß dies wirklich der Fall ist. Er hat nach einer sinnreich ausge- dachten, indirekten Methode die Breite gemessen und gefunden, daß ihr Betrag in Übereinstimmung ist mit dem zu erwartenden Werte, zu dem uns unsere Vorstellung über die Geschwindigkeit der Molekularbewegung führt. Schön rock, der in der letzten Zeit die Betrachtungen und Berech- nungen Michelson's mit größerer Genauigkeit wiederholt hat, ist zu demselben Ergebnis gekom- men , und wir dürfen jetzt wohl sagen , daß die Bewegung der Moleküle in derselben Weise wahr- nehmbar wird , wie die Ortsveränderung der Sterne in der Richtung der Gesichtslinie. Beispiele wie dieses sind wohl geeignet dar- zutun, daß, wenn auch die kleinsten Teilchen der Materie unsichtbar sind, Größen, die sich auf die einzelnen Moleküle beziehen , uns doch nicht so unzugänglich sind, wie man es sich zuweilen ge- dacht hat. Die merkwürdigste Erläuterung dieser Behauptung kann ich vielleicht der Theorie der Wärmestrahlung entnehmen. Stellen wir uns vor, daß dieser Saal vollkommen von undurchsichtigen Körpern abgeschlossen wäre, und daß die Wände und alle anwesenden Gegenstände die gleiche lO Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. VII. Nr. I Temperatur hätten; dann würde die Luft, oder vielmehr der Äther, in allen Richtungen durch- setzt werden von Wärmestrahlen sehr verschiede- ner Wellenlänge, unter denen jedoch Strahlen einer bestimmten Wellenlänge vorherrschen wür- den. Man kann dies mit einem wirren Geräusch vergleichen, in dem eine Tonhöhe dominiert. Wir können jetzt einen kleinen Würfel ins Auge fassen, dessen Kanten die Länge jener am meisten vorkommenden Wellen haben, und auf die Menge Energie achten, die infolge der Strahlung in solch einer „kubischen Wellenlänge" vorhanden ist. Wer die Untersuchungen über die Wärmestrahlung aus den letzten Jahren verfolgt hat, kann kaum daran zweifeln , daß diese Energiemenge von derselben Größenordnung ist wie die kinetische Energie eines einzelnen Gasmoleküls bei der betrachteten Tem- peratur. Nun ist eine Wellenlänge eine sehr gut wahrnehmcare Größe, und so hat man die in einer kubischen Wellenlänge enthaltene Energie wirklich messen können , wodurch dann zugleich die eines Moleküls bekannt geworden ist. In der Tat ist dies einer der besten Wege, um zur Kennt- nis der Größe von Molekülen und Atomen zu gelangen. Die Betrachtungen, die ich mir gestattet habe Ihnen vorzutragen, sind eine Verteidigung der molekularen und atomistischen Theorien geworden, deren sich die Physiker so häufig bedienen , um sich eine lebendige und klare Vorstellung von den Erscheinungen und ihrem gegenseitigen Zu- sammenhang zu bilden. Mit Absicht habe ich mich hierbei nicht auf das Bedürfnis unseres Geistes berufen , in den in Frage stehenden kleinsten Teilclien der Materie einen Endpunkt für unsere Analyse der Erschei- nungen zu finden. Man tut, glaube ich, recht daran, wenn man mit dem Hinweis auf ein der- artiges Bedürfnis vorsichtig ist. Die Erfahrung lehrt Ja, daß viele Theorien , in denen man sich die Materie kontinuierlich ausgebreitet denkt, uns durchaus befriedigen, daß mancher Physiker einer solchen Auffassung entschieden den Vorzug gibt und molekulare Betrachtungen am liebsten ver- meidet, und daß viele, wie wir bereits sahen, kein Bedenken haben, den Äther als ein Kontinuum aufzufassen. Dies schließt nicht aus, daß, wenn in anderen Fällen die Atomistik sich mehr als alles andere geeignet zeigt, uns eine klare Ein- sicht zu verschaffen, dies nicht bloß an dem Wesen der Dinge außerhalb von uns, sondern auch an der Beschaffenheit unseres Geistes liegen muß, wie überhaupt das Begreifen einer Naturerschei- nung eine gewisse Verwandtschaft zwischen ihr und dem Geist voraussetzt. Wie man auch hierüber denken mag, die beste Verteidigung der .Atomistik liegt schließlich in ihrer Fruchtbarkeit und Zweckmäßigkeit. Gewiß, es gibt auf rein physikalischem Gebiet noch zahlreiche Schwierigkeiten, die ich, wie Sie mir wohl werden glauben wollen, nicht unerwähnt gelassen habe, damit alles recht schön aussehe, sondern nur, weil ich sie in der Tat bei dieser Gelegenheit schwerlich auseinandersetzen konnte. Indessen, wie schwerwiegend sie auch sein mögen, es ist unleugbar, daß wir einigen Erscheinungen die ich jetzt besprochen habe und vielen anderen, die ich hätte hinzufügen können, ohne Molekular- theorie so gut wie machtlos gegenüberstehen würden. Wer über das Tun und Lassen der Physiker ein Urteil fällen will , wird sich denn auch nicht der Verpflichtung entziehen können, sich mit solchen Erscheinungen bekannt zu machen , sich mehr oder weniger in sie zu ver- tiefen und eine Betrachtungsweise nicht zu ver- werfen, ohne sich auch einmal die Frage zu stel- len, durch welche andere man sie würde ersetzen können. Vergessen wir bei der Beurteilung auch nicht, daß wir von der Realität einer ganzen Menge von Dingen überzeugt sind, die wir nicht so unmittel- bar wahrnehmen wie einen Stein oder ein Stück Eisen, und deren Existenz wir annehmen , zwar auf Grund von Wahrnehmung, aber von Wahr- nehmung, an die sich eine kürzere oder längere Reihe von Überlegungen angeschlossen hat. Nie- mand zweifelt daran, daß die Lichtpünktchen bei der ultramikroskopischen Beobachtung ebenso viele Goldteilchen repräsentieren, daß die Halos um Sonne und Mond feinen Eiskristalien hoch in der Atmosphäre zuzuschreiben sind, daß die che- mischen Elemente unserer Erde auf der Sonne und den fernsten Himmelskörpern angetroffen werden, und daß ein Stern, der nach der hin- und hergehenden Bewegung der Spektrallinien zu schließen, sich uns abwechselnd nähert und von uns entfernt, einen Kreis um einen anderen Himmelskörper beschreibt ; es fällt niemandem ein, den Astronomen deshalb zu tadeln, daß er die Masse dieses vielleicht unsichtbaren Körpers aus seinen Wahrnehmungen ableitet. Recht be- trachtet, gehen wir in unseren Annahmen über Moleküle und Atome lediglich in derselben Rich- tung einen Schritt weiter und brauchen wir von der Realität dieser Teilchen nicht so sehr viel weniger überzeugt zu sein, als von derjenigen der Eisnädelchen in der Atmosphäre. Etwas anderes, das Überlegung verdient, ist die reiche, über alle Beschreibung gehende Orga- nisierung der Materie. In einem Kubikzentimeter der uns umgebenden Luft liegen so viele Mole- küle, daß ihre Zahl mit einigen zwanzig Ziffern geschrieben werden müßte. Während sie sich unaufhörlich durcheinander bewegen, immer und immer wieder aufeinander prallend, werden ihre Elektronen durch die zahllosen einander durch- kreuzenden Licht- und Wärmestrahlen in Be- wegung gesetzt und senden ihrerseits nach allen Seiten ihre Wellen aus. Nicht weniger, im Gegen- teil wohl noch mehr verwickelt würde das Bild sein, das ein Milligramm eines Eiweißstoffes uns zu sehen geben würde, und so wird es, ich will nicht sagen begreiflich, aber etwas weniger wunder- bar, daß äußerst kleine Mengen Materie die Träger N. F. VII. Nr. I Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 1 1 einer bis in feine Einzelheiten gehenden Erblich- keit sein können. .Auch wenn wir es wagen, unsere Gedanken auf den Zusammenhang zwischen den körperlichen und den geistigen Erscheinungen zu richten , be- halten wir die feine Organisierung der Materie im Auge. Ich bin weit davon entfernt, geistige Vorgänge auf Prozesse in der Materie zurüci:- führen zu wollen ; das Ungleichartige kann man nicht voneinander ableiten. Aber wohl kann man die Auffassung vertreten, daß jedem Zustand und jeder Tätigkeit unseres Geistes eine bestimmte Beschaffenheit und eine bestimmte Veränderung des Gehirns entspricht. Soll ein solches Sich- korrespondieren bis in die kleinsten Einzelheiten reichen, dann muß — dies ist klar — die Anzahl von Elementen, aus denen die Hirnsubstanz zu- sammengesetzt ist, ungemein groß sein. Wie groß sie sein muß, können wir nicht sagen ; aber wenn wir wissen, daß ein Milligramm iVIaterie eine Anzahl .Atome umfaßt , viel größer als die gesamte Zahl der Buchstaben in allen Büchern der Leidener Universitätsbibliothek, und an den Reichtum an Gedanken denken, der in der An- ordnung dieser Buchstaben enthalten ist, dann verstehen wir einigermal3en, daß wirklich die ma- teriellen Veränderungen im Gehirn genügend Variation bieten können, um die Abspiegelnng einer hohen und komplizierten Geistestätigkeit zu sein. Aber ich würde Gefahr laufen, die Grenzen der Physik zu überschreiten, was nicht in meiner Absicht liegt, und nicht von Ihnen gewünscht werden kann. Der Physiker, und das gilt von uns allen, muß sich darauf beschränken, auf seine Weise in dem Buch der Welt zu lesen. Ohne sich durch die Erkenntnis niederdrücken zu lassen, daß der tiefe Sinn ihm verborgen bleibt, fühlt er .sich in seinen Bestrebungen gestärkt durch die Überzeugung, daß sich ihm innerhalb der Grenzen des Erreichbaren, in dem Maße wie er fortschreitet, weite und unerwartete Ausblicke öffnen werden. H. A. Lorentz. ^Aus dem Holländischen übersetzt von F. Conrat.) Die Frage, ob die Darmatmung ein RefJexakt sei oder durch direkte Reizung des Atemzentrums zustande komme, ist namentlich für die Fische noch nicht vollkommen sichergestellt, ebenso ist man über die Art dieser Reize noch nicht im klaren. Für die einen sind es Sauerstoffmangel und Kohlensäureanhäufung, andere halten nur eines von den beiden für den eigentlichen Atem- reiz. Um nun diese Fragen für die Fische zu entscheiden, haben Babak und Dedek ') im phy- siologischen Laboratorium der eechischen Univer- sität in Prag eine Reihe von Versuchen ausgeführt, ') Babäk, E. u. Dudek, B,, Untersuchungen über den Aus- lösungsreiz der Atembewegungen bei Süßwassertischen. Ar- chiv f. ges. Physiologie, Bd. iig, p. 483—529. die auch in biologischer Hinsicht Interesse be- anspruchen. Um dem Körper von Frischen beliebige Mengen von Sauerstoff oder Kohlensäure zuzu- führen und auf diese Weise die Beziehungen der Kiemendeckelbewegungen zum Gasgehalte des Blu- tes verfolgen zu können, kamen die Verfasser auf den Gedanken, die Darmatmung der Cobitidinen sowie die hochentwickelte Luftatmung (durch die sog. Labyrinthorgane) der Osphromeniden zu benützen, da ja bekanntlich die Sauerstoffresorption und Kohlensäuresekretion dieser akzessorischen At- mungsorgane so groß sind, daß sie die Kiemen in ihrer respiratorischen Tätigkeit unterstützen, ja in den extremsten Fällen sogar ersetzen können. Als Hauptobjekt diente zunächst Misgurnus (Cobitis) fossilis, der bekannte Wetterfisch. Die Versuche über den Einfluß des Sauerstoffgehaltes des Blutes auf die Kiemendeckelbewegungen er- gaben folgende Resultate. Im durchlüfteten Leitungswasser reichten bei niederiger Temperatur einige hier und da ausgeführte Kiemendeckel- bewegungen aus, um den geringen Sauerstoff- bedarf zu decken , größtenteils war das Tier apnoisch. Bei höherer Temperatur und damit ge- steigertem Stoffwechsel fanden die Bewegungen stundenlang in sehr ausgiebiger Weise statt, das Tier ging außerdem bereits an die Oberfläche; nachdem die Darmschleimhaut die dort geschluckte Luft auszunützen begann, trat Apnoe ein. Im ausgekochten Wasser von höherer Temperatur herrschte zunächst ausgesprochene Dyspnoe, das Tier schluckte sehr heftig Luft, darauf für kurze Zeit Apnoe, dann wieder Dyspnoe, steigen an die Oberfläche usw. Im sauerstoffgesättigten Wasser verharrten die Versuchstiere in außer- ordentlich langen apnoischen Zuständen, ohne von der Luftatmung Gebrauch zu machen. Wurden sie nun in ausgekochtes Wasser gebracht, über welches eine Sauerstoffatmosphäre geschichtet war, zeigten sie alsbald Unruhe, heftige Dyspnoe, verschluckten an der Oberfläche Sauerstoff und entleerten nur sehr kleine Gasblasen per anum, die vermutlich größtenteils aus Kohlensäure bestehen mochten, dann Apnoe, steigen an die Oberfläche usw. Es kamen bei diesem Versuche etwa 12 Darmventilationen auf dieselbe Zeit, wo bei Luft- atmosphäre 30 ausgeführt wurden. Wurde dem Sauerstoff Stickstoff beigemengt, so stieg die Frequenz der Ventilationen, die apnoischen Zu- stände wurden immer kürzer; sank der Sauerstoff- gehalt bis auf 5 " „, so wurde aus dem After ein - fast kontinuierlicher Gasstrom hervorgepreßt, „die Kiemendeckel vollführen die größtmöglichen Exkursionen im schnellsten Tempo. Es kann kein Zweifel herrschen, daß es sich hier um rhythmische Atembewegungen handelt, hervor- gerufen durch den starken Sauerstoffmangel im Zentralnervensystem." Da zu diesem Versuche Wasser verwendet wurde, „welches nur Spuren oder gar keine Kohlensäure enthielt, so konnten die dyspnoischen Zustände in Beziehung zum 12 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. VII. Nr. I Sauerstoffmangel gebracht werden." Um nun die Frage zu prüfen, ob die Atembewegungen nicht nur durch Sauerstoffmangel, sondern auch durch Kohlensäureüberschuß ausgelöst werden könnten, wurde zunächst der Partiärdruck der Kohlensäure im Medium erhöht, indem das Wasser mit viel Kohlensäure geschüttelt wurde. Nach großer Unruhe und heftigen Reflexlokomotionen trat in- folge reflektorischer Inhibition der Atemtätigkeit ein bewegungs- und reaktionsloser Zustand ein, der entweder in Narkose überging, die sich übrigens für die Versuchstiere als nicht gefährlich erwies, oder in Dyspnoe, die jedoch auf Grund zahlreicher Versuche und Beobachtungen von den Verfassern auf Sauerstoffmangel zurückgeführt wird. Entscheidend für die Annahme, daß der Kohlensäureüberschuß auf das Atemzentrum keinen Reiz ausübt, sind naeh Annahme der Verfasser die Versuche anzusehen , wo es sich zeigte, daß in dem Verhalten der Tiere keine Änderung eintrat, wenn man der Sauerstoff- atmosphäre über ausgekochtem Wasser die Kohlen- säure erst hinzufügte, bis nach der Darmventilation regelmäßig auftretende apnoische Phasen beob- achtet worden waren. Außer dem heimischen Schlammbeißer wurde noch der japanische Gattungs- genosse (Misgurnus anguillicaudatus), der Stein- beißer (Cobitis taenia) und die Schmerle (Nemachilus barbatula) zur Untersuchung herangezogen. Der erstgenannte verhielt sich wie sein Vetter. Cobitis taenia dagegen nimmt nur in der Not zur Darm- atmung Zuflucht, da die Leistungsfähigkeit des respiratorischen Gaswechsels in ihrer Darmschleim- haut ungenügend ist. Im ausgekochten Wasser tritt starke Dyspnoe ein, im sauerstoffreichen da- gegen auffallende Apnoe. Nemachilus barbatula benützt bei großem Sauerstoffmangel Mundventi- lation, ,,das Tier hängt sich gleichsam an die Wasseroberfläche, und durch die Kiemenöffnungen kann man fast kontinuierlich Luftblasen hervor- treten sehen. Zur Darmventilation kommt es erst in der äußersten Not, besonders selten bei großen Exemplaren," wo öfter überhaupt keine eintritt. Ganz junge Tiere verschlucken sehr oft Luft und entleeren sie durch den After. Wie bei Taenia reicht die Darmatmung bei weitem nicht aus, zur Apnoe kommt es nur im stark sauer- stoffreichen Wasser. Die Kohlensäureversuche zeigen ähnlich wie früher, daß wohl durch sie eine periphere, aber kaum eine zentrale Reizung stattfindet. Versuche mit verschiedenen Cyprininae (Bitter- ling, Laube, Karpfen, Pfrille usw.) haben gezeigt, daß man auch bei ihnen apnoische Zustände und dyspnoische Atembewegungen, wenn auch nicht leicht und erst nach längerer Zeit herbeiführen kann. Bei Sauerstoffmangel gehen sie an die Oberfläche und nehmen mit dem Wasser Luftblasen auf, mit welchen dieses bei den Atembewegungen durch- geschüttelt wird, ganz ähnlich wie bei Nema- chilus b. Aus ihren Befunden über die Darmatmung ziehen die Verfasser in einem besonderen Aufsatz') nun Schlüsse über die Phylogenie der Cobitidinen, indem sie annehmen, daß sich durch funktionelle Anpassung bei ungünstigem Sauerstoffgehalt des Mediums die ursprünglich sehr geringe respirato- rische Fähigkeit der Darmschleimhaut ausge- bildet hat. Zu Versuchen mit Labyrinthfischen wurden die allen Aquatikern wohlbekannten „Makropoden" benützt. Diese Tiere besitzen in Beziehung zu den Kiemenbogen wohl ausgebildete Luftatmungs- organe, welche nach den ausgeführten Versuchen bei geeigneter Versuchsanordnung imstande sind, ,,den respiratorischen Gaswechsel vollständig zu verrichten"; derselbe geht durch den Mund. „Bei ausgiebiger Sauerstoffversorgung des Zentral- nervensystems durch die Luftatmungsorgane können selbst im sauerstoffreien Wasser apnoische Zu- stände vorkommen, bei Sauerstoffmangel erscheinen auffallende dyspnoische Kiemendeckelbewegungen. Die Kohlensäure kann, vielleicht durch die periphere Reizung der Mund- und Kiemenschleim- haut (ähnlich wie bei Nemachilus) verstärkte Atembewegungen hervorbringen, doch sie scheint kein eigentlicher Atemreiz zu sein. Dr. F. Urban (Plan). ') Babak, E. u. Dedek, B. Vergleichende Unter- suchungen über die Darmatmung der Cobitidinen und Betrach- tung über die Phylogenese derselben. Biol. Centr. XXVII, Nr. 21, p. 697- 703. Die größte Höhe über dem Erdboden, bis zu der je ein Gebilde aus Menschenhand gelangt ist, erreichte ein unbemannter Straßburger Re- gistrierballon, der am 3. August 1905 bis zu einer Höhe von 25800 m einporstieg; bis dahin war 22290 m die größte Höhe, die ein ähnlicher Ballon (am 4. Dez. 1902) erreicht hatte. Über die von den Instrumenten während der Fahrt registrierten Daten über Temperatur und relative F"euchtigkeit wird in dem soeben erschienenen 8. Hefte 1905 der Veröffentlichungen der Inter- nationalen Kommission für wissenschaftliche Luft- schiffahrt Näheres mitgeteilt. Es betrug in Meter Höhe die Temperatur 140 + 16,8" I 640 4- '4,2" 3 7'o -f 37" 4 120 + 3.4" 5 130 , + 0,1" 14490 —62,7" 15000 —58,0" 19000 — 49,4" 22000 — 47.3" 25 800 — 40,0" Es zeigt sich in dieser Tabelle klar das Vorhanden- sein einer wärmeren Luftschicht in den höchsten Höhen der Atmosphäre, die auch bei anderen Luftballonflügen schon beobachtet worden ist. In N. F. VII. Nr. I Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 13 14490 in Höhe erreichte die Temperatur ihren tiefsten Punkt, darüber hinaus stieg sie wieder beständig, wenn auch nicht regelmäßig, und war nach 11400 m weiterem Steigen um 17,3" ge- stiegen. Man erhält hierdurch zum ersten Male eine Vorstellung von der großen Mächtigkeit der oberen warmen Luftschicht, von der man bisher keine Ahnung hatte. Die relative Feuchtigkeit, die am Boden 88 ",, betrug, erreichte ihr Minimum mit 29",,, schon in 4950 m Höhe; sie stieg dann bis 7000 m Höhe wieder auf 45 ",,, und blieb von loooo m Höhe an mit 37 bis 42 % nahezu konstant. (Geogr. Ztschr. 1907, S. 385.) Zur Geschichte der hundertteiligen Ther- mometerskala hat R. Börnstein Studien an- gestellt, über die er der Dresdener Naturforscher- versammlung Bericht erstattete (Phys. Ztschr. VIII, S. 871). Das Ergebnis dieser Studien ist das Folgende : Celsius hat bekanntlich die hundert- teilige Skala eingeführt, zählte aber vom Siede- punkt als Nullpunkt bis zum Gefrierpunkt hundert Grade, also in umgekehrter Richtung, wie wir es gegenwärtig tun. Die heute übliche Zählung, bei der der Gefrierpunkt als Nullpunkt dient, stammt aber nicht, wie bisher vielfach angenom- men wurde, von Strömer, sondern von Karl von Linne. Es geht dies namentlich aus unveröffent- lichen Briefen Linne's, sowie aus einer Stelle (S. 276) der 1751 erschienenen Philosophia Bota- nica hervor. Kbr. Himmelserscheinungen im Januar 1908. Stellung der Planeten: Merkur ist unsichtbar, Venus leuchtet I '/j bis 2'/2 Stunden lang als Abendstern. Mars kann abends in den Fischen noch 5 Stunden lang gesehen werden. Jupiter kommt am 29. in Opposition und ist da- her die ganze Nacht hindurch im Krebs zu beobachten. Sa- turn geht bereits in den Abendstunden unter und kann zu- letzt nur noch 3 Stunden lang in den Fischen gesehen werden. Verfinsterungen der Jupitermonde: Am 4. um 10 Uhr 58,8 Min. M.E.Z. ab. Eintr. dis II. Trab. „ 10. „ 9 „ 38,9 „ „ „ „ „ I. „ „ 17- >, II n 32.8 „ „ „ „ „ I. „ „ 26. „ 7 „ 55,4 „ „ „ „ „ I. „ ,, 30. ,, 10 „ 54,6 „ „ ,, Austr. ,, II. ,, Sternbedeckung: Am 17. wird der Fixstern 6 Gemino- rum um 5 Uhr 7,4 Min. M.E.Z. ab. durch den Mond bedeckt. Der Austritt erfolgt um 5 Uhr 42,4 Min. Eine in Deutschland unsichtbare, totale Sonnen- finsternis findet in der Nacht vom 3. zum 4. Januar statt. Die Finsternis ist nur im Großen Ozean sichtbar. Algol -Minima können beobachtet werden am 2 um 8 Uhr 4 Min. ab. und am 5. um 4 Uhr 53 Min. ab. Bücherbesprechungen. Meyer's Grofses Konversations- Lexikon. Nach- schlagebuch des allgemeinen Wissens. 6. gänzlich neu bearbeitete und vermehrte Auflage. 18. Bd. Schöneberg bis Sternbedeckung. Leipzig und Wien, Bibliographisches Institut, 1907. Von dem schönen, umfangreichen Werk erscheinen die einzelnen Bände schnell hintereinander, so daß wir wiederum einen neuen Band anzuzeigen imstande sind. Auch dieser bemüht sich wie die vorausgehen- den, durchaus aktuell zu sein, durchaus auf der Zeit- höhe zu stehen. Wie immer ist das Naturwissen- schaftliche stark berücksichtigt, besonders durch schöne bunte Tafeln, Textabbildungen und Schwarzdruck- tafeln. Durch hervorragende Berücksichtigung des Geographischen sowohl in textlicher Hinsicht , als auch bezüglich der Beigabe von Kaiten — sn eine z. B. auch von Helgoland , um die Art zu zeigen, wie Seekarten eingerichtet sind — ist das Konver- sations-Lexikon auch ein Ersatz für einen guten geo- graphischen Atlas. Prof. Dr. Bernhard Rawitz, Lehrbuch der mi- kroskopischen Technik. Mit 18 Figuren. Leipzig, Wilhelm Engelmann, 1907. — Preis 12 Mk. Das vorliegende Buch wird viel Nutzen stiften, nicht nur für den SpezialkoUegen des Verfassers, der Mediziner ist, sondern auch für Zoologen und auch Botaniker, die die Methoden der Zoologen kennen zu lernen Ursache haben. Verfasser teilt das Buch in 2 Abschnitte: i. Untersuchungsmethoden und 2. Anwendung der Methoden. Während der erste Abschnitt das Mikroskop selbst vorführt, ferner über Entkalken, Entfärben, Einbetten, Schleifen, Schneiden, Aufkleben, Färben etc. belehrt, beschäftigt sich der 2. Abschnitt mit der Anwendung des im ersten auf 242 Seiten Gebotenen, indem er auf die Zelle ein- geht, auf die Bindesubstanz, das Muskelgewebe, das Blut etc. Wissenschaftliche Ergebnisse der Expedition Filchner nach China und Tibet 1903 — 1905. X. Band, i. Teil, i. Abschnitt: Zoologische Sammlungen, 2. Abschnitt: Botanische Sammlungen. Mit 6 Lichtdrucktafeln, 20 Auto- typietafeln und I Karte. Berlin , Ernst Siegfried Mittler & Sohn, 1908. — Preis 20 Mk. Die Expedition wurde 1903 — 1905 von Wilhelm Filchner unternommen. Die botanischen und zoolo- gischen Ergebnisse finden wir in dem vorliegenden Bande mitgeteilt. Es haben sich an der Bearbeitung nicht weniger als 18 Zoologen beteiligt, wie Attems (Wien), Burr (London), A. Forel etc., besonders viele Herren vom Zoologischen Museum in Berlin (Kolbe, Kuhlgatz, Matschie, Obst, Pappen- heim, Tornier). Die botanischen Sammlungen wurden von Professor Diels (Marburg) bearbeitet. Da es sich in einem Werke wie dem vorliegenden, das wesentlich die Arten berücksichtigt, um vielerlei Spezielles handelt, ist ein näheres Eingehen auf den Text in einem allgemeinen Referat nicht angängig. Das Werk wird für zoologische und botanische Spe- zialisten , die sich um Flora und Fauna von China und Tibet kümmern, wichtig sein. Von Tieren wer- den behandelt : Orthoptera, Rhynchota, Koleoptera, Hymenoptera , Diptera und Vertebrata. Der botani- sche Teil bespricht Polypodiaceen, Gymnospermen und von Angiospermen eine ganze Anzahl von Fa- milien. Diels bringt dann noch 2 Abschnitte, von denen der eine den floristischen Charakter der unter- 14 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. VII. Nr. I suchten (lebiete und der andere die Kulturpflanzen des Ciebietes von Si-ning-fu behandelt. Dr. Julius Schmidt, Prof. an der Kgl. Technischen Hochschule Stuttgart, Die .Alkaloidchemie in den Jahren 1904 — 1907. 146 Seiten. Stutt- gart, Ferdinand Enke, 1907. Die vorliegende Schrift ist die Fortsetzung der beiden früher vom Verfasser erschienenen Bücher „Über die Erforschung der Konstitution und die Ver- suche zur Synthese wichtiger Pflanzenalkaloide" (Stutt- gart 1 900) und „Die Alkaloidchemie in den Jahren 1900 — 1904" (Stuttgart 1904). Sie bietet eine mit viel Fleiß zusammengetragene Übersicht über die einschlägige Literatur der letzten drei Jahre und zeigt wieder einmal , welch reiche Fülle von wissen- schaftlichem Material im Verlaufe weniger Jahre allein auf einem der unendlich zahlreichen Einzelgebiete der chemischen Forschung, der zugleich auch für die Medizin, Pharmakologie, Pharmazie und Biologie be- deutungsvollen Alkaloidchemie zutage gefördert wor- den ist. Der Stoff ist wieder mit Rücksicht auf den basischen Bestandteil der Alkaloide folgendermaßen eingeteilt: 1. Alkaloide der Pyridingruppe: Coniin, Methyl- coniin, Conhydrin und Pseudoconhydrin, Conicein, Nikotin, Nikotein, Dihydronikotyrin und Nikotimin. 2. Alkaloide der Pyrrolidingruppe : Skopolamin, Atropin und Kokain, Spartein. 3. Alkaloide der Chinolingruppe : Chinin und Cinchonin, Strychnin und Brucin. 4. Alkaloide der Isochinolingruppe : Papaverin, Narkotin und Hydrastin, Narcein, Berberin und Cory- dalin. 5. Alkaloide der Phenanthrengruppe : Morphin und Codein, Apomorphin und Thebain. 6. Alkaloide der Puringruppe: Kaffein, Theobro- min und Theophyllin. In der Einleitung teilt der Verfasser einige Er- gebnisse der analytischen und synthetischen Forschung auf dem Alkaloidgebiete mit. Wir erfahren daraus, daß sich in den letzten drei Jahren die Anschauungen über die Konstitution von sehr wichtigen Alka- loiden, namentlich der Opiumalkaloide Morphin, Ko- dein und Thebain in wesentlichen Punkten geändert haben. Im Gegensatz zu der bisherigen Annahme, diese drei Alkaloide enthielten einen teilweise hydrier- ten Phenanthrenkern, hat das Studium der stickstoff- haltigen Spaltungsprodukte zu der Hypothese geführt, daß in ihnen auch ein Oxazinring anzunehmen ist. Als für weitere Kreise interessant ent- nehmen wir der Schrift noch die Betrachtungen, welche Pictet , einer der verdienstvollsten Alkaloid- forscher , über die Entstehung und den Chemismus der Alkaloide in den Pflanzen angestellt hat, und welche sich in nachstehenden Sätzen kurz zusammen- fassen lassen : I. ,,Die Alkaloide stellen die stickstoffhaltigen Stoffwechselprodukte der Pflanzen dar und ihr Ursprung ist auf den Zerfall kompliziert zusammengesetzter Stoffe zurückzuführen. Demnach liegen in ihnen keine Assimilations- sondern Umwandlungsprodukte vor." 2. „Der .'Aufspeicherung der Alkaloide in speziellen Geweben gehen in vielen Fällen chemische Umwand- lungen voraus. Hierher gehört zum Beispiel ihre Fähigkeit, sich mit anderen in der Pflanze vorkom- menden Verbindungen zu kondensieren." 3. „Alkaloide, die den Pyrrolkern enthalten, bilden sich bei dem Zerfall von Proteinstoffen." 4. „Die zahlreichen, den Pyridinkern enthaltenden -alkaloide dürften nach Pictet nicht wie die .alkaloide der Pyrrolgruppe die direkten Überbleibsel des Zer- falls komplizierter Substanzen repräsentieren, sondern erst aus diesen Überbleibseln durch sekundäre Phä- nomene entstehen, die den ursprünglichen Kern ver- ändern." Das Buch ist für jeden wertvoll, der sich mit der Alkaloidchemie beschäftigt. Lb. Literatur. Bachmann, Prof. Dr. Paul : Grundlehren der neueren Zahlen- theorie. Mit lo Fig. (XI, 271 S.) Leipzig '07, G. J. Goschen. — Geb. in Leinw. 6,50 Mk. Krieg, 1. Assist. Dr. ."Xug.: Beiträge zur Kenntnis der Kallus- u. Wundholz-ßildung geringelter Zweige u. deren histo- logischen Veränderungen. (b8 S. m. 25 Taf.) Lex. 8°. WUrzburg '08, A. Stuber's Verl. — 12 Mk. Lüpke, Dr. Rob.: Grundzüge der Elektrochemie auf experi- menteller Basis. 5., neu bearb. Aufl. v. Doz. Prof. Dr. E. Böse. (XII, 271 S. m. 80 Fig. u. 24 Tab.) 8". Berlin 07, J. Springer. — Geb. in Leinw. 6 Mk. Newcomb's, Sim., Astronomie f. Jedermann. Eine aligemcin- verständl. Darstellg. der Erscheingn. des Himmels. Aus dem Engl. V. F. Gläser. Durchgesehen v. DD. Dir. Prof. R. Schorr. u. Assist. K. Graff. (VIII, 364 S. m. 68 Abbildgn. u. 2 Taf) 8». Jena '07, G. Fischer. — 4 Mk., geb. 5 M. Przibram, Priv.-Doz. Dr. Hans: Experimental-Zoologie. Eine Zusammenfassg. der durch Versuche ermittelten Gesetzmäßig- keiten tier. F^ormen u. Vertichtgn. I. Embryogenese. Ei- Entwicklung. (Befruchtung, F'urchg., Organbildg.) (8, 125 S. m. 16 lith. Taf. u. 16 Bl. Erklärgn.) Lex. 8». Wien '07, F. Deuticke. — 7 Mk. Schröder, Jobs., u. KuU : Biologische Wandtafeln zur Tier- kunde. Taf. 4, 16, 29, 43 u. 50. (Serie VII.) Je 106X86 cm. Farbdr. Mit je I Bl. Text. Lex. 8". Berlin 07, P. Parey. — Jede Taf. 2,50 Mk. ; auf Leinwand m. Stäben 3,75 Mk. ; die Serie 12,50 Mk. ; bzw. 18,75 M''- 4. Langohrige Fledermaus (Vespertilio auritus). 16. Sperber (Astur nisus). 29. Wildente (Anas boschas). 43. Kreuzspinne (Epeira diademata). 50. Kreuzotter (Pelias berus). Snyder, Carl: Das Weltbild der modernen Naturwissenschaft nach den Ergebnissen der neuesten Forschungen. Autoris. deutsche Übersetzg. v. Prof. Dr. Hans Kleiapeler. 2. verb. Aufl. (XII, 306 S. m. 16 Bildnissen.) 8". Leipzig 07, J. A. Barth. — 5,60 Mk., geb. in Leinw. 6,60 Mk. Anregungen und Antworten. Schützet unsere Vögel! — Die Vögel vermindern sich in erschreckender Weise, fast alljährlich werden ihrer weniger. Nehme das ja niemand leicht , denn der Verlust trifit jeden von uns, nicht nur den Liebhaber und Tierfreund, nicht nur den Forstmann und Landwirt , wenn auch gerade für diese die Bedeutung der nützlichen Vögel groß ist, haben doch schlagende Resultate erwiesen , daß z. B. der Obstbau viel größere und regelmäßigere Ernten ergibt, wenn genügend Vögel da sind, dem Insektenfraß zu steuern. Es handelt sich N. F. VII. Nr. 1 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 15 aber nicht allein um den Verlust wichtiger Kulturförderer, auf dem Spiele steht vielmehr die Schönheit und Eigenart unseres Vaterlandes. Uns droht die Verödung unserer Heimat ! Mit den Vögeln würde Wald und Flur ihren Hauptreiz und ihr frischestes Leben verlieren. In den Vogelstimmen spricht die Natur in ihren lieblichsten und verständlichsten Lauten zu uns. Was wäre der Wald ohne Finkenschlag , das Feld ohne Lerchensang, die blühenden Hecken ohne die Gras- mücken ! Und wahrlich, wenn wir uns nicht bald rühren, dann verstummt bei uns der Nachtigall süßes Lied für ewig ! Und welch ein Genuß, dem hoch in blauen Lüften kreisen- den Raubvogel mit dem Auge zu folgen, welch unvergeßlicher Augenblick, den wie aus buntesten Edelsteinen zusammen- gesetzten Eisvogel auf schwanker Gerte über dem rieselnden Bach sitzen zu sehen, ein Bild aus dem Märchen ! .\uge und Ohr bieten die Vögel einen unerschöpflichen Reichtum der F.rgötzung. Soll dieser Reichtum der bittersten Armut Platz machen? Können wir aber auch den Vögeln helfen? Ja, wir können es, und jeder kann das Seine dazu tun. Denn nicht Feinde vernichten die Vögel, nicht Hunger und nicht Kälte, sie nehmen ab, weil sie sich nicht vermehren können, es fehlt ihnen an Nistgelegenheiten. Das L'nterholz wird in der Forstwirtschaft, im Land- und Gartenbau weggeschlagen, im Gebüsch allein aber nisten gerade unsere besten Sänger, wie Nachtigall, Rotkehlchen, Grasmücken usw. Die kranken und hohlen Bäume werden gefüllt, Baumhöhlen sind aber gerade unseren nützlichsten \'ögeln, wie Meisen. Spechten, F'.ulen usw. unentbehrlich. Wollen wir den Rückgang unserer Vögel aufhalten, so ist das weitaus Wichtigste , ihnen wieder Brutgclegenheiten zu verschaffen. Es geschieht das durch Anpflanzen von dichtem , dornendurchsetztem Gebüsch und durch Aufhängen von ,, Nisthöhlen". Doch sind nur die so- genannten ,,v. Berlepsch'schen Nisthöhlen" brauchbar, das sind beuteiförmig ausgehöhlte und zugedeckelte Baumstücke mit einem Einflugsloch oben. Die Höhlung muß unten in eine spitze Mulde ausgehen. Überall , wo man diese beiden Maßregeln getroffen hat, hat sich auch alsbald eine bedeutende und immer steigende Zunahme der Vögel bemerkbar gemacht. Schaffen wir also in dieser Weise den Vögeln Nistgelegen- heiten, so ist der Erfolg sicher. Wir wollen aber nicht nur die Vögel, sondern unsere gesamte Tierwelt erhalten. Wir sind weit entfernt davon, gegen die Tiere Vernichtung zu predigen, die den Vögeln schaden könnten oder sogar wirk- lich schaden. Denn wir wissen, daß, wenn erst die Vögel wieder ihre natürlichen Brutbedingungen haben werden, dann selbst eine Zunahme ihrer Feinde ohne Einfluß sein würde, rechnet doch die Natur bei der Vermehrung schon mit einer Vernichtungsziffer, und zwar mit einer sehr großen. Ist aber die Vermehrung verhindert, dann freilich ist die Gefahr des Aussterbens nahe. Die Maßregeln für den Vogelschutz aber kommen auch den anderen Tieren zugute. Im Gebüsch, das wir anpflanzen, finden auch der Igel und das Wild Deckung, und hier können ungestört die Pflanzen blühen und gedeihen, die viele farbenprächtige Schmetterlinge und andere Insekten zu ihrem Leben brauchen. Ein ,,Vügelschutzgehölz" , durch- setzt und umgeben von blühenden wilden Rosen ist ein herr- licher Anblick. Herrlich vor allem dadurch, daß es uns ein Stück unberührter Natur vorführt. L'nd das ist es, was wir zur Erhaltung unserer Tierwelt brauchen: Hecke unberührter Natur, Stellen die nur der Schönheit und dem Interesse dienen, nicht zu materiellem Gewinn ausgenutzt werden. Solche Asyle laßt uns unserer Tierwelt, solche Stellen urwüchsiger Natur der Freude und dem Studium jedes gemütvollen Men- schen erhalten und schaffen! So kann schon jeder einzelne viel für den Vogelschutz tun. Zuerst aber müssen die ein- zelnen gewonnen werden für eine Sache , deren Bedeutung ihnen noch gänzlich unbekannt ist. Dazu bedarf es einer größeren Macht, bedarf es eines Vereines. Der ,,Bund für Vogelschutz" will seine ganze Kraft in den Dienst dieser Arbeit stellen. Er will, wie er das schon getan hat. Nistge- hölze anlegen und Nisthöhlen aufhängen. Er will bedrohte Stellen in unserem Vaterlande, deren Schönheit und Eigenart der Spekulation und Ausnutzung zum Opfer fallen sollen, an- kauien und retten. Solcher bedrohter Stellen , die oft mit wenig Geld zu retten wären, weil sie häutig unverwertbares Terrain vorstellen, gibt es viele, an Fluß- und Seeufern , auf der Halde und im Moor, auf der Wiese und im Walde. Es sind Denkmäler der .\atur, Ott wichtiger zu erhalten, als Denkmäler der Tätigkeit des Menschen. Dasselbe gilt auch von Tieren, die dem Aussterben nahe, in wenig Exemplaren ihr Leben tristen und die ihres doch im Verhältnis nur un- bedeutenden Schadens wegen vernichtet werden sollen. Es muß verhindert werden, daß einseitige Interessenten, jeder Rücksicht auf das Allgemeine bar, eine unnachsichtige und vollständige .Ausrottung der Tiere erstreben , die ihr Interesse schädigen könnten. Welch Unheil wird so oft durch aut \'ernichtung von Tieren ausgesetzte Prämien angerichtet, die dem verständnislosen Morden den weitesten Spielraum lassen! ^^'enn aber so vielfach nur das eigene Interesse wahrgenom- men wird, dann muß es auch eine Macht geben, die das all- gemeine Interesse wahrt. Und wahrlich, die Schönheit und Eigenart unseres Landes ist des allgemeinen Interesses wert. Dieses Interesse muß aber erst erweckt werden. L^nd das soll die zweite Hauptaufgabe des Bundes sein. Darum verteilt der Bund für Vogelschutz (Geschäftsstelle Stuttgart: Jäger- straße 34) alljährlich an seine Mitglieder ein Heft, das außer dem Jahresbericht einen Abschnitt eines mit vielen bunten .Abbildungen versehenen Vogelbuches enthält. In zehn Liefe- rungen ist diese Naturgeschichte unserer Vögel vollständig. 1907 wird die sechste herausgegeben. Nach dem Schluß des Vogelbuches, vielleicht auch früher, soll alljährlich den Mit- gliedern ein Büchlein zugestellt werden, das in gefälliger und fesselnder Form von den Erfolgen des Vogelschutzes, dem Leben der Vögel und anderen Tieren und schönen Naturstellen unseres Vaterlandes erzählt. Dafür zahlt das Mitglied 50 Pfg. jährlich. Schulkinder die Hälfte. Mit der einmaligen Ein- zahlung von 10 Mk. ist man lebenslängliches Mitglied, ist für immer jeder Verpflichtung und Zahlung ledig und genießt alle Rechte. Wahrlich , geringe Opfer für einen großen Zweck ! Dieser aber sei noch einmal genannt : Unserer Heimat soll ihre Schönheit und Eigenart erhalten werden, unser V'olk soll gelehrt werden, dieselbe zu lieben und zu verstehen. Wer mit diesem Grundsatz einverstanden ist, wes Standes und Landes er auch sei, er trete dem Bunde bei! Dr. Konrad Guenther, Privatdozent an der Universität Freiburg i. Br. An mehrere Fragesteller. — Wiederholt wurden An- fragen gestellt, die sich auf lebend beigegebene Tiere be- zogen. So wurden Wassertiere lebend in einer verkorkten Glasröhre. Luftatmer lebend in einer Schachtel eingeschickt. Ich möchte darauf aufmerksam machen , daß die Tiere in diesen Fällen oft tot und zur L^nkenntlichkeit zerfallen in meine Hände gelangten und bitte deshalb die Tiere in ein- fachster Weise zu konservieren d. h. sie in zweifelhaften Fällen in eine Glasröhre (oder ein Fläschchen) mit etwas verdünntem Brennspiritus zu stecken, die Röhre zu verkorken in Watte einzuwickeln und in eine Schachtel zu legen. Sie können dann als Muster ohne Wert verschickt werden. — W^er unzu- reichend konserviertes Material einschickt oder gar nur un- bestimmte Angaben über das Vorkommen und die Form des Tieres macht, kann nicht sicher auf die Beantwortung seiner Frage rechnen. Auch rohe Skizzen sind in vielen Fällen un- zureichend. Dahl. Herrn E. B. in Erfurt. — Sie fanden im Juli in einem mit i'hara bewachsenen Torfstich auf einer Schnecke, und zwar zwischen den Fühlern derselben, eigentümliche weiße Würmer, die sich als Borstenwürmer erwiesen und möchten Näheres über die Lebensweise jener Würmer, die Sie nur auf der einen Schneckenart fanden, wissen. — — Die Würmer waren leider verfault, als ich Ihre Sendung in die Hand be- kam und deshalb wurde die Beantwortung Ihrer F^age zunächst hinausgeschoben. — Die eingesandte Schnecke ist Bythlnla tentaculata und der Wurm wird wahrscheinlich Chaetogaster limm:ei gev/esen sein. Schon K. E. v. Baer fand diesen Wurm parasitisch auf und in Süßwasserschnecken. Er schreibt (Nova Acta physico-medica T. 13 II, Bonn 1827, p. 61 1 ff.) : ,,Viel merkwürdiger ist ein anderer Wurm, den ich in der Respirationshöhle und in den Nieren von Limiianis stagnalis gefunden habe. Er gehört nicht nur keiner der bekannten Gattungen der Entozoen an , sondern zeigt auch paarweise stehende Borstenbüschel auf der Bauchseite In Hinsicht des Aufenthaltsortes habe ich zu bemerken, daß unser Wurm- i6 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. VII. Nr. I rheii in der Xiere in grüflercn Limnäen sehr liiiufig ist, zu- weilen zu 40 — 50 Individuen. Ich fand sie aber auch frei in der Kespiralionshöhle und nicht bloß bei Limnanw, sondern auch bei I'lanorbis corneus. In der Verlängerung der Atmungs- höhle, die bei der letzteren Schnecke während der Ruhe hervortritt, sah ich zwei solcher Würmer ihren festen .Stand- jiunkt vierzehn Tage lang halten, aus dem ich sie nur durch Tötung der Schnecke bringen konnte. Endlich kommen sie aber auch frei im Wasser, in welchem Schnecken leben, vor. Sie halten sich ziemlich fest an Körper an, kriechen an ihnen wie Raupen, durch abwechselndes Ansetzen der Vorragungen und der mittleren und hinteren Ringe und schwimmen nicht im Wasser umher." F. Ve j d o v s k y sagt (,, System und Mor- ])hologie der Oligochaeten", Prag 18S4, S. 36) : „Chattogastrr limnaei ist Bewohner der Süßwassermollusken. Bei emigen erscheint er nur in den Innern Organen, wie bei Physa fon- tiimlis, AneijUis ßuriatilis und Ilytliinia tentacnlata. In andern Fällen traf ich ihn in der Atmungshöhle und auf der Ober- fläche des Körpers, wie hti Limnaija stagnalis, Limnaea percgra, PUinorhls corneus und Pahulina vivipara. Diese Süüwasser- pulmonaten stammen aus der Elbe, Moldau und aus den Teichen Südbiihmens." — Die Stellung des Wurmes im System erfahren Sie am besten aus W. Micha eisen, Oligochaeta („Das Tierreich", 10. Lief., Berlin 1900) S. 22. Dahl. Herrn Dr. E. T. in Reichenberg (Böhmen). — Sie bitten um nähere Angaben über die Verbreitung von Gnathocerus (Echocerus) maxillosus. — — Der genannte Käfer w'urde zuerst beschrieben von J . C. t'abricius (in: Systema Eleu- theratorum, Kiliae iSoi, T. I p. 155) und zwar aus Süd-Amerika, das wir auch wohl als dessen ursprüngliche Heimat anzusehen haben. — Die ausführlichste Angabe über sein jetziges Vor- kommen finde ich in: W. F. Erichson, Naturgeschichte der Insekten Deutschlands Bd. 5, Tenebrionidae von W. v. Kiese- wetter und G. Seidlitz, Berlin 1898, S 589. Nach dieser Angabe ist er jetzt über ganz Amerika, Madeira und Süd- Frankreich verbreitet. — Er scheint sehr leicht mit Waren verschleppt zu werden. — So fand ihn J. E. Everts (Coleo- plera Neerlandica T. 2, 'sGravenhage X903, p. 263) in den Niederlanden in einer Flasche mit Arrow-root aus Amerika. Dahl. Herrn Dr. A. E. in Jena. — Sie möchten gern erfahren, ob die Rattenfängersage an einer naturwissenschaftlichen Tatsache Anhalt findet, insofern als den Ratten irgendwelches musikalisches Gehör oder eine Neigung, Tönen zu folgen, zu- geschrieben werden kann. — — Die einzige Angabe, die ich in der sehr ausgedehnten Literatur über Ratten als hier allen- falls in Betracht kommend habe auffinden können, macht J. H. Blasius. Er sagt (,, Naturgeschichte der Säugetiere Deutschlands", Braunschweig 1857, S. 320) von der Hausratte, Mvs rattiis. die hier allein in Frage kommt, daß sie gezähmt auf einen bestimmten Ruf hört. — Sollte irgend einem der Leser weiteres über diesen Punkt bekannt sein, so dürfen wir ihn wohl um freundliche Mitteilung bitten. Dahl. Herrn Dr. J. K. — Der Volksglaube, daß Sperlinge von Schwalben eingemauert werden sollen, ist sclion in J. F. Naumann's Naturgeschichte der Vögel Deutschlands in das rechte Licht gestellt (Naumann, Naturgeschichte der Vögel Mitteleuropas, Neue Bearbeitung, Bd. 4, Gera-Untermhaus, S. 209). Naumann sagt: ,,Gewölinlich nimmt das Sperlings- männchen, sobald die Schwalben das Nest fertig haben, Besitz davon, indem es ohne Umstände hineinkriecht und keck zum Eingangsloche herausguckt, während die Schwalben weiter nichts gegen diesen Gewaltstreich tun können, als im Verein mit mehreren ihrer Nachbarn unter ängstlichem Geschrei um dasselbe herumzuflattern und nach dem Usurpator schnappen. jedoch ohne es zu wagen, ihn jemals wirklich zu packen. Unter solchen Umständen währt es doch öfters einige Tage, ehe sie es ganz aufgeben und den Sperling im ruhigen Besitze lassen Elin einfältiges Märchen ist es übrigens, daß sie aus Rache den .Sperling lebendig einmauern sollten ; er möchte dies wohl nicht abwarten ; allein die Natur legte ihnen ein Mittel dagegen in ihren Instinkt, nämlich dies, den Ein- gang so eng zu machen, daß sie nur soeben sich noch durch- pressen können, welches aber zu eng für einen alten Haui- sperling ist und ihn in der Tat von solchen Nestern abhält, an welchen dieser KunsigrifT angewendet worden ist." — E. Hartert sagt über den genannten Volksglauben in der .Anmerkung: „Gewiß ist dies ein einfältiges Märchen, trotzdem wird es noch heutzutage oft genug ernsthaft aufgetischt." Dahl. Herrn Apothekenbesitzer Th. R. in Schmalkalden und Herrn O. in Amsterdam. -- Sie wünschen die Angabe, ob ein neueres Werk existiert, welches die technischen, lateini- schen Ausdrücke z. B. der Lichenologie erläutert. Em solches Werk gibt es leider nicht. Für die ältere Zeit ist sehr brauch- bar G. W. Bischoff, Handbuch der botanischen Termino- logie und Systemkunde. 3 Bände. 1833 44. Hier finden Sie die Erklärungen der Fachausdrücke für die gesamte Bo- tanik. Ein Auszug daraus ist das kleine Wörterbuch der be- schreibenden Botanik, Stuttgart 1857. Diese Werke nehmen aber nicht spezi^l Bezug auf die Flechten. In neuester Zeit ist erschienen C. Schneider, Illustriertes Handwörterbuch der Botanik. Leipzig (W. Engelraann) 1905, Preis 19 Mk. Sie werden aber für Ihre Zwecke darin auch nur wenig finden. Ich empfehle Ihnen das kleine Buch von Eischoff (Auszug aus dem großen; er ist in 2 Aufl. erschienen), das wenigstens die häufigsten Ausdrücke bringt. Außerdem finden sich in der Einleitung zum Leunis, Teil 2, Botanik, die gebräuchlichsten Kunstausdrücke angeführt und z. T. auch durch Figuren erklärt. Es ist zu bedauern, daß es kein Werk gibt, das nach dem heutigen Standpunkt unserer Kenntnisse die Erklärung aller Ausdrücke bringt. Aber bis diese Lücke ausgefüllt wird, muß man sich damit behelfen, die .Ausdrücke der Diagnosen an der Hand der Untersuchung der E.\emplare verstehen zu lernen. G. Lindau. Herrn O. W. in Beverstedt. — Sie wünschen die Angabe eines Stoffes zum Befestigen von Glasdeckeln auf Präparaten- gläsern, so daß der Kitt nicht vom Alkohol losgelöst wird. — Wenn die Deckel nicht mehr abgehoben werden sollen, so genügt vielfach schon bei mattgeschliffenen Rändern Gummi arabicum, der sehr sorgfältig verteilt werden muß, damit der Deckel an jeder Stelle damit versehen ist. Haftet das Glas erst zusammen, so kann noch ein Überzug von Maskenlack hinzu- gefügt werden. Besser ist aber, namentlich für Ausstellungs- zwecke, die Anwendung von Kautschukpech, das die Verbin- dung zwischen Glas und Deckel unlöslich herstellt. Sollen die Gläser zum Zweck der Untersuchung öfter geöflfnet werden, ohne daß der Deckel zerbricht, so empfiehlt es sich, sogenannten Telephonasphalt (Chatterion Compound, erhältlich bei Armin Tenner, Berlin, Zimmerstraße 34I zu nehmen , der mit 50 "j^ Paraffin zusammengeschmolzen wird. Die Mischung, welche dunkelbraun aussieht, wird dick auf- getragen und der Deckel fest angedrückt. Der Deckel klebt sehr fest an , kann aber mit einem Messer leicht abgehoben werden. Eine weiße Mischung für denselben Zweck stellt man aus V2 Wachs und ''2 Paraffin her. Sonnenwänne schmilzt zwar diesen weißen Kitt, aber die Verbindung zwi- schen dem Glase wird nachher um so fester. Auch hier läßt sich der Deckel leicht mit einem Messer abheben. Von den im Botanischen Museum ausprobierten Methoden sind die obigen die besten. G. Lindau. Inhalt: Walter Doht: Künstliche Seide. — Kleinere Mitteilungen H. L. Lorentz: Das Licht und die Struktur der Materie. — Dr. F". Urban: Darmatmung der Fi.^che. — Die größte Höhe über dem Erdboden. — R. Börnstein: Zur Geschichte der hundertteiligen Thermometcrskala. — Ilimmelserscheinungen im Januar 190S. — Bücherbe- sprecbungen: Meyer's Großes Konversations-Le.xikon. — Prof. Dr. Bernhard Rawitz: Lehrbuch der mikroskopi- schen Technik. — Wissenschaftliche Ergebnisse der E.xpedition Filchner nach China und Tibet 1903 — 1905. — Dr. Julius Schmidt: Die Alkaloidchemie in den Jahren 1904 — 1907. — Literatur: Liste. — Anregungen und Ant- worten. Verantwortlicher Redakteur; Prof. Dr. H. Potonie, Groß-Lichterfelde-West b. Berlin. Druck von Lippert & Co. (G. Pätz'sche Buchdr.), Naumburg a. S. Organ der Deutsehen Gesellschaft für volkstümliche Naturkunde in Berlin. Redaktion: Professor Dr. H. Potonie und Professor Dr. F. Koerber in Gro^-Lichterfelde-West bei Berlin. Verlag von Gustav Fischer in Jena. Neue Folge VII. Band; der ganzen Reihe XXIII. Band. Sonntag, den 12. Januar 1908. Nr. 2. Abonnement: Man abonniert bei allen Buchhandlungen und Postanstalten, wie bei der Expedition. Der Halbjahrspreis ist M. 4. — . Bringegeld hei der l'ost 15 Pfg. extra. Inserate : Die zweigespaltenc Kolonelzeilc 40 Pfg. Bei größeren .Aufträgen entsprechender Rabatt. Beilagen nach Übereinkunft. Inseratcnannahme durch die Verlags- handlung. Der physiologische W^ert der Plasmodesmen im pflanzlichen Organismus. Eine kritische Betrachtung. [N-ichdnick verboten." Von Dr. O. Braun, Königsberg i. Pr. Der berühmten Entdeckung des Planeten Xeptun von Galle nach den Berechnungen von Leverrier und der Auffindung des Germaniums durch Winkler nach den Voraussagungen von Mendelejefif kann man in gewissem Sinne die Auffindung der „Plasmodesmen" (Plasmaverbin- dungen, Plasmabrücken) durch Tan gl') 1879 an die Seite stellen. Schon mehrfach war die Ver- mutung geäußert worden, es müsse solche Ver- bindungen zwischen den einzelnen Bausteinen des pflanzlichen Organismus geben. Nun gelang es mit Hilfe der fortgeschrittenen Präparationsver- fahren und besseren optischen Hilfsmittel die feinen Fäden zu sehen, die die trennenden Mem- branen durchbrechen. Tangl stellte zunächst für den quellungsfähigen Teil des Endosperms fest, daß die Scheidewände der Zellen in ihrer ganzen Dicke von feinen Kanülen durchzogen sind, die eine vollständige Verbindung herstellen und so eine Einheit höherer Art darstellen. Weitere An- ^) Tangl, Über offene Kommunikationen, zwischen den Zellen des Endosperms einiger Samen. (Jahrbuch für wissen- schaftliche Botanik, 1879—81, S. 170 ff.). gaben finden sich beiRussow;') er kam bereits auf Grund seiner Untersuchungen an zahlreichen Pflanzen zu dem Schlüsse, daß das gesamte Proto- plasma des pflanzlichen Organismus in Kontinuität stehe. Dann wächst die Literatur darüber an und erreicht Ende der neunziger Jahre ihren Höhe- punkt. Seitdem hat sich das Hauptinteresse auf diesem Gebiete der Reizperzeption und der Reiz- leitung innerhalb des Plasmas einer Zelle zuge- wandt. Kurz müssen wir zunächst den morphologischen Bau der Plasmaverbindungen berühren; wie wir sehen werden, läßt sich daraus auf ihren physio- logischen Wert schließen. Es sind sehr feine, nach den Bestimmungen von Kienitz-Gerloff') 0,05 — 3,0 |H dicke Fäden, farblos, meistens geradlinig, ') Russow, Über die Perforation , die Zellwand und den Zusammenhang der Protoplasmakörper benachbarter Zellen. (Sitzungsberichte der Dorpater .Naturforscher -Gesellschaft. September 1883, Bd. VI, S. 562.) -| Kienitz-Gerloft', Die Plasmaverbindungen zwischen be- nachbarten Gewebselementen der Pflanze. (Botanische Zeitung 1891.) i8 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. VII. Nr. 2 nicht grob strukturiert.^) Die perlschnurartige Form, die Russow noch genau beschreibt, hat sich als eine Folge der verschiedenen Quellung der Membranschichten erwiesen. Die Plasmodes- men finden sich öfters über alle Stellen der Mem- bran verteilt, oder aber sie stehen in Büscheln an einzelnen Punkten, in den Tüpfelhäuten, vereint; hiernach ist von Kohl'-) ein Unterschied in der Bezeichnung für die beiden Arten des Vor- kommens vorgeschlagen, er will „solitäre" und „aggregierte" Plasmodesmen scheiden. Strömungen des Plasma sind nicht in ihnen beobachtet worden.'') Was man früher durch einen Analogieschluß phrophezeite, ist jetzt durch ziemlich vollständige Induktion erwiesen, nämlich daß die Plasmodesmen überall in der Pflanze sich finden. Durch ein- gehende Untersuchungen an Viscum album stellte Kuhla *) fest, daß sämtliche Zellen durch Plasmo- desmen verbunden sind. Und Strasburger ^) be- stätigt dies für alle Tüpfel, ebenso wie Kienitz- Gerloff schon 1891 für alle Gewebe:") „Ich ge lange zu dem Schluß, daß sämtliche lebende Elemente des ganzen Körpers der höheren Pflanzen durch Plasmafäden verbunden sind." Er hält die längst bekannten Verbindungsstränge der Sieb- röhren nur für Spezialfälle der allgemein vor- kommenden Plasmafäden ; doch ist dies — nach Strasburger ') — noch nicht erwiesen. Auch die Bildung der Plasmaverbindung bei der Zellanlage ist nicht ganz unwichtig für unsere Frage. Die Ansichten darüber haben vielfach gewechselt. Schon Russow *) meint, daß die Plasmodesmen Überreste der Kernteilungsfiguren sind, d. h. also sich vor Ausbildung der Membran anlegen. Ähn- lich Kienitz-Gerloff,'') der glaubt, daß die Durch- löcherung der Membranen nicht erst nachträglich geschieht, sondern daß an den betreffenden Stellen keine Wandsubstanz ausgeschieden wird. Doch ist es zweifelhaft; „Wenn es mir nach meinen Untersuchungen als sicher erscheint, daß die Plasmaverbindungen gleich von Anfang an bei der Zellbildung entstehen, so blieb doch auch die Möglichkeit einer nachträglichen Bildung nicht ausgeschlossen." Auch Gardiner '") urteilt so. Da- gegen ist von Strasburger ^') erwiesen, daß kein Zusammenhang zwischen Plasmodesmen und Zell- teilungsvorgängen besteht. Er weist darauf hin, ') Arthur Meyer, Die Plasmaverbindungen und die Mem- branen von Volvox globaler, aureus und terlius, mit Rücksicht auf die tierischen Zellen. (Botan. Zeitung 1896, I. Abteilung, S. 187.)^ 'j Kohl , Dimorphismus der Plasniaverbindungen. (Be- richte d. deutschen botan. Gesellsch. 1900, S. 364.) ') E. Strasburger, Über Plasmaverbindungen pflanzlicher Zellen. (Jahrbuch für Wissenschaft!. Botanik, 190 1 , S. 540.) ■■) Kuhla, Die Plasmaverbindungen bei Viscum album. (Botan. Zeitung 1900, S. 29.) ■'') a. a. O. S. 510. «) a. a. O. S. 21. ") a. a. O. S. 52. 0) a. a. O. S. 53. ») a. a. O. S. 38, 46. '") Gardiner, Proceedings of Royal Society 1898, ") a. a. O. S. 495 ff. daß Gewebe getrennten Ursprungs durch Plasma- brücken verbunden sind, dabei ist eine nachträg- liche Bildung natürlich notwendig.') Von dem Augenblicke, in dem die sekundäre Verdickung der Wände beginnt, sind sie sicher nachweisbar; sie sind nicht ausgesparte Verbindungsfäden der Kerne, sondern werden in die Membranen ein- geschaltet, bevor diese sich verdicken. Von beiden Seiten aus wachsen sie einander entgegen. Hauptfleisch -) hat nachträgliche Tüpfelbildung und Plasmadurchbrechung bei Desmidiaceen ge- sehen. Ich habe aus der Literatur den Eindruck gewonnen, als kämen beide Bildungsweisen vor; die Frage wird schwer sicher zu entscheiden sein, da bei ganz jungen Zellen die möglichen Plasma- verbindungen wohl nicht aufzufinden sein würden. Für unsere Frage ergibt sich der allgemeine Schluß daraus, daß jedenfalls die Pflanze die Plas- modesmen noch braucht, während sie wächst, und daß sie infolgedessen eine recht wichtige Rolle im Leben der Pflanze spielen müssen. Wenden wir uns jetzt spezieller der Beant- wortung der Frage nach dem physiologischen Wert der Plasmodesmen zu, so ist von vornherein zu betonen, daß wir uns hier auf einem sehr heiklen Gebiete befinden. Den Fehlern, die durch vom Menschen ausgehende Analogieschlüsse her- vorgerufen werden, ist die Pflanzenphysiologie in noch höherem Grade ausgesetzt, wie die Tier- physiologie. Denn die Lebensbedingungen der Pflanzen sind doch so andere, daß eigentlich kein Schluß, der von der Leistung einzelner Organe bei den höheren Tieren auf eine ebensolche bei Pflanzen gezogen wird, erlaubt sein sollte. Schon in der vergleichenden Anatomie der Tiere lassen einen die Deutungsversuche aus morphologischer Ähnlichkeit oft im Stich und über die Funktion mancher Organe selbst höherer Tiere können wir uns gar keine Vorstellung machen (z. B. bei den Lorenzini'schen Ampullen bei Haien und Rochen oder der Thymusdrüse usw.). Erst recht ist im Pflanzenreich höchste Vorsicht geboten. Was nun imsere Plasmodesmen betrifft, so sind es von Anfang an namentlich zwei Anschauungen, die über den physiologischen Wert dieser Gebilde geäußert sind: 1. Die Plasmodesmen sind der Leitung von Nährstoffen dienstbar; 2. sie stehen im Dienste der Reizleitung. Daß man a priori solche Funktionen erwarten kann, ist klar. Wir haben es ja mit einem aus- gedehnten Netz von Verbindungen zu tun, die die Protoplasten der Zellen miteinander in direkte Kommunikation setzen. Zweierlei gibt es eben nur, was von Zelle zu Zelle überführt werden muß: die Nährstoffe und die Reize; im Dienste ihrer Übertragung werden offenbar die Plasmo- desmen stehen. Außer diesen speziellen Leistungen, ') Kuhla meint dagegen (a. a. O.), es gäbe keinen An- halt für ihr ursprüngliches Entstehen. ^) Zellmembran und Hüllgallerte bei Desmidiaceen. Greifswald 1888. N. F. VII. Nr. 2 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 19 können die Plasmaverbindungen aber noch eine allgemeinere Bedeutung für das Leben der Pflanzen haben, die allerdings auch Reizleitung im allge- meineren Sinne ist : sie verwandeln eben den Zellenstaat in einen einheitlichen Organismus; was in einer Zelle geschieht, wird durch unmittel- bare Verbindung der Protoplasten allen Zellen mitgeteilt und so kann die Pflanze als Ganzes auf Einwirkungen reagieren. Man hat auch diese Theorie mehrfach aufgestellt, ihre Berechtigung wird sich uns aus der Prüfung der speziellen Theorien ergeben. Wenden wir uns zunächst der Theorie zu, welche besagt, daß der Wert der Plasmodesmen in der Leitung von Nährstoffen liegt. Kolloidale, nicht diffusionsfähige Substanzen, meint man, würden durch die Plasmaverbindungen von Zelle zu Zelle geleitet. Kienitz-Gerloff bekennt sich entschieden zu dieser Theorie.') Prüfen wir die Tatsachen, die für sie sprechen. Zunächst deutet schon ihr Vorkommen im Endosperm der Samen auf eine solche Funktion hin. Diese Zellen dienen zur Nahrungsspeicherung und die Membranen sind von vielen Plasmaver- bindungen durchsetzt. Man hat diese Tatsache auch für die Theorie ins Feld geführt.-) Die Plasmodesmen dienen hier der Einführung der Nährstoffe aus der Mutterpflanze. Doch hat sich gerade an ihr Vorkommen im Endosperm noch eine andere Theorie angeschlossen. Gardiner'') hat es zuerst ausgesprochen, daß die Plasmodes- men im Endosperm der Leitung der Enzyme dienen, die die Zellwände auflösen, damit die Nährstoffe frei werden. Ihm schließen sich an Kohl *) und Strasburger : -') „Die Lösung (der Zell- wände) ging augenscheinlich von den Plasmodes- men aus, wodurch die von ihnen durchsetzten Kommunikationen erweitert wurden". Natürlich hat diese Theorie nur für die Plasmodesmen im Endosperm Geltung und schließt eine andere Be- deutung für andere Gewebe der Pflanze nicht aus. Wir treffen hier schon auf die Vieldeutigkeit, die uns im Verlauf der Untersuchung noch öfter be- gegnen wird. Für die Theorie der Nahrungsleitung (wir wollen sie im folgenden zur Abkürzung als „N- Theorie" bezeichnen) spricht die Tatsache, daß Plasmodesmen in den Zellwänden der Kleber- schicht der Gramineen vorkommen.") Sodann werden auch in den Wandungen der eiweiß- führenden Markstrahlzellen die Kallusfäden der Siebröhren von Plasmaverbindungen durchsetzt. Diese können hier nur zur Nährstoffleitung dienen.') Auf weiteres Vorkommen der Plasmodesmen, das zur Stütze der N-Theorie verwertet werden kann, führt uns folgende Überlegung: offenbar haben solche Zellverbindungen, wenn sie der Nahrungsleitung dienen, keinen Sinn in pflanz- lichen Organismen, deren Zellen alle gleich be- fähigt sind, Nahrung aufzunehmen, also in faden- förmigen Algen usw. Hier müßten also Plasmo- desmen fehlen, wenn die N-Theorie richtig ist. Kienitz-Gerloff glaubte auch tatsächlich, daß dies der Fall sei. Kohl wies aber schon im selben Jahre nach, daß bei Spirogyra, Cladophora, Meso- carpus, Ulothrix usw. Plasmodesmen vorhanden sind. Strasburger stimmt ihm bei. Allerdings hat Wahrlich') den Feststellungen Kohls strikte widersprochen; er behauptet, daß es keine Plas- modesmen bei Fadenalgen gebe ; die sich bei der Plasmolyse bildenden Plasmafäden hat er auch gesehen, aber diese durchsetzen nach ihm nie die Membran, sondern enden in einer feinen Plas- maschicht, die die Wand bekleidet. Die Frage ist also noch nicht ganz entschieden. Zugunsten der N-Theorie hat Kienitz-Gerloff seinerzeit angeführt, daß er Stärkekörner in den Plasmaverbindungen gesehen habe. Doch sind diese sicher — wie schon A. Meyer gezeigt hat — durch die Präparierung der Zelle erst in die Kanäle hineingetrieben worden. Sehr ins Gewicht fallen dagegen die berühmten Versuche, die de Vries über die Diffusionsge- schwindigkeit verschiedener Stoffe angestellt hat. Die Langsamkeit, mit der diese auch in Flüssig- keiten ohne störende Membranen vor sich geht, ließ es auf den ersten Blick unmöglich erscheinen, daß die Nährstoffleitung auf der bloßen Diffusion beruhen soll. Die Existenz der Plasmodesmen schien die Schwierigkeit zu heben und tatsächlich wiesen H. T. Brown und F. Escombe nach, daß durch die feinen Perforationen die Diffusion er- leichtert wird.-) Man übersah dabei aber eine andere, sehr große Schwierigkeit, auf die schon Noll aufmerksam ge- macht hatte.'') Der Druck, der zum Durchtreiben von Substanz durch eine Kapillare nötig ist, ist umgekehrt proportional der 4. Potenz des Kapil- larendurchmessers, wie sich mathematisch zeigen läßt. Das würde einen Druck von einigen 100 000 Atmosphären bei der Feinheit der Plasmaverbin- dungen erfordern ! Das ist, wenn wir rein physikalische Vorgänge im Organismus der Pflanzen annehmen, enschieden gegen die N-Theorie ausschlaggebend. Aber hier erhebt sich schon die Frage: haben wir es denn in der Pflanze mit bloßen physikalischen Vorgängen zu tun ? Bei der Frage nach dem ') a. a. O. S. 54. ") .Strasburger, a. a. O. S. 534. 3) a. a. O. *) Berichte d. deutschen botan. Gesellsch. 1900. ') a. a. O. S. 536. ") Strasburger, a. a. O. S. 537. ') Strasburger, a. a. O. S. 538. ') Wahrlich, Zur Anatomie der Zelle bei den Pilzen und Fadenalgen 1892 (Russisch!). Ich halte mich an das Referat im Botanischen Centralblatt 1893, S. 368. ^) Static diffusion of gases and liquids in relation to the assimilation of carbon and translocation in plants. (Philo- sophical Transactions 1900, Series B.) ') Noll, Beitrag zur Kenntnis der physikalischen Vor- gänge, welche den Reizkrümmungen zugrunde liegen. (Arbeiten des bot. Instituts Würzburg 1888) und Naturwissenschaftliche Rundschau 1888. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. VII. Nr. 2 physiologischen Werte der Plasmodesmen sollte man nie vergessen, daß wir es mit lebenden Elementen in der Pflanze zu tun haben, nicht mit toten Bausteinen! Hier spielen gewiß noch andere Faktoren mit, als die bloß physikalischen Vor- gänge. So wäre es denn trotz der Kleinheit der Perforationen doch möglich, daß eine Nährstoff- leiti'.ng stattfindet, weil hier eben lebende Zellen wirken. Übrigens hat schon Pfefifer den Schlüssen von de Vries widersprochen;') er betont, daß die physikalischen Versuche des holländischen Ge- lehrten nicht ausschlaggebend seien, da ja die Energiepotentiale der einzelnen Zellen erhalten bleiben und so die Länge der Zellkette gleich- gültig ist. Alles deutet darauf hin, daß der Hauptwert der Plasmodesmen für den pflanzlichen Organis- mus darin besteht, daß sie in ihm eine lebendige Einheit herstellen, d. h. daß Umlagerungen und stoffliche Wandlungen, die in einer Zelle vorgehen, auf die anderen Protoplasten einwirken und so eine gemeinsame Tätigkeit auslösen. Ähnlich hat sich schon A. Meyer ausge- sprochen,-) Noll meint auch, daß die Plasinodes- men als lebende Elemente in den Nahrungstrans- port eingreifen könnten und Strasburger kommt zu dem Schluß, daß sie nur in die Xährstoff- leilung eingreifen, „so weit als die Ökonomie der Pflanze das Eingreifen der lebendigen Substanz in diese Vorgänge verlangt." '') Eine andere, nicht so bedeutende Theorie hängt mit ihr eng zusammen: man sieht in den Plasmodesmen Wege der Plasmaleitung (P- Theorie). Ihr Hauptvertreter in der Literatur ist Kienitz-Gerlofif, der sie aber nicht genügend von der N-Theorie trennt, als deren Vertreter wir ihn bereits kennen lernten. Es handelt sich hier eben offenbar um andere Vorgänge; es ist doch ein großer Unterschied, ob die Kanäle zur Wanderung lebender Substanz oder nur zum Transport von Stoffen dienen sollen, die dem lebenden Körper erst einverleibt werden sollen. So müssen wir die P-Theorie gesondert behandeln. Folgende Tatsachen führt Kienitz-Gerloff auf, um seine Anschauungen zu stützen.^) In den Ge- fäßen und Sklerenchymfasern ist im ausgebildeten Zustande kein Protoplasma vorhanden. Wo ist das geblieben: Es muß einmal dagewesen sein, denn durch die Tätigkeit der lebenden Proto- plasten sind die charakteristischen Formen dieser Bestandteile entstanden. Kienitz-Gerloff meint nun, das Plasma sei durch die Perforationen der Membranen ausgewandert. Das ist aber — soviel wie bekannt — niemals festgestellt; im Gegenteil scheint mir die herrschende Anschauung, die auch u. a. Strasburger vertritt, begründeter, daß näm- lich der Protoplast bei seiner bauenden I'ätigkeit ') Pfefl'er, Pflanzenphysiologie I, S. 97. -) a. a. O. S. 213. ') a. a. O. S. 545. *) a. a. O. S. 56 ff. zum großen Teil verbraucht wird und dann zerfällt. Weiter führt Kienitz-Gerloff an, daß beim herbstlichen Blattfall das Plasma aus allen Zellen in den Stamm zurückwandert; nur in den Spalt- öffnungs- Schließzellen bleibt es vollständig er- halten. Und das geschieht, wie er meint, des- wegen, weil diese Zellen keine Plasmodesmen im ausgebildeten Zustande besitzen, und sie dürften das auch nicht, da sonst das turgorerzeugende Material aus ihnen auswandern würde. Diese Tatsachen sowohl wie ihre Erklärung haben sich als Täuschungen erwiesen. Zunächst einmal hat sich gezeigt, daß aus sämtlichen Zellen beim Blattfall keine vollständige Auswanderung des Plasmas und Einziehung des Plasmodesmen erfolgt, „vielmehr zunächst die wertvollen Stoffe in Lösung nach den Stammteilen abgeleitet werden und hierauf die Desorganisation der absterbenden Protoplasten und deren Auslaugung erfolgt."') Nirgends findet eine Einziehung der Plasmodesmen statt, wenn die Lebenstätigkeit erlischt. Wertvolle Stoffe werden abgeleitet, dann stirbt der Proto- plast und der Rest zerfallt an seiner Stelle. Ebenso hat sich die Angabe, daß aus den Schließzellen keine Stoffe auswandern, als falsch erwiesen. Kohl-) hat festgestellt: „Bei den meisten Pflanzen verschwindet bei herbstlicher Entleerung des Blattes die Stärke auch aus den Schließzellen." Schon bei der Vorfärbung der Blätter beginnt die Auswanderung, an der auch ein Teil der Protoplasten beteiligt ist. Und end- lich hat auch Kohl gezeigt, daß die Schließzellen der Stomata ebenso wie die anderen Zellen mit Plasmodesmen ausgestattet sind ! So erweisen sich die von Kienitz-Gerloff auf- geführten Tatsachen als Irrtümer. Dagegen scheinen andere Tatsachen zunächst für die P- Theorie zu sprechen. So hat Arnoldi ■'•) nachge- wiesen, daß Kerne der Epidermiszellen in das Eiprotoplasma eindringen können. Strasburger') hat nun allerdings erwiesen, daß dies nur eine Folge der künstlichen Eingriffe bei der Präparation ist. Jedenfalls bleibt eben die Tatsache bestehen, daß ein solches Durchtreten von Plasma durch die feinen Durchbohrungen möglich ist. Außer- dem hat Miehe ') beobachtet, daß beim Abziehen bestimmter Epidermen die Kerne „in blitzschneller Reaktion" durch mehrere Zellen hindurcheilen, was natürlich nur durch die Plasmodesmen hin- durch geschehen kann. Die Möglichkeit des Durchtritts von Plasma durch die Plasmodesmen ist dadurch erwiesen, und das stützt ja in gewissem Sinne die P-Theorie. ') Strasburger, a. a, O. S. ^57. Auch das ist nicht stets der K.1II! '-) Kohl, Die Plasmaverbindungen der SpaltöflTnungsschließ- zellen. Botan. Centralblatt 1897. ■^) .arnoldi, Beiträge zur Morphologie der Gymnospermen, IV (Flora 1900, Bd. 87). *) a. a. O. S. 550. "') Miehe, Über Wanderung des pHanzlichen Zellkernes (Flora 1901, Bd. 88). N. F. VII. Nr. 2 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Ob aber in normalem Zustande der Zellen Plas- mawanderung durch die Plasmodesmen stattfindet, ist eine offene F"rage. Die Vorgänge beim Blatt- fall sind ja auch pathologischer Art, und so könnten sie ja ähnliche Wirkungen wie die künst- lichen Verletzungen hervorrufen. Wenden wir uns jetzt zu der zweiten größeren Theorie, die schon von Russow ausgesprochen ist : die Plasmodesmen dienen der Leitung von Reizen (R-Theorie). Und zwar nehmen wir hier die Theorie in ihrem speziellen Sinne, nicht in dem allgemeinen, daß ein lebendiger Zu- sammenhang durch die Plasmodesmen geschaffen wird. Achten wir zunächst auf Tatsachen, die direkt durch das Vorkommen der Plasmodesmen auf die Funktion der Reizübertragung hinweisen. Wir werden offenbar in Teilen der Pflanze zu suchen haben, die besonders reizempfindlich sind ; das ist z. B. in den Wurzelspitzen der Fall. Und tat- sächlich hat auch Hill nachgewiesen , daß in diesen Teilen besonders viel Plasmabrücken vor- kommen. Überhaupt kann man sagen : in allen Teilen, in denen Reize geleitet werden, kommen Plasmodesmen vor; aber — nicht nur in solchen Teilen, sondern auch in anderen, so daß jedenfalls die Reizleitung nicht absolut an die Plasmaver- bindungen gekettet erscheint. Oliver hat aller- dings bei Martynia und Mimulus festzustellen ge- glaubt, daß Plasmodesmen den Reiz von einem Narbenlappen zum anderen fortleiten, doch zeigt er tatsächlich nur, daß dabei das Gefäßbündel (im Gegensatz zu IVIimosa) unbeteiligt ist.M Die Tendenz des Plasmas, sich an Stellen, wo Reize perzipiert werden, der Außenfläche der Membran möglichst anzunähern, weist indirekt auf die Wichtigkeit der R-Theorie hin. In den I-'ühl- Papillen der Filamente von Opuntia vulgaris er- hebt sich z. B. das Plasma zu einem Tüpfel, über dem die Membran sehr dünn ist.'-') Ebenso in den Tüpfeln von Portulaca grandiflora, die von Plasmodesmen durchsetzt sind. Daß diese Ein- richtung für die Perzeption des Reizes von großer Wichtigkeit ist, ist klar; denn zum Ein- treten einer Reizung ist die Deformation des Protoplasmas nötig. Daß die Leitung durch Plasmodesmen geschieht, nimmt auch Haberlandt an; direkte experimentelle Beweise lassen sich aber nicht anführen. ■Auch Hans Fitting schließt aus seinen Ranken- untersuchungen, daß wa h rsc hein! ic h die Pias modesmen zur Leitung des Reizes dienen; 'i er schließt das aus der Schnelligkeit der Übertragung. Für Passiflora ist die Geschwindigkeit sicher größer ') Vgl. Strasburger, a. a. O. und Bericlitc der ilcutschen botan. Gesellsch. 1887. ^) HaberlaniU, Sinnesorgane im Pflanzenreich, 1901, S. 18 ff. ■') Kitting, Untersuchungen über den Ilaptotri)pismu> der Kanken. (Jahrbuch f. wissensch. Bot. 1903.) als I cm pro Sekunde.') Lebende Zellen müssen jedenfalls dabei mitwirken! Dienten die Plasmodesmen stets nur der Reiz- leitung, so dürften sie dort nicht zu finden sein, wo Reize sich nicht fortpflanzen. Das trifft aber nicht zu. So ist z. B. von Pfeffer festgestellt, daß nur die untere Hälfte des Gelenkpolsters von Mimosa pudica reizleitend ist; trotzdem sind auch in der oberen Hälfte Plasmodesmen gefunden. Das läßt sich nicht dadurch wegdisputieren, daß man sagt, die morphologische Sonderung habe mit der funktionellen nicht Schritt gehalten, wie Haberlandt es zur Erklärung des Vorkommens von Fühltüpfeln an nicht reizbaren Stellen (so an der Oberseite der Blumenblattlager von Portulaca) anführt. Hier müßte man die Plasmodesmen an nicht reizleitenden Stellen etwa als rudimentäre Organe auffassen. Dafür bietet aber ihre morpho- logische Beschaffenheit keinen Anhaltspunkt. So ist nicht einzusehen, warum sie an der einen Stelle funktionieren, an der anderen nicht, wenn sie nur zur Reizleitung bestimmt sind. So bietet das tatsächliche Vorkommen der Plasmodesmen an betr. Stellen der Pflanze keinen sicheren Anhaltspunkt zur Stütze der R-Theorie. Wir müssen uns nach anderen Tatsachen umsehen. Da ist zunächst als allgemeineres Argument an- zuführen, daß die Plasmodesmen Fortsätze der Hautschicht des Protoplasten sind. Die Haut- schicht ist es aber, die — nach den Arbeiten von NoU ') — als reizempfindende Schicht in aller- erster Linie in Betracht kommt. Das übrige Plasma befindet sich ja in steter Rotation oder Zirkulation, die Hautschicht allein ruht; sie allein ist demnach imstande, einen einseitigen Reiz auf- zunehmen und auf ihn in bestimmter Richtung zu reagieren. Die in der Substanz mit der Haut- schicht identischen Plasmodesmen scheinen dem- nach in besonderem Grade zur Reizleitung ge- eignet zu sein, da ja auch in ihnen nie eine Strömung beobachtet ist, wie wir schon sahen. Das könnte allerdings an der Unvollkommenheit unserer Mikroskope liegen; denn daß Substanz- strömungen sogar gleichzeitig in verschiedenen Richtungen in den feinsten Teilen der Lebewesen vorkommen können, zeigen uns die Körnchen- wanderungen auf den dünnsten Pseudopodien der Rhizopoden. Doch ist das Ruhen der Substanz in den Plasmaverbindungen wohl ziemlich sicher. Untersuchungen neuesten Datums haben neben- bei auch Tatsachen festgestellt, die zur Stütze der R-Theorie verwertet werden können. Von der Frage nach der Reizleitung von Zelle zu Zelle, die eben die Plasmodesmen \ermitteln sollen, hat sich das Interesse zu dem Problem der Reizleitung innerhalb der Zelle, im Protoplasma gewendet. Man fragt sich, ob es hier etwa besonders struk- turierte Organe gibt, die ähnlich den tierischen ') Derselbe, Weitcrc Untersuchungen /-ur Pliysiologie der Ranken. Jahrbuch 1903. ^) Neil, Beitrag zur Kenntnis etc. 1888 und Naturwissen- schnftbVhe Wochenschrift 1888. 22 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. VII. Nr. 2 Nerven die Reize auf bestimmten Bahnen beför- dern. Besonders Ncmec 'j hat sich um dieses schwierige Problem verdient gemacht. Er glaubt festgestellt zu haben, daß das Protoplasma von eigenartigen „Fibrillen" durchzogen wird, die auf ungefähr dem kürzesten Wege die Zellwände in Verbindung setzen. Bei verschiedenen Pflanzen hat er übereinstimmende Strukturen der Fibrillen gefunden, was schon ausschließt, daß wir es mit gleichgültigen Bildungen zu tun haben. Sodann hat er gezeigt, daß in den stark geotropisch reagierenden Wurzeln Fibrillen vorhanden sind, in schwach reagierenden dagegen keine; je schneller ein Reiz geleitet wird, desto stärker sind die Fibrillen ausgebildet, so in der Wurzelspitze von Allium. Zerstörte Nemec durch rasche Tem- peraturveränderung die Fibrillen, so ließ sich nach Herstellung der normalen Bedingungen keine oder nur schwache Reizleituiig feststellen. Ebenso war in gesunden Zellen von Allium keine Reizleitung zu spüren, wenn ihnen Fibrillen fehlten. Alle diese Beobachtungen werden aber bestritten. Nun ist für uns besonders wichtig, daß Nemec angibt,-) die Scheide, welche die homogene Fibrillensubstanz umgibt, zeige dieselben Eigen- schaften wie die Hautschicht 1 Da die Leitungs- funkiion der Fibrillen ziemlich sicher erwiesen ist, so ist anzunehmen, daß diese Scheiden nicht zur Isolierung dienen, sondern daß gerade in ihnen die Leitung vor sich geht, da sie ja mit der reiz- empfindlichen Hautschicht der Substanz nach identisch sind. Und das läßt einen Rückschluß auf einen gleichen Wert der Plasmodesmen für die Pflanze zu. Allerdings ist die Auffassung Nemec's nicht unwidersprochen geblieben. Haber- landt wendet ein, daß die Fibrillen in reizperzi- pierenden Tüpfeln, Fühlborsten usw. nicht vor- handen sind, so z. B. an den Fühlhaaren von Aldrovandia vesiculosa. Doch halte ich Nemec's Beweise für stärker als Haberlandt's Einwände. Allerdings bezweifelt auch Hans Fitting in seiner neuesten großen Arbeit ''J die von Nemec ange- gebene Funktion, ja auch die Existenz der Fibrillen. Vielleicht liegt die Sache hier auch ähnlich wie im Tierreich. In letzter Zeit ist von Th. W. Engelmann ') festgestellt, daß sich im Herzen die Reize in den Muskelfasern, nicht in Nerven fortpflanzen, d. h. also ohne Benutzung bestimmt differenzierter Gewebe. Ähnlich werden wohl auch bei den Pflanzen die beiden Möglich- keiten bestehen: die Reize können sich mit oder ohne Vermittlung der Fibrillen fortpflanzen, jeden- falls werden diese aber die Geschwindigkeit erhöhen. ') B. Nemec, Die Reizleitung und die reizleitendcn Struk- turen bei den Pflanzen, Jena 1901 ; und: die Bedeutung der (ibrillären Strukturen bei den Pflanzen. (Biologisches Central- blatt 1901.) -) a. a. O. S. 142. ') H. Fitting, Die Keizleitungswirkungen bei den Pflanzen. (Ergebnisse der Physiologie, herausgegeb. von Asher u. Spiro, 1906.) ■*) Pflüger's Archiv für die gesamte Physiologie 1894, 1897. Durch Untersuchungen von Nemec scheint also doch die R-Theorie gesichert zu sein. Weitere Tatsachen, auf denen sie beruht, sind noch die folgenden. Townsend ') hat gezeigt, daß eine kernlose Zelle nur dann eine Membran auszuscheiden ver- mag, wenn sie durch Plasmodesmen mit einer kernhaltigen verbunden ist. Das ist zweifellos richtig; nur ist hier die Frage, ob es sich — wie Pfeffer meint — um Reizübertragung handelt, oder — wie Strasburger annimmt -) — um Übertragung von Nukleolarsubstanz. Mir scheint folgender Versuch ausschlaggebend zu sein : man kennt aus Beobachtungen die Zeit, die bis zum Eintritt der Membranbildung verläuft. Durchschneidet man nun die Verbindungen, kurz bevor die Bildung beginnen mußte, so tritt sie nicht ein. Immerhin ist auch dies natürlich kein sicherer Beweis, denn die Verletzung könnte auch bei Übertragung von Nukleolarsubstanz hemmend auf die Membran- bildung wirken. Die plasmolytischen Versuche Strasburger's •') scheinen im ganzen doch auch für die R-Theorie zu sprechen. Er hat zunächst festgestellt, daß die Plasmodesmen bei Plasmolyse fast stets ein- gezogen und nach aufgehobener Plasmolyse nicht regeneriert werden. Er unterwarf Wurzeln der vorsichtigen Plasmolyse, dann hob er diese auf, bis die Protoplasten ihre Gestalt wieder ange- nommen hatten ; es war jetzt aber keine geotro- pische Krümmung zu bemerken, offenbar weil die Plasmaverbindungen nicht regeneriert waren. Ganz eindeutig sind aber auch diese Versuche nicht, wie alle, die mit gewaltsamem Eingriff in den Bestand der Pflanze arbeiten; hier werden stets künstliche Verhältnisse geschaffen, die denen im Leben nicht zu entsprechen brauchen. So wird bei der Plasmolyse — wie Reinhardt nach- gewiesen hat *) — außer den Plasmodesmen auch die Zellmembran verletzt. Demnach wäre es logisch denkbar, daß diese Läsionen die Reiz- leitung hindern. Wahrscheinlich ist es aber nach allen anderen Momenten nicht. Weiter kommen hier noch die histologischen Untersuchungen an Pfropfungsstellen in Betracht. Vöchting'') hat korrespondierende Tüpfelbildung bei der Pfropfung gefunden. Strasburger bestätigt dies und hat in den Tüpfeln Plasmodesmen auf- gewiesen. Um diese Tatsachen für die R-Theorie auszunuzten, müssen wir die Arbeiten Noll's über Morphästhesie heranziehen. '') Noll geht von der Beobachtung aus, daß nach Entfernung des Gipfel- triebes ein Seitenzweig der Pflanze zum Haupt- stamm sich auswächst. Dies beruht auf einer ') Townsend, Der Einfluß des Zellkernes auf die Bildung der Zellhaut. Jahrbuch für wissenscb. Botanik 1897. ■^) a. a. O. S. 417. ») a. a. O. S. 566 ff. ^) Reinhardt, Plasmolytische Studien zur Kenntnis des Wachstums der Zellraembranen. Festschrift für .Schwendener 1899. •') Vöchting, Über Transpianation am Pflanzenkörper 1892. ") Vgl. auch Strasburger, a. a. O. S. 586 f. N. F. VII. Nr. 2 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 23 Reizübertragung: die Pflanze ist morphästhesisch, sie hat eine gewisse Empfindung ihres Habitus nach Noll. Um diesen morphästhesischen Reiz zu übertragen, sind Plasmodesmen nötig und diese sind zwischen den beiden gepfropften Individuen festgestellt. Natürlich sind diese erst nachträglich gebildet , was die Anschauung stützt , daß dies stets geschieht. • Jedenfalls aberspielen bei derPfropfungnoch ganz andere Verhältnisse mit; doch kommt auch Stras- burger ') zu dem Schluß, daß für den Erfolg der Veredlung die Möglichkeit maßgebend ist, daß Plasmodesmen einander entgegengestreckt werden. Die Veredlung gelingt bekanntlich — mit wenigen Ausnahmen — nur bei nahe verwandten P'ormen, und das eben deswegen, weil nur bei solchen die Verbindung durch Plasmodesmen möglich ist. Gegen die R-Theorie sprechen vor allem die oben schon angegebenen Tatsachen, daß Plasmo- desmen an reizfähigen Stellen nicht vorhanden sind, dagegen sich öfter dort finden, wo keine Reizleitung stattfindet. Pfeffers Versuch , - 1 der zeigte, daß Reize in der Pflanze durch Ver- änderung der Massenbewegung geleitet werden, wenn die Pflanze chloroformiert ist, spricht noch mehr gegen die R-Theorie. Für Mimosa pudica ist festgestellt, daß die Reizleitung durch Vermittlung des Wasserstromes in dem Gefäß- bündel stattfindet. Dagegen wirken bei Drosera höchst wahrscheinlich die Plasmodesmen mit. Hans Fitting'M faßt seine Ansicht über die Funk- tion der Plasmodesmen mit den Worten zu- sammen : „Durch die Plasmodesmen ... ist bei den Pflanzen Gelegenheit zur Leitung von Reizen auf lebenden Bahnen gegeben. Es kann auch keine Frage sein, daß viele Reize im Pflanzen- körper mit ihrer Vermittlung geleitet werden." Überblicken wir alle angeführten Tatsachen, so kommen wir zu einem ähnlichen -Schluß wie bei der N-Theorie: ein zwingender Beweis für die ') a. a. O. S. 603. -) Pfeffer, Zur Kenntnis der Kontaktreize. Untersuchungen aus dem botan. Institut Tübingen, 1885, 4. Helt. ■■') a. a. O. S. 166. Richtigkeit ist nicht erbracht und die Schwierig- keit der Untersuchungen läßt es unwahrscheinlich ersclieinen, daß er bald geliefert werden kann. Sicher läßt sich nur sagen: Die Reizleitung ge- schieht in der Pflanze auf verschiedenen Wegen, von denen einer sicher die Plasmodesmen sind. Doch müssen diese offenbar nicht ausschließlich dazu bestimmt sein, denn nicht immer treten sie im Dienste der Reizleitung auf Wir sehen also, der physiologische Wert der Plasmodesmen wird durch die vorhandenen speziellen Theorien der Nährstoffleitung, Plasma- leitung und Reizleitung nicht voll angegeben. Die Plasmodesmen können offenbar nach den bisherigen Feststellungen für alle diese Funktionen dienstbar sein, am wenigsten wohl — wegen ihres mini- malen Durchmessers — zur Nahrungsleitung. Aus allem aber ergibt sich uns der Wert der oben schon angedeuteten allgemeinen Theorie: die Plasmodesmen schaffen im pflanzlichen Or- ganismus eine lebendige Einheit, indem sie regulierend und leitend in alle Vorgänge ein- greifen, falls dies eben zur Ökonomie des Lebens notwendig ist. Mehr oder weniger teilen diese Anschauung ja auch A. Meyer, Kohl, Pfeffer, Noll und Strasburger, nur legen sie den bloß mecha- nischen Funktionen der Plasmaverbindungen zu großen Wert bei. Der hauptsächlichste physiologische Wert der Plasmodesmen liegt also nach dem Stand unserer bisherigen Kenntnisse darin, daß sie durch die von ihnen hergestellte Kontinuität der lebendigen Substanz ein allgemeines Zusammenwirken aller Zellen ermöglichen, die zum Zwecke der Arbeits- teilung durch die Membranen voneinander ge- trennt sind. Sie stehen damit im direkten Dienste des Lebens. Die tatsächlich beobachteten Er- scheinungen werden von den speziellen Theorien nicht ohne Rest begriffen ; doch ist es sicher, daß die in diesen Theorien über den Wert der Plas- modesmen ausgesprochenen Anschauungen auch ihre Berechtigung haben und daß die Funktionen der Leitung von Nährstoffen und Reizen in her- vorragender Weise von den Plasmodesmen ausge- führt werden. [Nachdruck verboten,] Neuere Luftpumpen. Sammelreferat von Prof. Dr. F. Koerber. Die Konstruktion der Luftpumpen hat in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte gemacht, was wohl einerseits eine Folge der in immer ausgedehnterem Maße sich entwickelnden Glüh- lampenindustrie ist, andererseits auch durch die Röntgentechnik bedingt sein mag, die das Be- dürfnis schnell wirkender und einen hohen Grad der Verdünnung erzielender Pumpen hervorrief. Die Kolbenluftpumpen haben vor allem durch das Prinzip der Olventile, wie sie zuerst bei der sog. Geryk Luftpumpe von Fleuß angewendet wurden, eine wesentliche Vervollkommnung er- fahren. Die durch den Kolben aus dem Pumpen- stiefel zu entfernende Luft wird hier durch eine Olschicht herausgepreßt und, da sich das Ol nach dem Durchtritt der Luftblasen von selbst wieder zusammenschließt, besitzen diese Luftpumpen keinen sog. ,, schädlichen Raum", d. h. keine Hahn- bohrungen, die mit Luft gefüllt bleiben und daher dem Fortschreiten der Evakuierung schließlich eine Grenze setzen. Die Ölpumpen kamen zuerst nur durch die 24 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. VII. Nr. 2 Firma A. Pfeiffer in Wetzlar in den Handel, sind aber neuerdings in ganz ähnlicher Form auch von der Firma Max Kohl in Chemnitz kon- struiert worden. Der letzteren Firma, deren ! F'abrikate sich auf Grund ihrer exakten Ausführung eines wohlverdienten Rufes erfreuen, verdanken wir die Abbildungen (Fig. i und 2), aus denen die Wirkungsweise dieser durch besondere Patente geschützten Pumpen deutlich erhellt. Der Kolben B befindet sich in Fig. i in seiner höchsten Stellung, so daß die von ihm herauf- gedrückte Luft infolge Zusammenpressung die Kugelventile E zu heben vermochte und in Form von Luftbläschen durch das bis D reichende Ol entwichen ist. Wenn nun beim Herabgehen des Kolbens der am oberen Ende der Kolbenstange befindliche Stift 1 auf den Anschlag J aufstößt, so hebt die im Zentrum der hohlen, mit Ol gefüllten Kolbenstange befindliche Stange H unter Zu- sammendrückung der über I liegenden Feder das Ki g. I. Uurchscluiiu einer Luttpumpe mit I ililiohtung. Fig. 2. Zweistief lige l.uftpumjiie mit ( lldicbtung. Ventil F, so daß eine durch Verstellung von J re- gulierbare Menge Öl über den Kolben B tritt und eine vorzügliche Dichtung bewirkt. Ist der Kolben, in dem noch ein bei der Abwärtsbewegung sich öffnendes Ventil N zur Druckausgleichung vor- handen, in seine tiefste Stellung bei A gelangt, so breitet sich die Luft des Rezipienten, der bei W angeschlossen wird, in den Pumpenstiefel aus und die übergetretene Luft wird beim nächsten Kolben- hub wieder durch die Ventile E entfernt. Die Glaskugel X dient noch dazu, von der im unteren Teile der Röhre Y durch seitliche Öffnungen aus- tretenden Luft mitgerissene Oltröpfchen abzufangen und in die Pumpe zurücklaufen zu lassen. Bei V befindet sich das (Meinfüllungsrohr. Die vorzügliche Wirkung dieser Pumpen ist hauptsächlich dadurch bedingt, daß beim Herauf- kommen des Kolbens stets auch noch eine ge- wisse Menge des über dem Kolben stehenden ( )les durch E ausgestoßen wird, so daß auch etwa an den Wänden haftende Luftbläsclien mit aus- N. F. VII. Nr. 2 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 2S treten. Dieses ()1 kommt aber nicht sofort wie- der zur Verwendung, sondern tritt beim Tiefstande des Kolbens durch Öffnungen (bei M) in die hohle Kolbenstange und gelangt von hier erst nach mehreren Kolbenzügen wieder durch F in den Pumpenstiefel, so daß es sich inzwischen von allen Luftbläschen abklären kann. Fig. 2 stellt eine zweistieflige Pumpe mit Schwungradbetrieb dar, die besonders bequem zu handhaben ist. Man ersieht aus der Abbildung, daß die Pumpenstiefel hintereinander geschaltet sind, wodurch es möglich wird bis auf 0,0014 mm Quecksilbersäule zu evakuieren. Diese Pumpe kostet 400 Mk., doch genügen für Schulzwecke schon die einfachsten, mit Hebelantrieb versehenen, einstiefligen Pumpen, deren Kosten sich nur auf 100 bis 160 Mk. belaufen und die ein Vakuum von 0,05 bis 0,025 nirn zu erreichen gestatten. So vorzüglich nun auch die Wirkung der neueren Ölluftpumpen ist, so ist ihrer Benutzung doch durch die Dampfspannung des Öles eine Grenze gesetzt. Da nun die Dampfspannung des Quecksilbers eine erheblich niedrigere ist als die des Öls, so treten als Hochvakuumpumpen die Quecksilberluftpumpen in ihr Recht, wie solche zuerst von Geißler konstruiert wurden. Bei diesen Geißler'schen Pumpen wird durch ab- wechselndes Senken und Heben eines offenen Ge- fäßes ein Torricelli'sches Vakuum erzeugt, dieses mit dem Rezipienten in Verbindung gesetzt und die eingedrungene Luft beim jedesmaligen Heben nach außen gedrängt. Diese Pumpen sind später von Töpler insofern noch wesentlich vervoll- kommnet worden, als alle Hähne und Ventile durch seine Konstruktion vermieden wurden, so daß das Arbeiten mit der Pumpe sehr vereinfacht wurde. Eine ganz neue Verbesserung der Queck- silberluftpumpe Geißler-Töpler'schen Systems führte Grimsehl auf der Dresdener Natur.forscherver- sammlung vor (Phys. Ztschr. VIII, S. 762). Durch Benutzung einer Vorpumpe, (z. B. einer einfachen Kolbenluftpumpe oder einer Wasserstrahlpumpe), die zunächst ein Vakuum von etwa 10 mm Quecksilbersäule herstellt, konnte die Hubhöhe des Quecksilbergefäßes von go cm auf 30 cm herabgesetzt werden. Dadurch wird die ganze Pumpe in ihrer Dimension sehr handlich und die Bewegung des Niveaugefäßes kann bequem unter Anwendung eines Schnurzuges mit der Hand aus- geführt werden. Diese Quecksilberluftpumpen nach Geißler's Prinzip ebenso wie die in anderer Bauart ausge- führten Sprengel'schen Pumpen, bei denen das Quecksilber durch ein F"allrohr von oben hinab- fällt und die Luft mitreißt, gestatten nun zwar eine sehr weit gehende Evakuierung (bis auf 0,00001 mm), aber es sind doch recht leicht ver- letzbare, kunstvoll vom Glasbläser herzustellende Apparate und das Arbeiten mit ihnen ist sehr zeitraubend. Das Bestreben, auch bei Queck- silberluftpumpen den kontinuierlichen Rotations- betrieb einzuführen, lag daher nahe und führte in neuester Zeit W. Kaufmann und W. Gaede auf zwei verschiedenen Wegen zum Ziele. Kauf- manns Pumpe, die von W. Kohl in Chemnitz fabriziert wird, besteht aus einem System von Glasröhren und ist besonders durch Spiralrohre gekennzeichnet, in denen bei der Drehung Queck- silber wie ein Kolben die Luft vor sich hertreibt. Weit handlicher und in viel geringerem Maße etwaigen Beschädigungen ausgesetzt ist die Gaede- sche Hochvakuumpumpe, die von der Firma Leybold's Nachf. in ,KöIn hergestellt wird und zurzeit wohl allgemein als die am schnellsten arbeitende und betriebssicherste Quecksilber- pumpe gilt. Kig. 3. Durchschnitt der Gaede'schen Luftpumpe. Das Prinzip der Gaede'schen Pumpe ist, wie die Durchschnittszeichnung Fig. 3 erkennen läßt, dem einer Gasuhr vergleichbar. Während aber bei der Gasuhr ein Gasstrom die Trommel in Drehung versetzt und dadurch die Zählung des Gasverbrauches ermöglicht, erzeugt hier die von außen in Drehung versetzte Trommel den Gas- strom, der den Rezipienten entleert. Die drei Kammern , in welche die aus starkem Porzellan hergestellte Trommel geteilt ist, füllen sich bei der Drehung durch die[Öffnungen L abwechselnd mit Luft, die aus dem Rezipienten kommt, und drücken diese Luft, wenn die Trommel dem Uhr- zeiger entgegengesetzt gedreht wird, beim Unter- tauchen unter das ^Quecksilber Q an der Peri- pherie nach außen. Auch bei der Gaede'schen Pumpe wird eine Vorpumpe benutzt, die zunächst den Rezipienten bis auf 1 5 bis 20 mm evakuiert. Die dann bei der Drehung von der Trommel in den Zwischenraum zwischen ihr und dem Gehäuse, das Vorvakuuni, gedrängte Luft wird weiter be- ständig durch die Vorpumpe entfernt. Zur Erniedrigung der Spannkraft der Queck- silberdämpfe bis auf 0,0002 mm kann die ganze Pumpe in Eis eingebettet werden. Da die Gaede- 26 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. VII. Nr. 2 sehe Pumpe aber sehr schnell arbeitet, kann man diesen Druck auch noch erheblich unterschreiten. Es ist unter günstigsten Bedingungen mit dieser Pumpe bereits nach ; Minuten ein Vakuum von 0,027 n^f" und nach 15 Minuten ein solches von ca. 0,000003 mm, d. h. das höchste bisher über- haupt jemals erzielte Vakuum, erreicht werden. -"'iiiiiit.,, ,.,11115^ Fig. 4. Gaede'sche Luftpumpe mit angeschlossener Röntgenröhre. Garantiert wird ein Vakuum von 0,00004 mm. Eine Röntgenröhre kann mit Hilfe dieser Pumpe in 2 ' ._, Minuten vom Atmosphärendruck bis auf das Röntgenvakuum entleert werden. Die neuesten Pumpen dieses Systems haben an der Peripherie der Trommel noch Sicherheitsventile mit Gummi- dichtung, durch welche das früher mitunter beim plötzlichenLufteinlassenvorgekommeneZerspringen der Porzellanwandung infolge des Anpralls des von beiden Seiten in den Kanälen emporsteigen- den Quecksilbers vollständig verhindert wird. Der Preis der Gaede'schen Pumpe beträgt ohne Quecksilber, jedoch mit der oben nicht erwähnten, dazu gehörigen Glasappara- lur (Barometerprobe, Trok- kengefäß und Schliffstück, vgl- Fig- 4} 330 Mk. Der Quecksilberbedarf beträgt I ^2 1 > so daß dadurch der Preis ungefähr noch um 160 Mk. steigt. Der Antrieb kann selbstverständlich eben- so gut wie mit der Hand durch einen Elektromotor erfolgen. Bei den oben gemachten Angaben über den von den heutigen Luftpumpen erziel- ten Verdünnungsgrad wird mancher Leser unwillkürlich gefragt haben, wie man denn so niedrige Drucke, die sich nur auf Hunderttausendstel eines Millimeters Queck- silbersäule belaufen, zu mes- sen imstande ist? Natürlich ist dies mit der an jeder besseren Luftpumpe ange- brachten Barometerprobe, d. h. einem einfachen, ver- kürzten Barometer, schlech- terdings unmöglich. Zur Messung hoher Vacua dienen vielmehr besondere Hilfs- apparate , unter denen das Vakuummeter nach Mac Leod an erster Stelle benutzt wird. Das Prinzip dieses interessanten Apparats wird durcli die Fig. 5 er- läutert, die wir der Freund- lichkeit der auch solche Vakuummeter fabrizierenden F"irma M. Kohl in Chemnitz verdanken. Das ganze In- strument ähnelt äußerlich einer Geißler'schen Luft- pumpe , da auch hier ein offenes Niveaugefäß R, das durch einen Schlauch mit den festen Teilen des Appa- rates verbunden ist, aus seiner tiefsten Stellung (links) so weit gehoben werden kann, daß das Quecksilber die durch f mit dem Rezipienten in Kommunikation stehenden Röhren ef cd und ab teilweise erfüllt. Man sieht sofort, daß der in V und a b enthaltene Luftrest von den übrigen Teilen abgesperrt wird, sobald das N. F. VII. Nr. 2 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 27 Quecksilber über den Punkt h emporsteigt. Hebt man nun das Gefäß R solange, bis sich die ganze Kugel V und ein Teil der Röhre a b mit Quecksilber gefüllt hat, so ist klar, daß dann der Druck der nunmehr stark zusammengepreßten Luftmenge, die sich noch in dem zugeschmolzenen Volumenrohr a b befindet, ganz erheblich gestiegen sein und damit in der gewöhnlichen Weise meß- bar geworden sein wird. Die Eichung des In- sammendrückung auf nach dem Boyle- '^ 50 000 Mariotte'schen Gesetz auf das 50 000-fache. Für sehr hohe Vakua kann man auch bis auf 0,005 ccm zusammendrücken und daher Hunderttausendstel Millimeter ablesen, für geringe Vakua dagegen genügt die Zusammendrückung bis auf 0,1 ccm, bei der die Millimeter im Druckmeßrohr den 5000 stel mm des Vakuums entsprechen. Fig. 5. Vakuummetcr nach M;ic Leoil. strumentes richtet sich natürlich nach den Dimen- sionen von V und der Röhre a b. Bei dem von der Firma Kohl gebauten Vakuummeter liest man an der Millimeterteilung des Druckmeßrohres c d den ursprünglich bei V vorhanden gewesenen Druck direkt in 50000-stel mm ab, wenn das Quecksilber im Volumenrohr ab bei 0,01 ccm steht. Der Inhalt von V und a b beträgt nämlich 500 ccm, daher steigt der Druck bei der Zu- Besitzt man kein Vakuummeter (dessen Preis mit Quecksilber immerhin 130 Mk. beträgt), so kann man den erreichten Verdünnungsgrad nach der Veränderung der elektrischen Entladungs- erscheinungen beurteilen. Es zeigt sich nämlich: bei 40 mm Druck der leuchtende Faden nach de la Rive. „ 10 mm „ Auflösung des F'adens in Bänder. 28 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. VII. Nr. 2 bei 6 mm Druck homogenes Licht der Geißler- röhre. „ 3 mm „ geschichtetes Licht. ,, 0,14 mm „ Kathodenstrahlen. „ 0,13 mm „ Crookes grünes Fluoreszenz- licht und Röntgenstrahlen. anfangs „weichen" Röntgenstrahlen mit geringer Durchdringungskraft „hart", d. h. stark durch- dringend. Dabei wächst der Widerstand des Vakuums beständig, so daß schließlich zwischen parallel geschalteten, in Luft befindlichen Ent- ladungsspitzen Funken überspringen. Das absolute Vakuum muß demnach als ein vollkommener Bei weiterer Druckerniedrigung werden die Nichtleiter angesehen werden. Kleinere Mitteilungen. Über Grenzgebiete des Lebens. — Die neuere Zellenforschung, die chemische Physiologie und die organische Chemie haben uns manchen Einblick in das Getriebe desjenigen Stoffwechsels gewährt, der in engster Beziehung zum Leben selbst steht, so daß wir von dieser Seite wenigstens dem Problem des Lebens um etwas näher gerückt sind, wenn wir auch von der wirklichen Lösung des Rätsels noch lange nicht sprechen dürfen. Besonders ist es die hochentwickelte Enzymen ■ lehre, der wir manchen Aufschluß über Stoft- wechselvorgänge der lebenden Zelle verdanken. Nicht nur die verschiedenen Spaltungen, die der Verdauung dienen, auch die aufs allerengste mit der Bioenergetik der Zelle verbundenen Vorgänge der Atmung und Gärung werden durch Enzyme bewirkt. Unter Enzymen nämlich verstehen wir solche Erzeugnisse der lebenden Zelle, die in deren Dienste, aber auch getrennt von dieser, bestimmte chemische Reaktionen; Spaltungen, Oxydationen, Reduktionen, Gärungen (diese letz- teren sind gleichzeitig an einer Stelle Oxydation, an der anderen Reduktion) auslösen. Oft wird es eine rein technische FVage sein, ob es gelingt, ein Enzym ohne Verlust seiner .Aktivität von der Zelle zu trennen; darum ist auch der Versuch, eine künstliche Grenze zu ziehen zwischen enzy- matischen und an das lebende Zellplasma gebun- denen biochemischen Vorgängen, als endgültig gescheitert zu betrachten. Ihre Wirkung fällt zu- sammen mit der eines K ataly sato rs , nach der bekannten Definition von Ostvvald. Wohl das interessanteste an dem ganzen Wissensgebiet ist, daß die Enzymtätigkeit reversibel ist, daß ins- besondere die spaltenden Enzyme, die ,,Schizasen", mutatis mutandis aufbauend wirken können. In ihrer eigentlichen chemischen Natur sind die Enzyme noch rätselhaft; sie sind jedenfalls Derivate des Zellplasmas, und stehen dessen Ei- weißkörpern in ihrem Verhalten nicht allzufern. So werden manche Enzyme zerstört von solchen anderen („tryptischen") Enzymen , welchen die Aufgabe der Eiweißverdauung zufällt. Durch Hitze sowohl wie durch Gifte (z. B. Salze der Schwermetalle) werden sie ebenso ,, getötet" oder, wenn das besser lautet, dauernd inaktiv gemaclit wie das lebende Plasma; die immerhin hier be- stehenden Unterschiede sind relativ, nicht grund- sätzlicher Art. Wohl zu beachten ist, daß, ähn- lich dem lebenden Zellinhalt, gerade die Atmungs- und Gärungsenzyme die relativ empfindlicheren sind. Die Wirkung der starken Gifte auf lebende Zellen gibt uns weiter zu denken über das Wesen des Lebens überhaupt. Hier treffen zwei Welt- anschauungen aufeinander. Ob wir das Leben als einen verwickelten Komplex rein natürlicher chemischer und phj-sikalischer Vorgänge, oder als den Gang eines kunstvollen Uhrwerks ansehen, das ist hier die Frage, die sich ein jeder nach der Art, wie reales Denken und poetisches Empfinden in ihm gemischt sind, beantworten wird Die Erfahrung lehrt uns, daß alle die Stoffe, welche chemisch auf Eiweißkörper wirken, äußerst rasch wirkende Gifte für jede lebende Zelle sind. Die Vergiftung ist ein chemischer Prozeß, der dem Gesetz der Massen Wirkung unterliegt: eine gegebene Menge Substanz tötet nur eine genau bestimmte Menge lebender Zellen, darüber hinaus ist sie wirkungslos. Daraus aber, daß der Tod nachweislich eine physikalisch-chemische Zustands- änderung des Protoplasten ist, folgt, daß die Grundlage des Lebens nur chemischer, nicht maschineller Art sein kann. Wenn ein Organis- mus auch infolge mechanischer Zerstörung sein Leben einbüßt, so liegt das nicht direkt an der Vernichtung einer ,, Maschinenstruktur", erklärt sich vielmehr ungezwungen daraus, daß nun Zer- setzungen chemischer Art eintreten, die durch die normale Struktur der Zelle verhindert worden wären. Trotz dieser Erkenntnis fällt es nun doch schwer, genau zu sagen, was eigentlich ,, Leben'" ist; gerade mit fortschreitendem Wissen ist es immer schwieriger geworden, den Begriff scharf zu umgrenzen. Assimilation und Vermeh- rung sind ohne Zweifel wesentliche Merkmale der lebenden Tier- und Pflanzenarten, aber nicht auch des Lebens selbst. Die ,, .Arbeiter" bei Bienen und Ameisen sind nicht vermehrungsfähig, darum aber doch lebend. In jedem höheren Organismus finden sich Zellen oder Gewebe, die nicht selbst assimilieren, die aber doch ohne allen Zweifel als lebend anzusehen sind. Ein sehr interessantes Ubergangsglied sind die Chlorophyll- körner der grünen Pflanzenteile : sie entstehen durch wiederholte Zweiteilungen, wie viele niedere Organismen, sie sind assimilatorisch sehr lebhaft tätig, aber so recht eigentlich, i. e. S. lebend, wie selbst die [irimitivste einzellige Alge, sind sie doch N. F. VII. Nr. 2 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 29 nicht. JVlan konnte wohl geneigt sein, wenigstens den Aufbau der höheren Kiweißkörper als die besondere Eigenschaft der lebenden Protoplasten anzusehen; seit Emil Fisch er 's schönen Ent- deckungen über Eiweißsynthese ist auch diese Schranke nicht mehr zu halten. Wenn wir heut angeben sollten, welcher physiologisch -chemische Vorgang denn eigentlich nicht als „rein che- mischer Vorgang" anzusehen sei — wir kämen in arge Verlegenheit, beweisen könnten wir es wenigstens von keinem. Ob wir, d. h. die Menschen von 1907, es in vitro nachmachen können oder nicht, ist und bleibt ein recht äußer- liches Merkmal; jede neue Entdeckung in dieser Richtung ist nichtsdestoweniger mit lebhaftester Freude zu begrüßen (nb. wenn sie richtig ist). So sehen wir denn, daß die chemische Seite der Physiologie schon viel von ihrem Geheimnis- vollen eingebüßt hat, wenn auch noch manche schwierige P'rage offen bleibt. Wie sieht es von der physikalischen Seite des Lebens aus ? Hier hätten wir von vornherein zwei Punkte zu unter- scheiden : die Gestaltbildung und die Reiz- barkeit. Sind beide ausschließliche Eigen- schaften der lebenden Substanz? Keineswegs. Gestaltbildung, die direkt abhängig ist von der chemischen Beschaffenheit des fraglichen Stoffes einerseits, von der Eigenart äußerer Bedingungen andererseits, kennen wir aus dem Reich der Kristalle, aber auch von unbelebten kolloidalen Körpern, wie Stärkekörnern u. a. Ganz besonders interessant sind hier die (wohl jedem naturwissen- schaftlich Gebildeten bekannten) flüssigen Kristalle, die so merkwürdige Anklänge an primitive Organismen aufweisen. Ähnlich steht es um die Eigenschaft der Reizbarkeit ; die Licht- empfindlichkeit des C'hlorsilbers, die induzierten Bewegungen einer Magnetnadel, und vieles andere sind den Reizerscheinungen lebender Protoplasten recht wohl vergleichbar. Alles in allem ist die Brücke vom Leblosen zum Lebenden noch bei weitem nicht vollendet, aber man sieht doch die Anfänge. Es blieben die psychischen Vorgänge, die ich jedoch hier von der Betrachtung ausschließen will. Nur kurz möchte ich bemerken, daß eine Psyche, die nicht Eigenschaft eines lebenden Körpers ist, wissenschaftlich noch zu entdecken wäre. Durch die neuere Forschung ist nun die Frage nach der Urzeu g u n g in ein neues Licht gerückt. Nicht, als ob wir nun in kürzester Zeit die end- gültige Lösung des Problems zu erwarten hätten. Aber die Beispiele, daß einerseits unter Einwirkung rein natürlicher Faktoren organische Substanzen entstehen, und daß solche sich zu höheren Kom- plexen ganz von selbst verdichten können, ohne daß eine ordnende Hand die Lage der Atome bestimmt — daß andererseits chemische Verbin- dungen, oder auch Mischungen solcher, unter ge- wissen, durchaus nicht besonders künstlichen Be- dingungen ganz von selbst Gestalten und Strukturen annehmen, die täuschend an manche Organismen erinnern — diese Beispiele haben sich mit der Zeit so gehäuft, daß wir über ein genügendes Material verfügen, um, mit der nötigen Bescheiden- heit, die Urzeugung als sehr wohl zulässige Hypothese (nicht mehr als das!) hinstellen zu dürfen. Diejenigen aber, die die Urzeugung be- kämpfen, weil sie „der Erfahrung widerspricht" (nb. ; wie lange ist es her, daß das lenkbare Luft- schiff in striktestem Widerspruch zur Erfahrung stand fl), die dürfen wir getrost fragen, ob sie für die Voraussetzung, unter welcher sie sich die Organismen entstanden denken, auch so viele Er- fahrungstatsachen anführen können. Hugo Fischer, Berlin. Der Verlauf des Blütenlebens bei Aesculus hippocastanum. L. — Hier besteht ein Unter- schied zwischen den männlichen und den Zwitter- blüten, über den ich in der Literatur nichts ge- funden habe. Die männlichen Blüten haben eine etwas ge- ringere Lebensdauer als die Zwitterblüten. Sie beträgt bei jenen ca. 8, bei diesen ca. 9 Tage. Auch die Bewegungen der Staubblätter sind bei beiden zeitlich verschieden. Da nämlich die männlichen Blüten keinen Griffel als Anfiugsstelle für die besuchenden Insekten haben, so strecken sie schon kurz nach dem Aufgehen die 3 unteren Staubblätter wagrecht nebeneinander aus der Blüte heraus und stellen sie in den Dienst der Insekten, während dieses bei den mit einem Griffel ver- sehenen Zwitterblüten erst später geschieht. Hier heben sich aber nicht die 3 unteren Staubblätter zugleich, sondern das untere Paar kommt zuerst und dann folgt das einzeln stehende unterste Staubblatt. Die beiden zuerst sich hebenden Staubblätter sehen aber nicht gerade aus der Blüte heraus, sondern spreizen nach außen, so daß sie den Griffel mit der Narbe nicht verdecken. Nachdem die Antheren dieser unteren Staubblätter verstäubt haben, folgen die noch übrigen oberen Staubblätter. Nach dem Verstäuben neigen sich bei beiden Blüten die 3 unteren Staubblätter abwärts, während die 4 oberen wagrecht bleiben. Sie stehen auch bei den männlichen Blüten parallel nebeneinander, während sie bei den Zwitterblüten spreizen wie die unteren. Sie sind auch viel kürzer als die der männlichen Blüten und als der Griffel, während die 3 unteren diesen überragten, als sie noch neben ihm standen. \ler Tage nach dem Verstäuben der letzten Antheren fallen die beiden oberen Kronblätter ab, denen am anderen Tage die übrigen folgen. Der Kelch bleibt bei den befruchteten Zwitter- blüten noch eine Zeitlang stehen , schlägt aber seine Zipfel dabei zurück. In der Literatur finden sich nur Angaben über die Verfärbung des gelben Flecks auf den beiden oberen Kronblättern in rot, aber ich finde, daß 3«-' Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. VII. Nr. 2 die Farbe der ganzen Krone sich mitändert. Sie ist nämlich beim Aufblühen g-elblich-grau-weiß und wird später rein weiß. Da nun immer zwei Blüten von verschiedenem Alter nebeneinander stehen, so kommt eine ganz deutliche Kontrast- wirkung zu.stande. Prof. Dr. Heineck-Alzey. Wilh. Volz, Das geologische Alter der Pithecanthropus-Schichten bei Trinil, Ost-Java (Neues Jahrb. f. Min., Geol. u. Pal. Festband 1907, S. 256 — 271 mit 5 Fig.). — Gelegentlich meiner letzten Forschungsreise nach Sumatra konnte ich die berühmte P'undstelle des Pithecanthropus erectus Dub. näher untersuchen und zu sicheren Resultaten bezüglich des geologischen Alters der Schichten, welche die interessanten Res^e geliefert haben, gelangen. Die Frage nach Abstammung und Entwicklung des Menschengeschlechtes hat ein stets akutes Interesse; so auch die Altersfrage. Hat es doch für die Betrachtung des Fossils einen erheblichen Einfluß, ob es tertiär oder diluvial ist. Die F^undverhältnisse liegen bekanntlich so : in den unteren Partien eines Komplexes sand- steinähnlicher, andesitischer Tuffe, welche die Niederung zwischen dem Vulkan Lawu-Kukusan (3265 m) und der tertiären Hügelkette des Ken- deng (ca. 150 m) erfüllen, wurden im Bett des Soloflusses zusammen mit tausenden von Säuge^ tier- und Reptilknochen die in Frage stehenden Reste (ein Schädeldach, ein Oberschenkel und 2 Zähne) gefunden. Der Entdecker E. Dubois zog die Schichten zu dem diskordant unterlagernden Tertiär und bestimmte sie, da das Liegende alt- pliocän ist, als jungpliocän. Für die Entscheidung der Altersfrage sind zwei Fragen zu stellen: 1. wo stammen die Tuffe her? Vom Jung- vulkan Lawu-Kukusan I Ein anderer Vulkan, der in Betracht kommen könnte, ist nicht vorhanden ; umgekehrt, wenn wir nach den Auswurfsprodukten des Lawu-Kukusan suchen . . . welche vorhanden sein müssen . . . kommen nur diese Tuffe in Betracht: andere Tuffe gibt es in der Gegend nicht. Also 2. wie alt ist der Lawu-Kukusan? Die Tuffe selbst, die nach ihrer petro- graphischen Ausbildung wie nach ihrer Lagerung auf kurze Abstände stark variieren, sind als Schlammströme aufzufassen, lockere Eruptions- produkte, welche durch Regen bei oder nach der Eruption in Form von Schlammströmen zu Tale geführt und am F"uß des Kegels abgelagert sind; hiermit stimmt Struktur, Ausbildung und Lagerung vollständig überein. Von diesen Schlammströmen wurden die Kadaver der bei den Ausbrüchen um- gekommenen Tiere mitgeführt. Das Alter des Lawu-Kukusan, deren ersterer noch schwach tätig ist, ergibt sich aus dem Ver- gleich mit den anderen javanischen und sumatra- nischen Vulkanen, von denen ich zahlreiche kennen lernte; abgesehen vom Gesteinscharakter kommen hierfür vor allem morphologische Momente in Be- tracht (Erhaltungszustand, Terrassenbildung usw.). Danach gehört der Kukusan nicht zu den ältesten Jungvulkanen (wie z. B. Manindjau oder Sago auf Sumatra), wohl aber zu den älteren: dement- sprechend ist er höchstens altdiluvial: der Lawu jünger. So können also auch die Tuffe höchstens alt-diluvial sein. Aus der Gestaltung des Solobettes, läßt sich das Mindestalter ableiten : es konnte sich in seiner heutigen Gestalt erst bilden, nachdem der Lawu mehr zur Ruhe gekommen war, die Haupttätig- keit des Lawu müssen wir in das Jung-Diluvium verlegen. Zu beachten ist immerhin noch, daß die Knochen in den unteren Partien, nicht an der Basis des Tuffkomplexes gefunden sind; also: die Schichten mit Pithecanthropus erectus sind nicht älter als alt-diluvial aber auch nicht jünger, als jungdiluvial und sind wahrscheinlich in das mittlere Di- luvium zu setzen. Hiermit stimmt der paläon- tologische Charakter der begleitenden Fauna über- ein, die nur 2 ausgestorbene Gattungen enthält : Leptobos und Stegodon. Von großer Wichtigkeit ist der Nachweis des diluvialen Alters des Pithecanthropus natürlich auch für die Schlußfolgerungen. Es er- scheint wahrscheinlich, um nicht zu sagen sicher, daß Mensch und Pithecanthropus gleich- zeitig, in Indonesien vermutlich nebenein- ander gelebt haben. Einen Platz im Stammbaum des Menschen, den ihm erst so viele, jetzt wohl nur noch wenige Forscher anweisen wollten, kann er nicht finden. Er gehört zu den menschen- ähnlichen Affen ; wir müssen ihn als einen Ver- such einer menschenähnlichen Entwicklung des Hylobatiden-Stammes betrachten, als einen miß- glückten Versuch zur Menschwerdung. (x). Aus dem wissenschaftlichen Leben. Lord Kelvin (William Thomson) y. Mit diesem kurz vor Weihnachten im ehrenvollen Alter von 83 Jahren verstorbenen Nestor der englischen Physiker ist der letzte der Sterne verloschen, denen die Physik jenen ungeahnten Auf- schwung um die Mitte des vorigen Jahrhunderts verdankte. Sein Name wird im Verein mit denen eines Tyndall , Helm- holtz, Siemens, Clausius und so mancher anderer für alle Zeiten in den Annalen der Wissenschaft mit größter Hoch- achtung genannt werden. Geboren 1824 zu Belfast wurde Thomson, der seine Studien in Glasgow, Cambridge und Paris vollendet hatte, bereits 1846 zum Professor der Physik in Glasgow ernannt, nachdem er bereits als 17 jähriger Jüngling die Aufmerksam- keit gelehrter Kreise durch eine Abhandlung über Wärme- leitung in ihrer Beziehung zur Elektrizität auf sich gelenkt hatte. In dem viele Jahre hindurch von ihm redigierten Cambridge and Dublin Mathematical Journal veröffentlichte er unter anderem eine grundlegende .Arbeit über die Ver- teilung der Elektrizität auf Leitern. Die Bedeutung der reinen Wissenschaft für die Praxis brachte er später zur Geltung, als das erste atlantische Kabel bald seinen Dienst versagte und Thomson derjenige war, der die theoretischen Grundlagen der Kabeltelegraphie legte. Bei der Rückkehr von der Legung eines neuen Kabels (l866j wurde er zum Ritter ernannt. 1890 N. F. VII. Nr. 2 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. ward l'humbon Präsident der Royal Si.>ciety uud 1892 wurdc er zum Lord Kelvin ernannt. Sein äußeres Leben verlief sonst sehr ruhig, der Universität Glasgow blieb er treu , bis er sich vor einigen Jahren auf sein Landgut Netherhall zu Largs in der Grafschaft .A.irshire zurückzog. Die zahlreichen Verdienste Thomson's bezielien sich zumeist auf die theoreti- sche Physik , namentlich auf die mechanische Wärmetheoric und die Theorie der Elektrizität; er war aber auch ein erfin- dungsreicher Kopf und beschenkte die Wissenschaft unter anderem mit den feinsten Meßwerkzeugen , die uns bis heute zur Verfügung stehen: dem Quadrantenelektronieter zur Mes- sung statischer Ladungen , und dem Spiegelgalvanometcr zur Wahrnehmbarmachung schwächster, galvanischer Ströme. Auch eine Tiefseesonde, ein vervollkommneter Kompaß, eine Wider- stands-Meßbrücke und ein Elektrizitätszähler tragen seinen Namen. In der letzten Zeit sprach er sich energisch gegen die von Ramsay behauptete Umwandlung verschiedener che- mischer Elemente in andere aus. Pierre Jules Cesar Janssen f. Am 22. Dezember starb in gleich hohem Alter der Senior der Astrophysiker, der seit 1877 das von ihm gegründete astrophysikalische Observato- rium zu Mendon bei Paris geleitet hat. Janssen war 1824 in Paris geboren, ebendaselbst vorgebildet und seit 1873 Mit- glied der Pariser Akademie. Seine Verdienste um die Spek- tralanalyse der Gestirne sind zahlreich. Er erkannte 1866 in dem Wasserdampf der .Atmosphäre die Ursache der tellu- rischen Linien im Sonnenspektrum, gab 1868 die Methode der Beobachtung der Protuberanzen bei Sonnenschein an, nachdem er bei einer in Indien beobachteten Finsternis deren Spektrum als dem des Wasserstofts gleichend erkannt hatte, und entdeckte auf der Sonne das ,,photosphärischc Netz" in den Granulationen derselben. 1870 entfloh er im B,allon dem belagerten Paris, um eine Sonnenfinsternis beobachten zu können. 1874 beobachtete er den Venusdurchgang in Japan. In neuerer Zeit beschäftigte ihn unter anderem eingehend die Frage nach dem Vorkommen des .Sauerstoffs in der Sonnen- atmosphäre. Um diese und andere Fragen möglichst unge- stört durch die Wirkung der Erdatmosphäre der Entscheidung näher zu führen, gründete er 1892 ein trefflich ausgestattetes Observatorium auf dem Gipfel des Montblanc. Bücherbesprechungen. Dr. phil. William Marshall, Prof. der zoologischen und vergleichenden Anatomie, Leipzig, Neue Spaziergänge eines Naturforschers (2. Reihe) mit Zeichnungen von Marie Gey-Heinze, Leipzig, E. A. Seemann, 1907. — Preis 6 Mk. Die Spaziergänge eines Naturforschers, die der Autor seinerzeit herausgegeben hat und die nunmehr in 4 Auflagen erschienen sind, sind ein Muster po- pulärer naturwissenschaftlicher Darstellung. Marshall ist stets auf dem Boden der naturwissenschaftlichen Tatsachen geblieben und hat nicht nach Art anderer Popularschriftsteller die Gedanken ins Ungemessene schießen lassen, sondern hat sie eben stets durch die Tatsachen in vernünftiger Weise gezügelt ; M. gehört eben nicht zu den Windmühlflügel stürmenden, sondern zu der Kategorie der liebenswürdigen Popularschrift- steller. .'Xuch die vorliegenden 6 Aufsätze: „Am Strande der Nordsee", „Auf der Heide", „Dorfgasse" etc. werden von den Laien freunden naturwissenschaft- licher Betätigung gern gelesen werden. Dr. Ludwig Jost, Prof. an der Landwirtschaftlichen Akademie Bonn-Poppelsdorf, Vorlesungen über Pflanzenphysiologie. 2. .\uflage mit 183 Abbildungen. Jena, (iustav Fischer, 190S. — Preis 14 Mk. Das erst 1903 in i. .Auflage erschienene umfang- reiche Buch liegt hiermit in einer 2. Auflage vor: ein Zeichen für das Bedürfnis, das nach einer neu- zeitlichen Pflanzenphysiologie vorhanden war. Wesent- liche Änderungen hinsichtlich Gesamtanlage und Um- fang hat das Buch nicht erfahren , jedoch hat der Verf. im einzelnen verbessert und nur die Vorlesung über Energiewechsel nunmehr im Anschluß an den Stoffwechsel am Schlüsse des ersten Teils unterge- bracht und im Zusammenhange dainit den 3. Teil als Ortswechsel, statt wie früher als Energiewechsel bezeichnet. Jost's Buch ist dasjenige, das dem gegen- wärtigen Stande der physiologischen Botanik am nächsten kommt und soinit in der Tat allen denen, die sich über den Gegenstand zu orientieren wün- schen, sehr zu empfehlen ist. Dr. Reinhold Reinisch, Petrographisches Praktikum. i. Teil: Gesteinsbildende Mineralien. Mit 81 Figuren und 5 Tabellen im Anhange. 2. verbesserte und ergänzte Auflage. Berlin, Gebrüder Bornträger, 1907. — Preis geb. 4,60 Mk. Abgesehen von geringfügigeren Verbesserungen wurde die 2. Auflage insofern erweitert, als weitere 18 Mineralien Aufnahme gefunden haben. Das 128 Seiten umfassende , sehr schön ausgestattete Heft ist als Einführung in die wissenschaftliche mikroskopische Mineralbestimmung treftlich geeignet. Anregungen und Antworten. Herrn M. V. L. aus Prestavlk (Mähren) — I. Über den sog. Essigbaum iRhus typhina), welcher den Sumach liefert. Der Essigbaum (Rhus typhina) gehört zu der Familie der .Anacardiaceen und liefert außer anderen nützlichen Artikeln auch den wichtigen Gerbstofl',, Sumach". Die vielen Arten der Gattung Rhus sind über die ganze Erde zerstreut und bilden teils Sträucher, teils kleine Bäume. Als gemeinsame Merk- male haben sie kleine, unansehnliche Blüten, die in Rispen angeordnet sind und aus einem fünfteiligen Kelch, fünf Blumen- blättern , die unter einer großen , ilrüsigen Scheibe hervor- springen, 5 Staubblättern und drei Stempeln gebildet werden. Aus dem Fruchtknoten entwickelt sich eine kleine, nahezu trockene Steinfrucht. Eine .Anzahl dieser .\rten ist infolge gewisser Stoffe, die sie enthalten, wichtig für die Gewerbe und die Heilkunde geworden, andere sind wegen ihrer giftigen Eigenschaften berüchtigt. .\m wichtigsten ist Rhus coriaria, eine an den Küsten des Mittelmeeres heimische Art, welche den berühmten sizilianischen Sumach liefert, welcher aus ihren gemahlenen Blättern besteht. In Sizilien wird diese Art in großem Maßstabe angebaut , namentlich in der Nähe von Palermo und Alcamo, wo sie lohnende Erträge liefert. Der virginische Sumach oder Essigbaum (Rhus typhina L.) ist in .Nordamerika heimisch und wird häufig als Zierpflanze bei uns in den Gärten kultiviert. Diese Art besitzt ebenfalls sehr gerbstoffreiche Blätter, die in neuer Zeit mit dem sizilianischen Sumach an Güte wetteifern. In der Jugend sind die Zweige mit einem weißen Flaum bekleidet. Die gefiederten Blätter tragen 7 — 8 Paare längliche bis lanzettliche, am Rande schwach gezähnte Blättchen. Zwei ganz ähnliche, ebenfalls in Nordamerika heimische .-\rten sind: Rhus glabra und Rh. copallina. Letztere Art auch Kopalsumach genannt, besitzt geflügelte Blattstiele. Auch ihre Blätter werden gesammelt und gemahlen, um als ameri- kanischer Sumach in den Handel zu kommen. ,^2 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. Vtl. Ni. 2 Die drei nonlamerikanischen Arten sind Wildsträuchcr, die oft ebenso lästig werden wie in Europa der Schwarzdorn ; ihre Kultur ist bis jetzt noch nicht versucht worden. Auch die Blätter einiger kapländischer Arten Rhus lucida und Rh. tomentosa werden ebenfalls zum Gerbon benutzt. Die drei japanischen Arten Rhus succedanea, vernicifera und sylvestris liefern den .Sumachtalg, ein Pflanzenfett, welches zum größten Teile aus Palmitin, daneben aus 9 — lo"/,, freier Palmitinsäure besteht und bei 50 — 54" (" schmilzt. Es ist gelblichweiß, undurchsichtig. Früher glaubte man, daß dieses japanische Pflanzeiiwachs aus den Wurzeln der verschiedenen Arten des Sumachbaumes gewonnen würde ; jetzt ist es aber festgestellt, daß nicht die Wurzeln, sondern die Früchte dieser Häume das japanische Pflanzenwachs liefern. Am ausgiebigsten zeigen sich die Beeren von Rhus succeilanea, welche Art i laber auch zu diesem Zwecke angebaut worden ist. Sie ge- deiht in Japan bis zum 35" n. Er. auf jedem fruchtbaren Boden. Einige nordamerikanische nnd japanische Arten , Rhus toxicodendron , Rh. venenata und Rh. vernicifera enthalten sehr giftige Milclisäfte, namentlich die erstere Art erzeugt schon bei der Berührung entzündliche Hautausschläge. Eine große Zahl der eben angeführten .Arten dienen auch zum Schwarz-, Rot- oder Gelbfärben und zwar benutzt man hierzu entweder die Blätter, Früchte, Zweige, Rinde oder den Milchsaft. Nahe verwandt mit der Gattung Rhus ist auch C'otinus Coggyria, im gewöhnlichen Leben als venetianischer oder Perückensumach bekannt. Den letzteren Xamen verdankt er seinen haarigen Fruchtbüscheln, die einige Ähnlichkeit mit Perücken haben. Seine Heimat ist das südliche Euro]ia und westliche Asien. Das Holz färbt gelb und mit Zusatz anderer Stoffe grün oder braun ; im Handel ist es als ,,Fisctholz", ungarisches Gelbholz oder junger Fustik bekannt. In Italien werden alle Teile des dort ,,Scotino" genannten Strauches zum Gerben verwandt. England ist der bedeutendste Konsument für Sumach. Der Preis für 100 Kilo Sumach schwankt zwischen 20 — 25 Mark. 2. Über den Götterbaum (Ailanthus glandulosa). Die Gattung .\ilanthus Desf., zu den Simarubaceen ge- hörend, besitzt teils zwitterige, teils eingeschlechtliche Blüten. Der Kelch sowie die Blumenkrone besteht aus 5 — 6 Blättern, letztere ist mehrmals länger als der Kelch, mit eingebogenen Rändern tind klappig. In der Mitte befindet sich ein lolappiger Discus. Meistens 10 .Stauliblutter (in den zwitterigen und 9 Blüten weniger ofler ganz fehlend.) In den o"" Blüten sind die Fruchtblätter rudimentär oder fehlen ganz; in den 9 Blüten sind 5 — 6 solcher entstanden. Die Griffel sind meist pfriemenlörmig. Der Fruchtknoten ist frei, unten und oben in dünne Flüge! übergehend, länglich. Die zu ilieser Gattung gehörigen Pflanzen sind meist hohe Bäume, mit abwechselnden, unpaarig gefiederten Bl.ättern. Die Blüten sind ziemlich klein, meist grünlich oder grünlich-purpurn, gestielt, zu 2 — 3 Büschel bildenfl, in meist endstänfügen, reich verzweigten Rispen. Die Gattung Ailanthus enthält 7 .\rten, die in Ostindien und Ostasien verbreitet sind. Der Götterbaum (Ailanthus glandulosa Desf.) ist ein großer, schnell wachsender Baum, der sich durch 'zahlreiche Wurzel- sprößlinge ausbreitet. Die Blüten sind 3 — 4 cm groß; die Blättchen sind von länglicher, zugespitzter Form und häufig mit Drusen versehen. Seine Heimat ist China; aber auch als Parkbaum findet man ihn in der nördlich gemäßigten Zone und im subtropischen Gebiet verbreitet. P. Beckmann. Herrn Apotheker Fr. Seh. in Nürnberg. — Die Erkran- kung der -Xhornblätter, die sich durch auffällige schwarze Flecken äußert, wird durch den Pilz Rhytisma acerinum (Pers.) Fr. hervorgerufen. Die Infektion der Blätter findet bereits im zeitigen Sommer statt, aber erst im .August und noch später beginnen die Flecken durch ihre Farbe deutlich hervorzu- treten. Der Pilz bildet im Blattgewebe ein sogenanntes Stroma, das durch die dichte Verflechtung der Pilzhyphen entsteht. Das ganze Stroma ist von der Epidermis bedeckt, die erst teilweise abgehoben wird , wenn die Konidienproduktion be- ginnt. Diese als Melasmia acerina Lcv. bekannte Fruchtform bildet auf der < )berfläche des Stromas Lagen , auf denen an feinen Sterigmen die stäbchenförmigen , hyalinen , einzelligen Konidien abgeschnürt werden. Sobald die Blätter abgefallen sind, tritt eine .\rt Ruhezustand ein, auf den dann im Früh- jahr die Produktion der Schlauchfrüchtc erfolgt. Diese bil- den strichförmige, gerade oder gebogene Fruchtkörper, die im Stroma angelegt werden und sich mit einem Liingsriß öffnen. Dadurch wird die weißliche .Scheibe freigelegt, die durch das .Auseinanderweichen der Ränder noch deutlicher sichtbar wird. In den Schläuchen werden 8 farblose, nadelfdrmige, einzellige Schlauchsporen gebildet, die durch Ejakulation frei werden. Durch die mit großer Gewalt stattfindende Ausschleuderung und durch gleichzeitige Vermittlung des Windes gelangen die Sporen auf die jungen Blätter und rufen hier Neuinfektionen hervor. Nach dieser Entwicklung hat sich die Bekämpfung zu richten. Wenn nämlich keine Neuinfektion durch die abge- fallenen Blätter erfolgen kann, so läßt sich die Krankheit nicht bloß vermindern, sundern zuletzt völlig ausrotten. Zu diesem Behufe müssen die abgefallenen Blätter verbrannt oder untergegraben werden. Ob sich diese an sich sehr einfache Bekämpfungsart durchführen läßt, hängt von der lokalen Be- schaffenheit ab. In Parkanlagen dürfte es vielleicht möglich sein, den größten Teil des erkrankten Laubes zu vernichten, schweidich aber bei Alleen oder Promenaden. Immerliin könnte der Versuch gemacht werden. Der angerichtete Scha- den ist selten bedeutend und es ist deshalb in Erwägung zu ziehen, ob die Kosten des Laubsammeins im Einklang mit dem dadurch erzielten Nutzen stehen. G. Lindau. Inhalt: Dr. O. Braun: Der physiologische Wert der Plasmodesmen im pflanzlichen Organismus. — Prof Dr. F. Koerber: Neuere Luftpumpen. — Kleinere Mitteilungen; Hugo Fischer: Über Grenzgebiete des Lebens. — Prof. Dr. Heineck: Der Verlauf des Blütenlebens bei Aesculus hiiipocastanum. — Willi. Volz: Das geologische Alter der Pithecanthropus-Schichten bei Trinil, Ost java. — Aus dem wissenschaftlichen Leben :£Lord Kelvin (William Thom- son) f. — Pierre Jules Cesar Janssen f. — Bücherbesprechungen: Dr. phil. William Marshall: Neue Spazier- gänge eines Naturforschers. — Dr. Ludwig Jost: Vorlesungen über Pflanzenphysiologie. — Dr. Reinhold Rei- nisch; Petrographisches Praktikum. — Anregungen und Antworten. — Geschäftliche Mitteilungen. Geschäftliche Mitteilungen. Von der Rathenower optischen Industrie-Anstalt vorm. Emil Busch A.-G. Rathenow liegt ein neuer" Prospekt mit .Ab- bildung und Beschreibung der Busch Drei-Preis-Kamera gX'z mit dreifachem ca. 36 cm langem Bodenauszug, aus- wechselbarem ( )bjektivbrett, Sellar-Sucher etc. vor. Es sind gerade in den letzten Jahren eine große Anzahl neuer Kamera- Modelle auf den Markt gebracht worden, in den weitaus meisten Fällen waren es Kameras, bei denen der Hauptwert auf möglichst geringes Volumen und Gewicht und schnelle Bereitfertigkeit gelegt ist. Das vorgenannte Modell Busch Drei-Preis- kamera ist als eine sehr geeignete Kamera für den fortgeschrittenen Amateur und aucli für den Berufs-Photographen zu be- zeichnen; denn der dreifache Auszug ermöglicht die Verwendung langbrennweitiger Objektive und deren Hinterlinsen, das leicht auswechselbare l^lbjektivbrett gestattet die Verwendung verschiedener Objektive und der Busch Sellar-Sucher setzt den Photographierenden in den Stand auch bei Aufnahmen aus der Hand den richtigen Bildausschnitt, wie er auf die Platte kommt, ohne Mattscheibe zu visieren. Dabei ist die Kamera sehr klein und handlich, rasch aufgestellt und äußerst prä- zise und dauerhaft gearbeitet. Prospekte, welche auch Probe-.Aufnahmen enthalten, versendet die Rathenower Optische Industrie- Anstalt vorm. Emil Busch A.-G., Rathenow, gratis an Interessenten. Verantwortlicher Redakteur; Prof. Dr. H. Potonie, Groß-Lichterfelde-West b. Berlin. Druck von Lippert & Co. (G. Pätz'sche Buchdr.), .Naumburg a. S. Organ der Deutsehen Gesellschaft für volkstümliche Naturkunde in Berlin. Redaktion: Professor Dr. H. Potoni^ und Professor Dr. F. Koerber in Gro^-Lichterfelde-West bei Berlin. Verlag von Gustav Fischer in Jena. Neue Folge VII. Band; der ganzen Reihe XXIII. Band. Sonntag, den 19. Januar 1908. Nr. 3. Abonnement: Man abonniert bei allen Buchhandlungen und Postanstalten, wie bei der Expedition. Der Halbjahrspreis ist M. 4. — . Bringegeld bei der Post 15 Pfg. extra. Inserate : Die zweigespaltene Kolonelzeile 40 Pfg. Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt. Beilagen nach Übereinkunft. Inseralenannahme durch die Verlags- handlung. [Nachdruck verboten.] Bergsturzerinnerungstage. Von Dr. ing. Ludwig Günther. das Dorf Goldau, 1806 durch einen aus niedergehenden Berg- Dörfern Ober- und Eine der interessantesten Bahnliofanlagen der verkehrsreichen -Schweiz ist diejenige des Haupt- knotenpunktes Arth-Goldau, im Urkanton Schwyz an der Goithardbahn gelegen; sechs Bahnlinien laufen hier zusammen; mitten aus dem Schienengewirr aber ragen, wie von Riesenhand dahingestreut, gigantische Fclstriimmer, und eine einfache Inschrift im Empfangsgebäude der Arth- Rigibahn belehrt uns: „Hier stand dereinst welches am 2. September der Höhe des Roßberges Sturz, zusammen mit den Unterröthen, Busingen und Lowerz voll- ständig verschüttet wurde. 457 Menschen kamen dabei ums Leben." Das verflossene Jahr 1906, überreich an geolo- gischen Umwälzungen gewalliger Art, ist dem- nach auch bedeutungsvoll als Erinnerungsjahr. Und zwar in erhöhtem Maße: denn außer diesem einhundertjährigen Gedenktag fällt in dasselbe die 25. Wiederkehr jenes Tages, des 11. Septembers 1881, da durch eine ähnliche Katastrophe das Dorf Elm im Glarner Lande schwer heimgesucht worden ist. An sich, vom Standpunkt der Ent- wicklungsgeschichte unserer Erde aus betrachtet, von ganz untergeordneter Wichtigkeit, gewinnen diese Ereignisse für uns, die Bewohner dieses Weltenkörpers, eine erhöhte Bedeutung: die Ver- nichtung einer großen Anzahl von Menschenleben, die Zerstörung von Hab und Gut auf einen Schlag, das alles sind Momente, welche auf die Zeitgenossen den größten Eindruck ausüben und sie veranlassen, die Kunde davon Kindern und Kindeskindern zu übermitteln. Die beiden Katastrophen von Goldau und von Elm stellen geradezu klassische Schulbei- spiele für jene Art geologischer Massenbe- wegungen dar, die wir gemeinhin als ,.B erg- stürze" bezeichnen. Allein nur im Falle von Elm haben wir es mit einer regelrechten St urz - bewegung zu tun; bei der Katastrophe von Goldau handelt es sich dagegen um ein Ab- gleiten größerer Massen über eine schiefe Ebene, einen Felsschlipf. Trotz der Verheerung, die seinen westlichen Teil betroffen, gehört das Goldauer Tal zu den freundlichsten Gegenden der Schweiz. In seiner Tiefe birgt es den lieblichen Lowerzer See mit seiner kleinen Insel, der Schwanau. Südlich wird es begrenzt durch den langgestreckten Ge- birgszug der Rigi (iSoo m), während im Norden 34 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. I'. VII. Nr. 3 der Roßberg (1583 m) mit seinem westliclien Ausläufer, der (t ny pe nspit z, sicli hinlagert. Zwischen diesen beiden Talwächtern sieht man drunten in der Tiefe weiter gegen Westen die schönen blauen Fluten des Zugersees herauf- .schimmern. Und daß dem lieblichen Bilde auch Motive des Großartigen, Erhabenen nicht fehlen, so erblickt man gegen Osten die schroffen kahlen Kalkzacken oder beiden IVIythen (1S15 resp. 1903 m) sich auftürmen, zu ihren P'üßen das hübsche Schwyz. Einzig von Südosten, von Brunnen her am Vierwaldstätter See, scheint sich ein Zugang zu dem Talkessel der Goldenen Aue zu öffnen. Rigi und Roßberg gehören jenem großen Nagelfluhplateau an, welches sich längs eines großen Teiles des Nordrandes der Alpen hinzieht. Ur- sprünglich zusammenhängend, wurden sie am Ende jener geologischen Periode, welcher sie ihr Dasein verdanken, der Tertiärzeit, auseinander- gerissen, wobei ihre Schichten jene starke Nei- gung (20 — 30") gegen Süden erlitten, die für jene beiden Berge charakteristisch ist. Daß die Nagelfluh fluviatilen Ursprungs ist, wird uns sofort klar, wenn wir das Material, aus dem sie sich zusammensetzt, betrachten: wohl- abgerundetes Geschiebe, wie es sich eben auf dem Boden der Flüsse durch stetes Aneinanderreiben der mitgeführten Gesteinsbreccien bilden muß. Und so stellen sich denn die mit dieser Formation be- deckten Gegenden als die Mündungsdeltas gewaltiger Alpenströme in nicht minder gewaltige Meere, die „Molassenmeere" dar. Bald finden wir hier Geröllmassen, bald sandige Geschiebe an derselben Stelle übereinander angehäuft. Während die ersteren unter dem Ein- flüsse eines kalkigen Bindemittels — je nach dessen Farbe unterscheidet man zwischen grauer und bunter (roter) Nagelfluh — zu mächtigen, 5 — 10 m hohen Schichten zusammengebacken wurden, er- härteten die letzteren hier und da zu graugrünen Sandsteinen, sog. „M olassesandsteine n". Meist aber ist selbst dieses nicht der Fall, sondern dünne tonige Mergellager von großer Unbeständigkeit gegen Atmosphärilien scheiden die einzelnen Nagelfluhbänke voneinander. Dieser Einteilung in Streifen und Bänke soll auch „die" Rigi ihren Namen verdanken : ,,riga", plur. „riginen", bedeutet im Mittelhochdeutschen Einteilung, Schichtung, Streifung. Man kann diese eigenartigen Schichten am besten beobachten, wenn man sich bei leichtem Schneeanflug der Rigi von Westen her nähert: dann heben sich die dunklen senkrechten Wände, die „Flühen" deutlich von den weißen horizon- talen „Böden" ab. In dieser Aufeinanderfolge von verschieden widerstandsfähigem Material, so- wie in dem starken Einfallen der Schichten ist der innere Grund für die Katastrophe vom 2. September 1806 zu suchen. Die äußere Veranlassung aber bilden die ungeheuren Schnee- und Regenmengen, welche in diesem Jahre während des Frühlings und des Sommers niedergegangen waren : durch sie wurde der ohne- hin nur lose Zusammenhang der heterogenen Schichten vollständig gelöst. Das Wasser drang durch tausend senkrechte Spalten in der obersten festen Nagelfluhbank ein und traf auf die tonige Unterlage dieser Bänke. Indem dieselbe einen kleinen l'eil des eingedrungenen Wassers aufnahm, sog sie sich wie ein -Schwamm voll , weiteren Wassermengen den Durchgang sperrend. Die- selben waren also gewungen, dort, wo Nagelfluh- und Mergelschicht aufeinander ruhten, sich einen Durchgang zu bahnen, um dann als Quellen bald hier, bald dort ganz regellos zutage zu treten. Damit wurde der an sich schon nichts weniger als feste Zusammenhang gänzlich gelöst: die Oberschicht ruhte auf der schlüpfrigen Unter- schicht nur noch infolge ihrer eigenen Schwere. Ein leichter Anstoß mußte genügen, um die erstere aus ihrem labilen Gleichgewicht zu bringen und sie zu einer grausigen Talfahrt zu veranlassen. Die gesamten geologischen Verhältnisse der dortigen Gegend, der Rigi sowohl wie des Roß- berges, sind geradezu prädisponiert für Steinfälle und Bergstürze. Soll ja doch eine andere Be- nennung des Roßberges: Rufiberg, von „Rufe", plur. „Rüfenen", der altschweizerischen Bezeich- nung für jene Naturerscheinungen, sich ableiten. Nach den Angaben Zay's, des vortrefflichen Dar- stellers des traurigen Ereignisses von 1806, war das ganze Tal von dem letzten großen Bergsturze mit größeren und kleineren Felsstücken übersäet und Namen wie „Allmendbrächen" und ,,Hublis- brächen", sowie weiterhin „Überwurf" deuten auf lokale Bergstürze hin. Direkte historische Nach- richten von Bergstürzen aus früherer Zeit fehlen leider ganz ; aus dem Umstände aber, daß nach einem bestimmten Zeitpunkte, nach 1354, sich kein Wort mehr von einem alten Dorfe Röthen, das oberhalb des Dorfes Goldau gestanden haben muß, in alten Dokumenten findet, legen den Ge- danken nahe, daß dieses Dorf durch einen Berg- sturz seinen Untergang gefunden haben mag. Auch heute noch beschäftigen kleinere Bergrutsche, besonders am Nordabhang der Rigi längs der Gotthardbahn, anhaltend die Aufmerksamkeit der Ingenieure, wie seinerzeit voraufgehende aus- gedehnte Bergrutschschwärme auf die Katastrophe von 1806 hinzuweisen schienen. Rigi und Roß- berg sind eben in hervorragendem Maße das, was der Eingeborene so zutreffend als ,,laufende Berge" kennzeichnet. Die Situation vor 1806 offenbart uns ein Aquarellbild, welches auf Veranlassung Zay's direkt nach der Katastrophe aufgenommen wurde und welches auch wir im Drucke wiedergeben. Hoch oben, an der Gnypenspitz, hingen damals 2 mächtige Felsbänke, die sog. „Gemeindemärcht" und die „Steinerbergfluh". Heutzutage ist da oben neben dem stehengebliebenen Teile der Steiner- bergfluh nur noch eine kümmerliche Rasenfläche zu sehen, welche vermittels eines schmalen Grates mit dem Hauptmassiv des Roßbergstockes, der N. F. VII. Nr. 3 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 35 Wildspitz, zusammenhängt. Auf der nördlichen starkem Regen . . . Schon in den Frühstunden Seite des Grates, gegen den Aegerisee zu, fällt desselben zeigten sich auf der absteigenden Fläche der Berg schroff über seine „Schichtenköpfe" ab, am Gnyppenspitz, und in der Nähe des Spitzen- einen kleinen Felszirkus bildend. Hier bietet sich biiels (westl. davon) kleinere Erdspalten und Risse uns ein ausgezeichneter Einblick in die Struktur im Rasengelände. Schon hörte man im nahen des Berges. Walde von Zeit zu Zeit einiges Krachen von ): Fig. I. Goldau vor dem Bergsturz (nach einem zeitgenössischen Aciuarell). Fig. 2. Das Abrißgebiet am Roßberg (nach einer Originalskizze des Verfassers). Seit Wochen hingen während des Frühlings Tannenwurzeln . . . Schon entdeckte man an und des Sommers die Wolken dicht und schwer dieser oder jener Stelle Steine, die aus ihrer vor- über dem Tal, die Bergspitzen verhüllend. „Auch herigen Lage herausgedrückt wurden. Schon er- der Morgen des unglücklichen Tages", so erzählt blickte man auf anderen Stellen kleinere Rasen- uns der Chronist Zay, „erwachte wieder unter hügel, die sich übereinandergeschoben und in der 36 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. VII. Nr. 3 Höhe aufgehäuft hatten. Von einer Viertelstunde zur anderen stürzten bald von der oberen, bald von der unteren Seite der dortigen Felswände, jetzt kleinere, dann wieder größere Steinmassen nieder. Nach der zweiten Stunde des abnehmen- den Tages vermehrte sich dies Niederstürzen immer mehr, und die Massen der Felstrümmer wurden auch größer, wo mit jedem Auffallen ein bräunlichter Nebel von der getroffenen Stelle auf- stieg, und ein dumpfes Getöse sich erhob, das wie ein dumpfer Donner am nahen Rigi leiser wiederhallte. . . . Schon sprang unten im Röthner Tale, oder am Fuße des R u f i berges, die Erde von selbst in die Höhe, wenn sie nur ein wenig durch Menschen- hände voneinander getrennt wurde. Banges Ahnden und Schrecken erfüllte schon die Gemüter der Menschen. . . . Bald nach der vierten Abend- stunde erwartete der nächste Anwohner am Gnyppenberge den baldigen Zusammensturz der dortigen Felswände, und lief in schneller Eile weiter. In der Mitte des steilen Röthner Berges trennte sich das untere Erdreich von dem oberen; und dieser Spalt oder Graben erweiterte sich allgemach immer mehr. Der untere, nun von dem oberen Teil losgemachte Erdengrund fängt jetzt an unmerklich beweglich zu werden, und sanft und sachte hinzuglitschen. Mit einmal stürzt zu oberst an der größten Felswand ein großes Stück sich nieder. — Die unteren und oberen hervorragenden Felsenreihen fangen lang- sam an von ihrer Mutterwand sich loszutrennen und gegen die Tiefe sich hinauszusenken. Das obere an der Gnypp enhalde, und das untere zwischen den P'elswänden gelegene Erdreich fängt nun auch an sich voneinander zu schallen, und ver- wandelt seine grüne Rasenfarbe in die bräunlicht schwarze Farbe des umgekehrten und rohen Erd- reichs. — Die unteren Wälder fangen ebenfalls an sich allgemach zu bewegen, und Tannenbäume in unzähliger Menge schwanken hin und her. Einzeln gestandene größere Steine rollen schon den Berg hinab, zerschmettern Häuser, Ställe und Bäume, und mehrere stürzen sich im verschnellerten Laufe als Vorboten der bald nacheilenden fürchter- lichen Masse in die Tiefe des Tales hin. Nun wird mit Eins die Bewegung der Wälder stärker; ganze Reihen der vorher losgewordenen und sich senkenden Felsstücke, ganze Reihen stolzer Tannen- bäume, auf der obersten F'elsfluhe sonst so pracht- voll ruhend, stürzen in Unordnung übereinander und in die Tiefe nieder. Alles Losgerissene und Bewegliche, Wald und Erde, Steine und Felsen geraten jetzt in Hinglitschen, dann in schnellern Lauf, und nun in blitzschnelles Hinstürzen. Ge- töse, Krachen und Geprassel erfüllt die Luft — erschüttert jedes lebende Ohr und Herz, Felsen- stücke, groß und noch größer wie Häuser — ganze Reihen Tannenbäume werden aufrecht stehend und schwebend durch die verdichtete Luft hin- geschleudert. Ein gräßlicher, rötlich brauner Staub erhebt sich in Nebelgestalt von der Erde und hüllt die mord- und zerstörungsschwangere Lau- wine in trübes Dunkel ein, Berg und Tal sind nun erschüttert — die Erde bebt — Felsen zittern — Häuser, Menschen und Vieh werden schneller als eine aus dem Feuerrohr losgeschossene Kugel über die Erde hin und selbst durch die Luft fort- getrieben. Die aus ihrer Ruhe aufgeschreckte Wasserflut des Lowerzer Sees bäumt sich wie Felswände auf, und fängt im Sturmlauf auch ihre Verheerungen an. Das letzte Angstgeschrei der vom unvermeidlichen Tode bedrohten Goldauer durchheult noch einen Augenblick die trübe Luft. Ein großer Teil der zerstörenden Masse erstürmt in ihrem Sturmlauf noch den steilen P'uß des Rigiberges. — Und — o, wehe! — überschüttet ist das ehevor so fruchtbare Gelände mit Schutt und Graus. — Umgeschaffen ist die ehevor paradiesische Gegend in hundert und hundert wilde Todes- hügel! . . ." Hier schweigt unser Berichterstatter, über- wältigt von der furchtbaren Erinnerung. Schneller vielleicht, als wir es hier wiederholen, hat sich die Katastrophe vollzogen : 3 — 4 Minuten haben genügt, Goldau vom Erdboden wegzufegen. In 4 gewaltigen Strömen ergoß sich der Berg- sturz über das Land, und was nicht von den Fels- massen des Nagelfluhgesteins vernichtet und ver- schüttet wurde, das erstickte die trübe Schlamm- flut, aus den wasserhaltigen tonigen Mergeln be- stehend. Kleine abflußlose Seen bildeten sich dort, wo früher der Lowerzer See, nunmehr um ein Drittel verkleinert, seine Fluten hatte rauschen lassen. Tannenwälder, mit dem kümmerlichen Erdreich vorlieb nehmend, das durch die Ver- witterung jenes Gesteins sich darbot, erwuchsen rasch auf der Unglücksstelle, dieselbe nur schwach verkleidend. Dichtes Untergehölz, Schlingge- wächse usw. machten das mit Steinblöcken über- säete Gelände noch unwegsamer. Ein für alle Male war der Boden der Landwirtschaft entzogen. Eine ganz neue Fauna siedelte sich an, die klima- tischen Verhältnisse änderten sich von Grund auf: Feuchte schwere Luft lastete auf der Gegend. Die wenigen Überlebenden hatten ganz besonders unter dem kalten Fieber zu leiden : kurzum die ehedem so gesunden Zustände hatten sich in das direkte Gegenteil verkehrt. Wie ein Fluch lag es lange Zeit auf der Gegend: in den 30er Jahren fing man langsam an, das zerstörte Dorf aufzubauen. Aber erst der Tatkraft moderner Ingenieure war es vorbehalten, hier gründlich Wandel zu schaffen. Mittels gewaltiger Sprengungen bahnten sie dem Dampfroß eine Gasse durch das Felsenlabyrinth. Aber selbst sie näherten sich nur mit Vorsicht der Stätte der Zerstörung: wollte man dieselbe ursprünglich doch mittels eines langen Tunnels durchfahren I Im Gegensatz zu dem Bilde wildester Zer- störung, welche auch jetzt noch, nach 100 Jahren, teilweise die Gegend von Goldau bedeckt, bietet das Tal von Elm heutzutage den freundlichsten Anblick. Nie würde der unbefangene Wanderer, N. F. VII. Nr. 3 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 37 welcher, von Westen, von I^inttal her, durch das enge Seriiftal den Eimer Talkessel betritt, auf die Vermutung kommen, daß auch dieser idyllische Platz von jenen Schreckensszenen erfüllt war, die wir im Falle von Goldau erlebt. Die Natur hat hier großartige Arbeit getan! Mit einem schönen grünen Rasenteppich hat sie den Talgrund über- zogen, und auch die Abrißstelle hoch oben an der Felswand, die uns am Roßberg auch heute noch mit so grauenhafter Kahlheit entgegengähnt, sie hat hier schon ganz die Alterspatina des um- gebenden Gesteins angenommen. Kein Wunder, denn dieses Gestein ist Schiefer, ein Material, das überaus rasch verwittert und unter Nachhilfe des Menschen guten Roden für Graswuchs liefert. Wenn wir den Goldauern ihre übergroße Ver- trauenseligkeit, mit der sie die so deutlich er- kennbaren Vorboten einer Katastrophe außer acht ließen, zum Vorwurf machen, so haben die Be- wohner von Flm ihr Unglück sich direkt selbst zuzuschreiben. Der rücksichtslose Raubbau, den sie in den vorzüglichen Schieferbrüchen des Tschin gel- oder Plattenberges, alle Vor- sichtsmaßregeln außer acht lassend, betrieben, hat sich an ihnen in furchtbarer Weise gerächt! Eigentlich hätte das Dorf Elm, seiner ganzen topographischen Lage nach, gar nicht von dem Steinstrome getroffen werden können. Allein die Ablenkung, welche derselbe durch einen Vor- sprung des der Abbruchnische gegenüberliegenden Düniberges, erhielt, bewirkte, daß die nördlich stehenden Häuser des Unterdorfes vom Verderben erfaßt wurden. Die Tschingelalp, unterhalb welcher sich die mächtige Felsmasse ablöste, liegt gegen Süden schauend in einer Höhe von 1700 m in der östlichen Ecke des Sernftalkessels, während Elm gegen Westen liegt. Der unselige Sturz hatte sich auch hier von langer Hand vorbereitet: erleichtert wurde er noch durch die knieartige Umknickung der Schiefer- schichten, welche in der Hauptrichtung in den Berg einfallend, gerade an dieser Stelle einen sehr großen Betrag erreichte. Querspalten durchsetzten auch hier das Gestein, die immer größer und größer wurden; aber während im Goldauer Falle das Wasser jene zerstörende Wirkung ausübte, vollzog sich der Abbruch hier auf vollständig trockenem Wege. Die elastischen Schichten bogen sich mehr und mehr unter der Last der einmal losgelösten Felsmasse, bis schließlich das letzte Band riß und der Losbruch erfolgte. Wie dieser Losbruch vor sich ging, darüber sind, trotz anscheinend genauer Zeugenangaben, die Meinungen getrennt: Heim nimmt an, es sei beim dritten, beim Hauptsturz, der den beiden vorhergegangenen nach Ablauf eines gewissen Zeitabschnittes folgte, die Felsmasse zuerst längs ihrer Abrißstelle herabglitten und sei dann, auf ein unterhalb befindliches Felsgesimse, eben den Tafelbruch, welcher sich in einer Länge von etwa 150 in bei einer Tiefe von bis zu 65 m hinzog, aufgeschlagen, um von hier aus in Form eines regelrechten Wasserfalls hinausgeschleudert zu werden. Dabei erhielt die Masse jene unge- heure Energie, welche sie befähigte, trotz der Ablenkung am Düniberge noch einen Weg von 1 500 m gleitend auf dem ebenen Talboden zu- rückzulegen, um dann, wie von unsichtbarer Hand aufgehalten, mit einem Rucke festzustehen. Es gehört dieses Moment zu dem vielen anscheinend Unbegreiflichen, welches mit solchen Massenbe- wegungen stets verknüpft ist. Allein wenn wir bedenken, daß die Reibung sich in einem ganz außerordentlichen Maße mit der Abnahme der Geschwindigkeit steigert, und das um so mehr, als die Masse sich fortgesetzt in den Erdboden einwühlt, und daß der Nachschub mit einem Male aufhört, dann erscheint dies plötzliche Stillestehen einer im Momente vorher sich noch außerordent- lich rasch bewegenden Masse nicht so verwun- derlich. Demgegenüber hat Rothpletz die ganze Be- wegung als eine reine Sturzbewegung hin- gestellt: nach ihm sind die losgelösten Massen direkt in langgestreckter Bahn ins Untertal hin- übergeflogen, woselbst sie sich in die weiche Ackererde eingewühlt haben. Als man später ein neues Bett für den Sernfbach aushob, legte man Stellen bloß, die auf eine solche Bewegung der Sturzmasse schließen lassen. Allein es will dem Verständnis nur schwer eingehen, woher die kom- pakte Masse jene Schwungkraft hergenommen haben soll, durch welche sie befähigt worden ist, sich von der nicht allzu stark geneigten Mutter- felswand abzustoßen. Wenn man mit Heim da- gegen annimmt, daß die Masse durch ein anfäng- liches Abwärtsgleiten und ein unmittelbar darauf- folgendes Abprallen eine starke Anfangsgeschwin- digkeit, verbunden mit einer vollständigen Auf- lösung in Elementarbestandteile, erhalten hat, so wird der Anschauung von Rothpletz damit nur Vorschub geleistet. Daran aber wird man stets festhalten müssen : die Hauptbewegung auf dem Talboden war eine Rutschbewegung. Wie ein Wasserstrom, eine Mure bewegte sich die Stein- masse dahin und war somit all jenen Einflüssen unterworfen, wie ein solcher. Dazu gehört vor allem das Aufbranden am gegenüberliegenden Abhang des Düniberges, ferner die Ablenkung, welche dieser Berg der dahineilenden Masse er- teilte. Das Aufbranden kann man bei allen Stein- schlägen und Bergstürzen in engen Tälern be- obachten: wer heute das Gebiet des Goldauer Bergsturzes betritt, der ist erstaunt über die mäch- tigen Felsblöcke, welche ziemlich hoch am Nord- abhang der Rigi dahingestreut liegen, fossil ge- wordenen Meereswogen vergleichbar, und was die Ablenkung an vorspringenden Bergkulissen betrifft, so hat F. Becher') an dem Bergsturzschutt der Diablerets nachgewiesen, daß dieser Schutt- strom 3 — 4 mal aus seiner Richtung geworfen worden ist und doch eine Länge von 5 km er- ') Jahrb. d, schw. .\lp.-Clubs XVUI (1882), S. 310. 38 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. VII. Nr. 3 reicht hat. Und was will diese Länge besagen gegenüber den lO km, welche jeder der beiden vielgewundenen Arme jenes prähistorischen Felssturzes besitzt, durch welchen eineVVasserscheide zwischen Loisach und Jun, der Fern paß auf- geworfen worden ist? Die Verhältnisse dieses Schutt-Stromes sind derartige, daß man zuerst zweifelnd sich fragt, ob denn wirklich eine so starre Masse, als welche uns F'elsgestein für ge- wöhnlich erscheint, eine solche Plastizität an- nehmen kann, und wir sind geneigt, diese ge- waltigen Anhäufungen für das Werk von Glet- schern zu halten. Wir verdanken es einer ein- gehenden Untersuchung O. Ampferer's, daß wir nunmehr Klarheit darüber besitzen.^) Für das Studium der geologischen Massentransporte ist sie ein sehr schätzenswerter Beitrag; ob in Atome zerschelltes Gesteinsmaterial, ob Schnee und Eis, ob Wasser: die Bewegungen großer Massen gleichen sich überall und die an und für sich so verschiedenen Arten der Massen- bewegung, die Steinschläge und Bergstürze, die Lawinen und Gletscher, die Muren und Wasser- fälle, sie alle sind eben nur verschiedene Erschei- nungsformen ein und desselben Naturvorganges, der Niveauveränderungen großer Massen. Aus all diesen Naturerscheinungen das Gemeinschaftliche abzusondern und in ein System zusammenzufassen, das eben ist die Hauptaufgabe des Natur- forschers. ') Verhandl. il. geol. Reichsansi. 1904, S. 73. Kleinere Mitteilungen. Das Licht und die lebende Zelle. — Seit den Umwälzungen, welche die Lehre vom Licht durch die überraschenden Ergebnisse der modernen physikalischen Forschungen erfahren hat, sehen wir, wie fortgesetzt die naturwissenschaftlichen Nachbargebiete und nicht zuletzt die Arbeit auf dem weiten Felde der Biologie außerordentliche Erfolge verzeichnen, und eine beträchtliche Ver- tiefung unseres Wissens erreicht wird, indem die Anwendung der neuen Ideen von der Strahlung, rein als heuristisches Prinzip, und der Gebrauch der vervollkommneten Instrumente zum Ausgangs- punkte bei der Arbeit dienen und die Durchfüh- rung ungewöhnlich komplizierter Versuchsanord- nungen gestatten. Die Untersuchungen Widmark's, Hammer's und Finsen's besonders haben uns mit der ein- greifenden Wirkung des ultravioletten Lichtes auf das lebende Gewebe bekannt gemacht und der zuletzt genannte Autor hat der Behandlung der infektiösen Hautkrankheiten mit seiner Licht- therapie neue Wege gewiesen. Neue Wege weisen einer Grunddisziplin der theoretischen Biologie: der allgemeinen Physio- logie, der Physiologie der Zelle die Untersuchungen des Jenenser Professors E. Hertel, die in den Fachkreisen großes und berechtigtes Aufsehen erregen und Meisterwerke feinsinniger Beobach- tung, durchdachter Versuchsanordnung und voll- endeter technischer Geschicklichkeit sind. Prof. Hertel hat seine Resultate in einer Reihe seit 1904 in schneller P'olge veröffentlichter Schriften niedergelegt (die Mehrzahl ist in Verworn's Zeit- schrift für allgemeine Physiologie, Verlag Gustav Fischer, Jena, erschienen, dem wissenschaftlichen Zentralorgan der modernen, cellularphysiologi.schen Forschung), die in einer kürzlich in der Zeitschrift für diätetische und physikalische Therapie erschie- nenen Mitteilung einen gewissen Abschluß gefun- den haben. Deshalb scheint es mir jetzt an der Zeit zu sein, den Leser über die Hauptergebnisse im Zusammenhang zu unterrichten. Hertel wurde wesentlich durch seine augen- ärztlichen Erfahrungen veranlaßt, auf experimen- tellem Wege eine exakte Klarstellung der Ein- wirkungsweise des Lichtes auf die lebende Zelle zu versuchen, nachdem er selbst sich von dem therapeutischen Werte der Lichtbehandlung ge- wisser Augenkrankheiten überzeugt hatte. Die in dieser Beziehung feststehende Wirksam- keit des ultravioletten Lichtes (F" i n s e n) analysierte Hertel zuerst genauer, um Aufschluß über die Wellenlänge der Strahlen des wirksamen Teiles des Ultra-Spektrums zu erhalten. Die Bestrahlung mit den Lichtstrahlen der Magnesiumlinie (280 itu = mm Wellenlänge) löste bei ein- I 000 000 *= ^ zelligen Organismen folgende Erscheinungen aus. Die Eigenbewegung von Bakterien wurde zu Be- ginn der Bestrahlung lebhafter, jedoch schon nach wenigen Sekunden matter und hörte schließlich auf, — wie Kulturversuche lehrten: weil die Bakterien von dem 280 ,«(/- Licht getötet worden waren. Das 280 ,(((( - Licht wirkt unmittelbar bakterien- tötend! Ebenso ging es Protozoen, Süßwasser- polypen, Rädertierchen, Faden- und Ringelwürmern und Schneckenembryonen. Auch geeignete Pflan- zenzellen wurden den Strahlen ausgesetzt. Überall dasselbe Ergebnis: nach längerer oder kürzerer Bestrahlung mit dem 280 fifi - Licht erlischt das Leben. Die lebendige Substanz ist ein hochkompli- ziertes Gemisch sehr labiler, also sehr zum Zerfall neigender Substanzen. Hertel hat gezeigt, daß auch andere, durch ihre hohe Labilität ausgezeich- nete Stoffe, wie das Irypsin, die Diastase, das Labferment und auffallend schnell das Diphtherie- gift (dagegen merkwürdigerweise nicht das Di- phtherieantitoxin) von den 280 ///«-Strahlen ver- ändert werden. Die eben tödlich wirkende (letale) Dosis des Diphtheriegiftes war nach der Bestrah- lung nicht mehr imstande, bei den Versuchstieren N. F. VII. Nr. 3 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 39 merkliche, charakteristische Veränderungen hervor- zurufen. Hertel hatte bei einem pflanzlichen Versuchs- objekt , der Canadischen Wasserpest (Elodea canadensis), beobachtet, daß bei gleichzeitiger Be- lichtung mit ultraviolettem und mit sichtbarem Licht die schädigende Wirkung der ultravioletten Strahlen eine geraume Zeit aufgehalten wird. Dasselbe zeigte sich bei einem Wimperlnfusor, Paramaecium bursaria, in dessen I.eibe ganz nor- malerweise kleine griine Algen vorkommen, die in Symbiose mit dem Infusor leben. Verwandte, solche Algen nicht beherbergende Arten gingen dagegen unter den erwähnten Versuchsbedingungen genau so schnell ein, wie wenn sie mit ultra- violettem Licht bestrahlt worden waren. Damit (und durch Versuche mit leicht reduzierbaren Stoüfen, wie durch den Vergleich des Effektes der ultravioletten Bestrahlung mit der ganz ähnlichen, bei chlorophyllführenden Organismen gleichfalls durch weißes Licht aufzuhaltenden Wirkung starker Reduktionsmittel) ist der schädigende Einfluß der ultravioletten Strahlen erklärt als das Resultat einer energischen Sauerstoffentziehung (Reduktion), die den Lebensprozeß zum Erlöschen bringt. Das Chlorophyll gibt bekanntlich bei der Assimilation, die es in Gegenwart von sichtbarem Licht voll- zieht, reichlich Sauerstoff ab. Daher wird bei grünen Organismen (grünen Pflanzen und Algen führenden Infusorien) bei gleichzeitiger Bestrahlung mit sichtbarem Licht der vom ultravioletten Licht verursachte Sauerstoffverlust eine Zeitlang durch die Sauerstoffabgabe der Chlorophyllkörper kom- pensiert. Weiter prüfte Hertel Strahlen verschiedener Wellenlänge aus den übrigen Teilen des Spektrums, nachdem er thermoelektrisch die wirksame Energiemenge der einzelnen Spektralgebiete ge- messen und danach die Versuchsanordnung so getroffen hatte, daß die Strahlengattungen, die er verglich, immer in der genau gleichen Energie- menge zur Wirkung gelangten. Es zeigte sich daß durch Bestrahlung (bei gleicher Gesamtenergie) die Versuchsorganismen um so schneller abgetötet wurden, je kürzer die Wellenlänge der zur Ver- wendung gelangten Strahlengattung war. Die physiologische Wirksamkeit nimmt also nach Rot hin ab, nach Violett zu. Und zwar außerordent- lich schnell. Das Licht der 280 ((/(Linie tötete die Versuchsobjekte nach einer Einwirkungsdauer von längstens 20 Sekunden, Strahlen von der doppelten Wellenlänge beeinflußten erst nach mehrstündiger Einwirkung die Lebenstätigkeit in merklicher Weise. Ein und dieselbe Strahlen- gattung wirkt um so energischer, je größer die Gesamtintensität der Bestrahlung ist. Außerordentlich sinnreich sind die Versuche Hertel s, mit denen er feststellt, in welchem Maße die Lichtstrahlen vom lebenden Gewebe absor- biert, verschluckt werden. Nur absorbiertes Licht natürlich kann eine physiologische Wirkung ent- falten. Hertel schloß u. a. Bakterien in winzige Quarzkammern ein und brachte diese auf opera- tivem Wege hinter der Hornhaut in der vorderen Augenkammer von lebenden Kaninchen unter. Es zeigte sich, daß das lebende Gewebe (der Hornhaut) ein um so größeres Lichtabsorptions- vermögen besitzt, je kürzer die Wellenlänge der Strahlen ist. Strahlen von 232 und 280 /(// wurden so vollständig vom Hornhautgewebe verschluckt, daß dieses tiefgreifende Veränderungen erlitt, während die Bakterien im Quarzkämmerchen da- hinter völlig unversehrt blieben, obwohl sie bei unmittelbarer Bestrahlung mit solchem Licht sofort abgetötet worden wären. Strahlen mit Wellen- längen von 383 ///( aufwärts passierten dagegen die Hornhaut zum Teil, was an der Schädigung, die die Bakterien erlitten hatten, erkannt werden konnte. Damit hat also Hertel die Erklärung dafür gegeben, warum Strahlen geringer Wellen- länge (z. B. der Magnesiumlinie 280 fiii) so außer- ordentlich viel intensivere physiologische Wirkung entfalten als die Strahlen von größerer Wellen- länge aus dem sichtbaren Teile des Spektrums. Jene werden vom lebenden Gewebe weit voll- ständiger verschluckt, können also in ihm weit energischer wirken, als diese. In wahrhaft genialer Weise übertrug nun Hertel zur weiteren Prüfung dieser Erscheinung die photochemische Sensibilisierungsmethode Vogel' s auf seine Versuche. Wie von Tappeiner u. a. gezeigt worden ist, kann man Organismen durch Zusatz von Farblösungen zu ihrer Nahrung für Strahlengattungen empfindlich machen, die auf sie unter normalen Verhältnissen keinerlei physio- logische Wirkung ausüben. Das Prinzip der sog. Sensibilisierung stammt bekanntlich von Vogel, der durch Baden in Erythrosinlösungen die ge- wöhnlichen, für den nach rot gelegenen Teil des Spektrums sehr wenig empfindlichen Bromsilber- platten für diese Strahlengattung „sensibilisierte", , .farbenempfindlich" machte. Hier wie in jenen Organismen bewirkt eben die Färbung, daß die Komplementärfarbe und die benachbarten Strahlen- gattungen verschluckt werden. Hertel konnte zeigen, daß sensibilisierte Tiere eben so rapide der Bestrahlung mit sichtbarem Licht erliegen wie er es bei der Einwirkung des ultravioletten Lichtes beobachtet hatte. Nach Ausgleich der Absorptionsfähigkeit zeigen die Strahlen aller Wellenlängen gleiche physiologische Wirkung, die strahlende Energie tritt uns als ein allgemein- wirksames Prinzip entgegen, das in leicht redu- zierbaren Substanzen Sauerstoff abspaltet. Ich kann auf Hertels interessante Versuche über die Einwirkung der verschiedenen Strahlen- gattungen auf den Ablauf des Zellteilungsprozesses hier leider nicht näher eingehen. Dagegen seien die Ergebnisse seiner Versuche mit den kontrak- tilen gelben und violettroten Pigmentzellen von Tintenfischen kurz erwähnt. Ultraviolettes Licht wird von beiden in gleicher Weise verschluckt, auf blaues Licht (440 ,((//) reagierten dagegen die durch ihre gelben Pigmente für solches sensibili- 40 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. VII. Nr. 3 sierten, auf gelbes (558 ///<) nur die durch ihre violettroten Pigmenlkörnchen „gelbempfindlichen" Zellen. Das sichtbare Licht wirkt also nur durch Vermittlung des Pigmentes, welches das Zell- plasma für die komplementär gefärbten Strahlen sensibilisiert. Ebenso verhalten sich die Regen- bogenhäute der Warm- und Kaltblüteraugen. Hier, wie in einer Versuchsreihe, die das pigmentierte Bauchmark eines Ringelwurmes betrifft, konnte H e r t e 1 zeigen, daß jedes Protoplasma direkt, ohne Beteiligung des Nervensystems, das man durch Atropinvergiftung oder (Sehnerv) durch Durch- schneidung au.sschalten kann, von ultraviolettem Licht (oder solchem, das, wie z. B. das Bogenlicht, reich an Strahlen dieser Gattung ist) gereizt wird, weil es dieses ohne weiteres absorbiert. Für sicht- bares Licht sind weder Nerven- noch Muskel- zellen erregbar, wenn sie nicht durch Pigmente (hierher gehören auch die .A.ugenflecke niederer Tiere) sensibilisiert werden. Daß die Tragweite der Hertel'schen For- schungsergebnisse für eine ganze Anzahl physio- logischer Probleme eine ganz ungeheuere ist, braucht nach dem Gesagten nicht mehr betont zu werden. Dr. Max Wolfif (Bromberg). Einrichtungen zur Samenverbreitung von Agrimonia eupatoria L. — Um diese zu ver- stehen, muß der Blütenbau näher beschrieben werden. Der umgekehrt kegelförmige Blüten- boden ist behaart und trägt zehn verstärkte Rip- pen, damit er, ohne zerdrückt zu werden, eine längere Wanderung aushalten kann. Der mit demselben verwachsene Fruchtknoten ist zwei- fächerig und die Scheidewand geht immer mit dem Stengel der Pflanze parallel. Oben ist der Fruchtknoten halbkugelig vorgewölbt und trägt hier eine drüsige Scheibe, die aber keinen sicht- baren Honig absondert. Der fünfblättrige Kelch sitzt mit breiter Basis dem Rande des Blütenbodens auf. Seine Blätter sind kahnförmig, schließen bei der Knospe über den inneren Blütenteilen zusammen und sind mit ihrer Spitze nach oben gebogen. Am Grunde desselben — aber immer noch auf dem Blüten- boden — stehen drei Reihen kurzer, oben haken- förmig umgebogener Borsten, die sich nach dem Blühen verlängern. Namentlich fünf davon sind ausgezeichnet. Sie wechseln mit den Kelchblättern ab, erreichen, wenn die Blumenkrone abgefallen ist, die Länge des Kelches und haben rote, harte, sehr dünne, nach innen umgebogene Spitzen, Später verlängern sich auch die übrigen Borsten. Die hier nur in geringer Zahl vorhandenen Staubblätter sind dadurch merkwürdig, daß ihr Konnektiv dreieckig ist. Es trägt an den beiden freien Enden die nach außen aufspringenden Antherenfächer. Nach der Bestäubung verwelken die inneren Blütenteile und die Kelchblätter neigen sich wie- der wie im Knospenzustande zusammen, legen sich jetzt aber dichter der halbkugeligen, drüsigen Scheibe des Blütenbodens an, weil der Raum unter ihnen ja jetzt nahezu leer ist. Dadurch kommen aber die oben erwähnten Borsten, die an der offenen Blüte durch die Kelchblätter nach außen gedrängt worden waren, wieder, wie im Knospenzustande, in die senkrechte Stellung und starren nun alle mit ihren Haken nach oben. Schließlich krümmt sich der Fruchtstiel so, daß die Scheinfrucht schräg nach unten sieht. Nun ist die Zeit der Verbreitung derselben gekommen. Jedes Wesen, Mensch oder Tier, das anstreift, muß dazu beitragen. Die Haken klammern sich näm- lich an und haften so fest, daß beim Weiter- schreiten die ganze Scheinfrucht von ihrem Stile sich löst und so oft weithin mitgenommen wird. Prof. Dr. Heineck, .^Izey. Siedelungsverhältnisse des Val d'Anniviers. — In welcher Jahreszeit man auch durch das Val d'Anniviers, eines der schönsten Täler des Wallis, wandern möge, stets begegnet man zahlreichen einheimischen Familien, die mit Vieh und Wirt- schaftsgeräten das Tal herauf- oder herabsteigen. Diese Wanderungen sind auf die höchst inter- essanten Siedelungsverhältnisse des Tales zurück- zuführen, die schon vielfach Gegenstand der Er- örterung waren und neuerdings von Brunhes und Girardin in einer ausführlichen Arbeit (Annales de Geographie 1906) behandelt worden sind, welche im wesentlichen den Inhalt für die folgen- den Ausführungen geliefert hat. Das von der Navigenze durchflossene Val d'Anniviers, ein Seitental des großen Rhonetales, erstreckt sich vom Massiv des Mt. Collon und der Dent Blanche bis zur Rhone auf ungefähr 20 km Länge. Dieses fast rechtwinklig steile, enge Tal erweitert sich in seinem oberen Teile, der darum auch für menschliche Ansiedelungen günstiger ist als die untere Zone, die eine enge Schlucht dar- stellt. Aber auch in den oberen Teilen bewirken die Unregelmäßigkeiten der Wasserführung der Navigenze das Verlegen der Siedelungen in gewisse Entfernung vom Wildbache. Die charakteristiscliste Erscheinung des Val d'Anniviers ist ohne Zweifel der ausgesprochene Nomadismus seiner Einwohner, deren periodische Wanderungen während des ganzen Jahres statt- finden. Wäh.end die Bewohner anderer Alpentäler ihre Wohnslätte zweimal jährlich zu wechseln pflegen, indem sie für den Sommer ihre perma- nente Wohnstätte, das Winterdorf, mit der tem- porären Wohnstätte, der Alpe, vertauschen und umgekehrt für den Winter in erstere hinabsteigen, besitzen die Anniviarden noch mehrere Zwischen- stationen, die sie durch ungefähr gleiche Zeiträume bewohnen und die abwechselnd gänzlich verlassen dastehen. Li jeder dieser Stationen besitzt fast eine jede Familie 3 Häuser. Es kommt vor, daß reiche Anniviarden 70 Häuser, im Tale verteilt, besitzen. N. F. VII. Nr. 3 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 41 Man kann im Val d'Anniviers vier voneinander verschiedene Wohnstätten unterscheiden. Es sind dies : 1. Das eigentliche Dorf, das insofern nicht dem Winterdorf der anderen Alpentäler entspricht, als es ebenso temporär ist wie die übrigen Wohnstätten und außerdem nicht nur während des Winters, sondern zu verschiedenen Zeiten des Jahres bewohnt wird. 2. Die Voralpe (Mayen), ein Mittelding zwischen Dorf und .Alpe. Sie unterscheidet sich vom Dorfe nur dadurch, daß sie meist keine Kirche hat, auch keine Felder. Hier weiden die Kühe, bis die Alpe frei von Schnee ist, was etwa Anfang Juni eintritt. Die Zone der Mayens liegt ungefähr zwischen 1500 — 2000 m während die der Dörfer die Höhe von 1200 — 1500 m hat. Doch es kommt zuweilen der seltsame Fall vor, daß das Dorf höher liegt als die Voralpe ; so hat St. Luc (1643 m) seine Mayens in Barmaz (900 m) und Niouc (880 m). 3. Die Alpe, etwa 2000 — 2700 m hoch mit noch primitiveren Häusern. In manchen hoch- gelegenen ,, .Alpen" ist nur eine Käsestube, das Vieh schläft ohne Obdach im Freien. Nach der Alpe siedeln zum Hüten des Viehs und zur Butter- und Käsebereitung ausschließlich männ- liche Familienmitglieder über. 4. Die Dörfer des Rhonetals, das durch seinen Weinreichtum die Anniviarden schon seit dem Jahre 1243 angelockt haben soll und in dem sie noch heute Weinbau treiben. Fragen wir nach der Ursache des abwechseln- den Bewohnens dieser vier Stationen , so finden wir sie in dem Streben der Anniviarden, den Bo- den möglichst auszunützen. Denn indem sie die Kühe an allen Teilen des Tales, die zu beweiden sind, stationieren lassen, erreichen sie, daß das ganze Tal , auch die Wiesen zwischen Dorf und Alpe, deren Ertragsfähigkeit sonst bald erschöpft sein würde, mit Dünger versehen ist. Dieses Streben der Anniviarden, jedem Teile des Tales sein möglichstes an Ertragsfähigkeit abzugewinnen, wird zur Notwendigkeit durch die wachsende Ein- wohnerzahl und das ihnen eigene Haften an der Scholle. Im Jahre 1888 war die Zahl der Ein- wohner 2170, im Jahre 1900 schon 2238. Im Gegensatze zu anderen Alplern, den Graubündnern oder Savoyarden wandert der Anniviarde nie aus; so kommt es, daß das Tal heute übervölkert ist. Das Hauptprinzip in der Anlage der Siede- lungen wie in der Verteilung der P'elder ist die Exposition. So ist das Dorf Painsec am linken Ufer der Navigenze auf steilem Hange nahe der Moräne angelegt, nur um viel Sonne zu haben. In- bezug auf die Exposition ist die durch Bifurka- tion des Val d'Anniviers entstandene, SSW — NNE gerichtete Talstrecke am günstigsten daran. Da- her finden sicii hier auch die meisten großen Siedelungen , wie Grimenz, St. Jean, Vissoge. So wichtig ist der Einfluß der Exposition, daß nahe der Stufenmündung des Tales zur Anlage von Siedelungen ganz kleine .Abdachungen benützt werden, welche Sonnenseiten in kleinem Maßstabe darstellen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Wasser- frage. Die starke Insolation und die Lufttrocken- heit, die im Tale herrschen, machen eine Irrega- tion der Felder notwendig. Letztere ist auch allgemein durchgeführt und steht unter der .Auf- sicht einer besonderen Verwaltung. Jeder Kanal hat seinen Chef und seine Statuten. So eigenartige Zustände wie die geschilderten müssen mit dem Charakter der Einwohner in be- sonderem Zusammenhange stehen. Dies ist auch in hohem Maße der F"all. Einsamkeit, ernste Auf- fassung des Lebens, Festhalten an den alten Traditionen sind die Hauptwesenszüge der Anni- viarden. Sie sind ihre eigenen Baumeister, Schneider, Schuhmacher, sie vermischen sich nie mit den Leuten des Rhonetals, mit denen Be- ziehungen anzuknüpfen ja naheliegend wäre. Ein anderer charakteristischer Zug ist ihre große Ein- fachheit, die allen Schmuck in der Kleidung ver- wirft, ein strenger Sinn, der sie alle Vergnügungen meiden läßt. Ihr ganzes Leben ist Arbeit und nichts als Arbeit. Die große Arbeitsfähigkeit der Anniviarden zeigt sich am meisten zur Zeit der Weinlese. Sie pflegen unten im Tal ihren Wein, oben ihre Felder und wandern, um dies gleich- zeitig durchführen zu können, oft des Nachts. H. Girard, der Verfasser der ,, Geologischen Wanderungen" durch das Wallis, schildert die Arbeitsteilung der Anniviarden während eines Jahres etwa folgendermaßen : Anfang März steigen sie nach Sierre hinab, um ihren Wein zu pflegen. Ostern findet der Aufstieg nach den Dörfern statt, deren Umgebung bereits schneefrei ist. Da wer- den Kartoffeln, Gerste und Hanf angebaut. Nach diesen Arbeiten ziehen sie mit ihrem Vieh in die Mayens, um von diesem auch das Heu, das dort aufgespeichert ist, verzehren zu lassen. Nun sind Roggen und Weizen auf den Hängen des Rhone- tales reif und die Wiesen zu mähen. Das Vieh wird währenddessen nach den „Alpen" gebracht, zuweilen bleibt es noch eine Zeitlang in den Mayens. Es kehrt erst Ende September in die Dörfer zurück. Während letzterer Zeit wird das Heu in den Scheunen untergebracht und der Roggen in der Umgebung der Dörfer gesät. Dann steigen die .'\nniviarden zur Weinlese ins Rhone- tal hinunter und bleiben dort bis zum 25. No- vember (Jahrmarkt von Sierrel, wo sie mit dem Vieh in die Mayens oder in die Dörfer hinauf steigen. So kommt es, daß fast in jedem Monate Auf- und Abstiege stattfinden. So erklärt sich auch die von sonstigen alpinen Siedelungsverhältnissen abweichende Erscheinung, daß die Anniviarden am I. Januar höher als im November, im F"ebruar höher als im Oktober und März wohnen und, wie die Bewohner von Chandolin, den Winter 300 m über dem Sommerdorf und 5 50 m über den Mayens zubringen. 42 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. VII. Nr. 3 Vereinswesen. Deutsche Gesellschaft für volkstümliche Na- turkunde (E.V.). — Am Mittwoch, den 6. Novbr., sprach im großen Hörsaal VI der Königl. Landwirt- schaftlichen Hochschule Herr Privatdozent Dr. Bidlingmaier über das Thema: „Die moderne Südpolarforschung nach eigenen Erleb- nissen aufder deutschen Südpolar-Expedi- tion." Wenn man, so führte der Vortragende aus, von Polar-Expeditionen spricht, so ist man gar leicht geneigt, den Schwerpunkt solcher Reisen in ihre Äußerlichkeiten zu verlegen. Man denkt an die gefahrvolle P'ahrt auf dem stürmischen Meer mit seinen eisigen Klippen, man denkt an den Kampf mit dem Packeis , an die entbehrungsreichen Schlittenreisen mit ihren oft übermenschlichen Strapazen. Man denkt vor allem an ein Rekord- schlagen in der Breite, an Rekord und Sport, wie er in krasser, geradezu unvernünftiger VVeise von dem unglücklichen Andree oder dem ameri- kanischen Renommisten Wellmann betrieben wurde. Alle solche Dinge sind nur Beiwerk und schaden z. T. nur der wahren und ernsten Forschung, die allein nach Erkenntnis, nach Verständnis des ge- waltigen Haushaltes unserer Mutter Erde strebt. Sie geht von dem Gedanken aus, daß der Mensch die Pflicht hat, die Wohnstätte, die ihm ange- wiesen ist, auch wirklich kennen und verstehen zu lernen. Nur dadurch, daß der Mensch die Natur versteht, vermag er sie sich nutzbar und dienstbar zu machen. Eine wunderbare, heilige Ordnung verknüpft in großen, gewaltigen Zu- sammenhängen die belebte und unbelebte Natur; sie waltet in den Strömungen der Atmosphäre und des Weltmeeres, sie verknüpft aufs engste das Leben von Pflanze, Tier und Mensch mit der Physik der Atmosphäre und das noch viel reichere Leben im Weltmeer mit der Physik des Ozeans. Eine wunderbare Ordnung lebt auch in der schein- bar toten Erdkruste, ihrem Werden und Vergehen, und in jenen geheimnisvollen Kräften des Erd- innern, die uns im Erdbeben, in den erdmagne- tischen Linien ihr Dasein verraten. Die Wissen- schaft fängt erst an, diese Kräfte im einzelnen und ihr Zusammenwirken im großen ganzen zu erforschen; aber wir finden überall große und ge- waltige Harmonien , wir ahnen den erhabenen Geist, der in der Natur waltet, und es ist nicht der schlechteste Gottesdienst, wenn man mit solchen Gedanken durch Gottes schöne, weite Welt zieht und ihn in seinen Werken sucht. An der Hand einer großen Anzahl ganz vor- züglicher Lichtbilder ließ der Vortragende nun seine gespannt lauschenden Zuhörer die Reise nach dem Südpolargebiet auf dem deutschen Schififlein ,,Gauß" mitmachen. Von allen modernen Südpolar-Expeditionen hat die deutsche den streng wissenschaftlichen Charakter dieser Forscherunternehmungen am reinsten bewahrt; sie hat das gewaltige Problem der Antarktis schon insofern am weitesten und tiefsten angefaßt, als sie die Antarktis nicht erst südlich vom Polarkreis anfing zu studieren, son- dern gleich vom ersten Tag an, nachdem der „Gauß" die hohe See gewonnen hatte. Ob es nun die Strömungen des Meeres und der Zustand der verschiedenen Meeresschichten bis hinab zum Grunde waren, oder die Strömungen und die Natur der Atmosphäre, oder die geheimnisvollen Strömungen aus dem Erdinnern, welche die Magnetnadel polwärts ziehen, oder ob es endlich die ungeheure P"ülle des Meereslebens in seinen verschiedensten Formen und Lebensbedingungen von Schicht zu Schicht war, denen die regel- mäßigen und systematischen Untersuchungen während der ganzen Hin- und Rückreise galten, immer und immer wieder zeigte sich der Pol als aktives Element im Haushalt des Erdballs, und zwar schon am Äquator nicht minder deutlich, als jenseits des Polarkreises. So war jeder Tag der Reise voll und ganz dem Wirken und Walten der Antarktis gewidmet, das sich nun einmal von dem Gesamthaushalt der Erde so wenig trennen läßt wie das Glied vom lebendigen Organismus. Am reinsten und reichsten konnte natürlich die Antarktis in ihrem eigenen Reich erforscht werden, und in i2-monatlicher Gefangenschaft im Winterlager hatte die Expedition reichlich Zeit. Fast schien es, als ob die Gefangenschaft zwischen gewaltigen Eisbergketten vor der Küste eines neu entdeckten Landes nicht mehr enden sollte, und wie durch ein Wunder tat sich in wenig Stunden das Tor des Gefängnisses auf, aber so spät erst im Jahre, daß an eine ausgedehnte Fahrt wegen der Neueisbildungen nicht mehr zu denken war. Doch hat die Expedition auch in geographischer Beziehung jene vielbehandelte Kerguelenfrage ge- löst und zwischen den früher bekannten Land- stämmen, ,,Wilkesland" und „Enderbyland", die Brücke geschlagen, wodurch die Westküste des großen Südpolarkontinents endgültig westlich von Enderbyland verlegt worden ist. Ein ungeheuer reiches Material, das in strengem, unablässigem Sammeln unter den größten Schwierigkeiten einer ungemein rauhen Natur zu- sammengetragen worden ist, wird nun in der Heimat verarbeitet. Etwa loo Mitarbeiter in allen Teilen des Reiches sind dabei, die geographischen, geologischen, erdmagnetischen, meteorologischen, hydrographischen , zoologischen und bakterio- logischen Ergebnisse zusammenzustellen. Schon 7 Bände haben angefangen bei Georg Reimer, Berlin, zu erscheinen, und in allen Spezialfächern werden die Ergebnisse mit höchstem Interesse begrüßt bzw. mit Spannung noch erwartet. Über „Neuere Methoden der Erdbeben- forschung" sprach am Mittwoch, den 13. Novbr., im großen Hörsaal VI der Königl. Landwirtschaft- lichen Hochschule Herr Prof. Dr. Hecker vom Königl. Geodätischen Institut zu Potsdam. Nach einigen kurzen historischen Bemerkungen verbreitete sich der Vortragende über die Ent- stehungsursachen der Erdbeben. N. F. VII. Nr. 3 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 43 Die moderne Forschung unterscheidet drei verschiedene Ursachen. Die stärksten Beben werden durch tektonische Umwälzungen hervor- gerufen. Hauptsächlich werden sie auf die all- mähliche Volumenverminderung des Erdballes zurückzuführen sein, der die brüchigeren, oberen Schichten der Erdrinde nicht ohne weiteres zu folgen vermögen. Sie befinden sich daher in einer beständigen, stets wachsenden Spannung, die schließlich einen gewissen Betrag überschreitet, wodurch dann plötzliche Bewegungen der Erd- kruste, Erdbeben, ausgelöst werden. Solche Erdbeben treten hauptsächlich in den großen Bruchgebieten auf, so an der ganzen West- küste von Nord- und Südamerika, dann in dem Gebirgszuge Alpen, Balkan, Kaukasus, Himalaya. Wir kennen auch eine Reihe von submarinen Erdbebenherden, so im Atlantischen Ozean, ferner im westindischen Gebiete, dann besonders im Stillen Ozean, östlich von Japan und von Austra- lien. Die hier entstehenden Erdbeben sind eben- falls auf tektonische Vorgänge zurückzuführen. Eine zweite .^rt von Beben, die Einsturzbeben, wird durch das Einstürzen unterirdischer Höh- lungen verursacht. Solche Hohlräume entstehen durch die auslaugende Wirkung des Regenwassers. Erdbeben dieser Art haben nur einen rein lokalen Charakter, ebenso wie die dritte Art der Beben, die vulkanischen Beben. Diese Beben sind, wie schon der Name sagt, auf vulkanische Ursachen zurückzuführen. Sie treten nur in der Nähe von Vulkanen auf, und ihre Heftigkeit wächst und vermindert sich mit der Stärke der Eruptionen. Im allgemeinen sind sie aber selbst bei Vulkanen, die sich in starker Tätigkeit befinden, nur schwach. Der Vortragende hatte Gelegenheit, dies bei einer Besteigung des höchsten tätigen Vulkans Japans, des Assamayama, bestätigen zu können. An der Hand einer Karte wurden dann die hauptsächlichsten Herde der tektonischen Beben vorgeführt. Was die Frage nach einer Periodizität im .Auftreten von Erdbeben anlangt, so läßt sich hierüber noch nichts sicheres sagen. Gewisse säkulare Schwankungen scheinen dagegen vor- handen zu sein; die Aufzeichnungen, die während der Jahre 797 bis 1867 in Kyoto in Japan ge- macht wurden, ergeben dieses. Es traten hiernach Erdbeben am häufigsten auf um das Jahr 1400. Um die Heftigkeit eines Bebens zu kenn- zeichnen, bedient man sich einer sog. Erdbeben- skala, von denen die bekannteste die nach Rossi- Forell ist. Sie hat 10 Stufen, nach denen sich wenigstens mit einiger Sicherheit die Stärke eines Bebens charakterisieren läßt. An einer Reihe von Lichtbildern wurden nun Bodenverschiebungen und Zerstörungen, die an verschiedenen Orten in Japan durch Erdbeben verursacht waren, gezeigt. Ebenso wurden die Modellhäuser vorgeführt, die, von der japanischen Erdbebenkomnüssion konstruiert, als Vorbilder für den Bau von Häusern in Japan dienen. Sie haben sich als sehr widerstandsfähig gegen Erdbeben bewährt. Der Vortragende sprach dann über die In- strumente, die zur Aufzeichnung der durch Erd- beben hervorgerufenen Bodenbewegung dienen. Die hauptsächlichsten dieser Instrumente wurden durch Lichtbilder illustriert, ebenso wie ihre Auf- zeichnungen. Wie die Aufzeichnungen zeigen, gibt es in jedem von einem Seismometer aufgezeichneten Fernbeben , also einem Beben, dessen Herd wenigstens 1000 bis 2000 km entfernt liegt, ver- schiedene Phasen. Diese Phasen rühren von ver- schiedenen Arten von Schwingungen her, die teils durch den Erdball eilen, teils sich in den oberen Teilen der Erdkruste fortpflanzen. Die Schwin- gungen der ersten Art haben zu sehr interessanten Schlüssen über die Beschaffenheit des Erdinnern geführt. Die Art ihrer Fortpflanzung im Erdinnern spricht nämlich für die Hypothese, daß die Erde aus einer Metallkugel bestehe, die von einem Steinmantel umgeben ist. Daß die Erdkugel einen hohen Grad von Starrheit besitzt, ergibt sich auch aus anderen Be- obachtungen, so aus der Deformation, die die Erdkugel unter dem Einfluß des Mondes erleidet, der Ebbe und Flut des festen Erdkörpers. Solche Beobachtungen sind auch von dem Vortragenden angestellt; es ergab sich aus ihnen, daß die Erde der Deformation durch den Mond einen großen Widerstand entgegensetzt und daß sie sich im ganzen genommen etwa verhält, wie sich eine Stahlkugel von der Größe der Erde unter dem Einfluß des Mondes verhalten würde. Über die größte Tiefe, die ein Erdbebenherd haben kann, können wir ein ziemlich sicheres Urteil abgeben. Wo nämlich jedes tektonische Gefüge verschwunden ist, werden auch tektonische Erdbeben nicht verursacht werden können. Diese Tiefe ist nun durch Schwerkraftsbestimmungen und Lotabweichungsbeobachtungen für einige Ge- biete bestimmt, wie des näheren ausgeführt wurde. Hiernach kann man mit ziemlicher Berechtigung sagen, daß kein Erdbebenherd in einer größeren Tiefe als lOO km liegt, daß aber die meisten sich jedenfalls sehr viel näher der Oberfläche befinden. In neuester Zeit ist das Studium der seis- mischen Verhältnisse der Erde durch die Ver- einigung der meisten zivilisierten Staaten zu einer internationalen seismologischen Assoziation erheb- lich gefördert worden. Am Sonntag, den 24. November, vormittags 9 ''2 Uhr, wurde von einer größeren Anzahl von Mit- gliedern dem Königl. Institut für Meereskunde ein Besuch abgestattet. Die Direktion hatte in dankenswerter Weise alle Vorkehrungen getroffen, um die reichen Schätze des sehr lehrreichen In- stituts den Mitgliedern zugänglich zu machen. In der Zeit von Freitag, dem 22. November, bis Freitag, den 13. Dezember, wurde in den Räumen der Königl. Landwirtschaftlichen Hoch- 44 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. VII. Nr. 3 schule ein Vortragscyklus über die „Naturgeschichte des Grunewalds" abgehalten. Herr Geh. Bergrat Prof. Dr. Wahnschaffe behandelte dabei die geologischen Verhältnisse dieses interessanten Waldgebietes, Herr Prof. Dr. P o t o n i e die Moor- bildungen, Herr Dr. P. Gr aebner die Pflanzen- welt und Herr Prof. Dr. Dahl die Tierwelt. I. A.: Prof. Dr. W. Greif, I. Schriftführer. Berlin SO 16, Köpenickerstraße 142. Aus dem wissenschaftlichen Leben. Zur Veranstaltung eines ersten InternationalcnKon- gresses der K alt e -I n d us tric in Paris, Knde Juni 1908, ist ein Ausschuß gebildet worden, zusammengesetzt aus Mit- gliedern des Insituts, des Parlaments, der medizinischen Fa- kultät, des College de France, der großen Transportgesell- schaften, des Instituts Pasteur, des Magistrats der Stadt Paris, des Kriegsministeriums, des Credit foncier, des landwirtschaft- lichen Instituts, der Vereinigung der Ingenieure und städtischen Gesundheitsingenieure, der Industriellen, der Landwirtschaft und des Handels. Die Veranstaltung steht unter dem Schutz der französischen Regierung. Das Protektorat haben übernommen : Der Land- wirtschaftsministcr Ruau und die Minister für Handel und Industrie, für die Kolonien und für die öffentlichen Arbeiten. Der Ausschuß für Deutschland ist in einer vom Verein deutscher Ingenieure einberufenen Versammlung von Inter- essenten der Kälte-Industrie am 5. November in Berlin ge- wählt worden. Der Vorsitzende dieses Ausschusses ist Pro- fessor Carl Linde, der Schriftführer Ingenieur Constanz Schmitz, (Berlin NW. 52, Calvinstr. 24). Dieser Ausschuß hat die Auf- gabe übernommen, die vorbereitenden .Arbeiten für den Kon- greß in Deutschland auszuführen, Berichterstatter zu ernennen, Vorträge zu sichern und auch Propaganda für eine möglichst zahlreiche Beteiligung zu machen, damit Deutschland, welches in der Kälte-Industrie der Welt eine führende Stellung ein- nimmt, würdig und durch eine stattliche Anzahl seiner Inter- essenten vertreten sein wird. Wetter-Monatsübersicht. Während des vergangenen Dezember herrschte im größ- ten Teile Deutschlands mildes, trübes, nasses Wetter bei weitem vor. Im Westen, namentlich im Rhein- und Wcser- TcmBcraTur-iRiniina ciniacr OrF« im ©Sism^srlSOT. 8. gebiete , wurden noch an verschiedenen Tagen lo** C über- schritten. Sogar die in der beistehenden Zeichnung wieder- gegebenen Temperatur-Minima lagen in Nordwest-, Mittel- und Süddeutschland viel häufiger über als unter dem Gefrierpunkt und gingen um den II. und 22. Dezember auch an einzelnen Orten im Osten nicht unter 5 Grad herab. Eine Ausnahme machte allein die Provinz Ostpreußen, in der um Mitte des -Monats strenger Frost eintrat und von da an mit kurzen Unterbrechungen fortbestand ; zu Marggrabowa sank das Thermometer am 17. bis auf — 20, am 28. bis — 22", zu Memel am 27. Dezember bis auf — 23" C. In den meisten übrigen Gegenden herrschte nur zwischen dem 17. und 19. nennenswerte Kälte und stellte sich nach starker Erwärmung erst mitten während des Weihnachtsfestes neues Frostwetter ein, das am Schlüsse des Jahres noch überall anhielt. Die Mitteltemperaturen des Monats lagen aber im Westen und Süden um mehr als einen Grad über ihren normalen Werten. Außerordentlich arm war der Dezember, außer in seinen ersten und letzten Tagen, an Sonnenschein. In der Nähe der Küste war die Sonne an manchen Orten, z. B. zu Rostock, von der Mitte bis fast zum Ende des Monats, beständig durch Wolken verhüllt, zu Berlin hat sie im ganzen nur an 18 Stun- den geschienen, während hier in den 15 früheren Dezember- monaten 37 Sonnenscheinstunden verzeichnet worden sind. Um so häufiger und ergiebiger waren hingegen überall die Niederschläge , die unsere zweite Zeichnung zur Darstellung bringt. In den ersten acht Tagen kamen in Süddeutschland, an einzelnen Küstenplätzen und in der Umgebung des Rheins schon ziemlich starke Regenfälle vor, die sich dann noch His(Jsrj5'4ra59'^öIjcn im 7ä)c5cmtcr 1907. oi <^ en ä S «> u r-O-5 ms::3cs:z>cS «ct^mooD 2S>cLfcLES 3 -T 3-C U W'^Nercr Werf Für Deutschland, monafssumme imDeibr, 130? 06, 05. Dl* 03 02, n ou ^ 1 n 1 1 ^ 1 1 r-. , , ^ ^ , ™^-« S.bis IS.Dezembep. — U-B ilÜlwil mm l I L .1 I I B<7bi5 _2t.Dez.' ' 1 T" I i l I IJ I I B'Hii _2t.Dez." ' TILI 2S.bis5i. Dezember, T-rn (0 FEIfal '.uj-l i i tU vermehrten und über das ganze Land ausbreiteten. In Ober- schlesien fanden am 7. und 8. Dezember heftige Schnee- stürme statt und führten länger dauernde Verkehrsstörungen herbei; dabei wurde am 8. in Oppeln eine Niederschlagshöhc von 32 mm gemessen. Nach kurz vorübergehender .Abnahme der Niederschläge begannen am 13. im oberen Rheingebiete bei stürmischen Südwestwinden abermals ergiebige Regen- fälle, die sich, stellenweise von Gewittern und Graupel- schauern begleitet, rasch nordostwärts fortpflanzten und dann mehrfach mit Schneefällen abwechselten. Während in Süddeutschland die Niederschläge seit dem 17, Dezember erheblich nachließen, gingen auch in der fol- genden Zeit an der östlichen Ostseeküste sehr große Schnee- mengen, im übrigen Norddeutschland reichliche Regen her- nieder. In den Weihnachtstagen traten überall, außer an der Nordsee, Schneefälle auf, die sich bis zum Ende des Monats öfter wiederholten, aber nur noch in Schlesien ergiebig waren. Die gesamte Niederschlagshöhc des Monats betrug für den N. F. Vn. Nr. 3 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 45 Durchschnitt aller berichtenden Stationen 67,6 mm und war l8,8 mm größer als im Mittel der früheren Dezembermonate seit Beginn des vorigen Jahrzehnts. In den ersten Tagen des Monats zog ein barometrisches Maximum mitten durch Deutschland nach Rußland hin. Wäh- rend CS dort dann länger verweilte, erschienen auf dem At- lantischen Ozean sehr tiefe Depressionen, von denen einzelne Teilminima mit milden südwestlichen Winden nach der Nord- see und Ostsee vordrangen. Dazwischen rückte ein flacheres Minimum am 7. Dezember von der adriatischen Küste nord- oslwärts vor und wanderte in den nächsten Tagen in Be- gleitung starker Niederschläge durch Österreich-Ungarn, Schle- sien und Polen nach Nordrußland. Dort wurde es bald durch ein neues Hochdruckgebiet verdrängt, das vom Nordpolar- meere hergekommen war und dessen trockene Nordostwinde bald eine furchtbare Kälte hervorriefen, in Ust-Zylma an der Petschora sank die Temperatur am 12. Dezember bis auf — 41° C. Zwar rückte das Hochdruckgebiet rasch südwest- wärts vor, von Deutschland wurde es aber durch immer neue, von den britischen Inseln nach der Ostsee gelangende Teil- depressionen ferngehalten, die am 12. von einem tieferen Minimum abgelöst wurden, das von der Nordsee ins Innere des europäischen Festlandes eindrang. Erst nachdem das barometrische Maximum am 24. Dezember in Nordrußland 785 mm Höhe überschritten halte, vermochte es seinen Be- reich auf ganz Mitteleuropa auszudehnen , wo daher überall länger dauernder Frost eintrat. Dr. E. Leß. Bücherbesprechungen. Dr. Richard R. v. Wettstein, Prof. an der Univer- sität ^^'ien, Handbuch der systematischen Botanik, II. Bd., 2. Teil (i. Hälfte). Mit 995 Figuren in 165 Textabbildungen, Leipzig und Wien, Franz Deuticke, 1907. — Preis g Mk. Der vorliegende Teilabschnitt des Gesamtwerkes, umfassend die Seiten 161 — 394 des 2. Bandes, bringt die allgemeine Besprechung der Angiospermen und die spezielle Behandlung der Choripetalen, Dicotyle- donen, während die zweite noch ausstehende Hälfte des 2. Teils vom 2. Bande außer der Bearbeitung der Sympetalen und der Monocotyledonen auch In- haltsverzeichnis etc. vom 2. Bande geben wird; es wird versprochen, diesen Schlußteil bis Ostern 1908 in den Buchhandel zu geben. Wir haben in dem Wettstein'schen Werk ein auf dem neuesten Standpunkt der Systematik stehendes, kürzeres Handbuch mit ausgezeichneten Illustrationen, das bei seiner Billigkeit und kompendiösen Fassung viele Liebhaber finden wird. Während die umfang- reicheren Werke dieser Art nur zu leicht eine Diskor- danz zwischen dem Inhalt der. ersten Bogen und dem- jenigen der letzten erkennen lassen, wegen der Ver- schiebung von Auffassungen, die neuere Untersuchun- gen mit sich bringen, werden wir — falls, wie zu hoffen steht, der Abschluß des Werkes tatsächlich in Bälde zu erwarten ist — es in dem vorliegenden Handbuche mit einem solchen aus einem Guß zu tun haben. Prof. Dr. Lakowitz, Oberlehrer am Kgl. Gymnasium in Danzig, Die Algen flora der Danziger B u c h t. Ein Beitrag zur Kenntnis der Ostsee- flora mit 70 Textfiguren, 5 Doppeltafeln in Licht- druck und einer Vegetationskarte. Danzig , Kom- missionsverlag von Wilhelm Engelmann in Leipzig, 1907. — Preis 10 Mk. Das vorliegende Heft ist herausgegeben vom west- preußischen botanisch-zoologischen Verein mit Unter- stützung der Provinzial-Kommission zur Verwaltung der westpreußischen Provinzial-Museen. Es gibt eine gewissenhafte Auskunft über das Algenleben in der Danziger Bucht. Die Textabbildungen sind Detail- figuren und die Tafeln bringen als Lichtdrucke repro- duzierte Photographien der Algen , deren Habitus dadurch so gut wiedergegeben wurde , wie es nur möglich ist. Die Arbeit zerfällt nach einem Vorwort in einen speziellen Teil , der die Beschreibung der in der Danziger Bucht nachgewiesenen Algen exkl. der Diatomaceen enthält und in einen allgemeinen Teil , der die Vegetationsverhältnisse innerhalb der Danziger Bucht behandelt, und zwar zunächst das Gebiet selbst schildert, sodann die Vegetation. In einer Anmerkung p. 97 8 findet sich eine Xotiz, die das Einsammeln und Präparieren der Algen be- trift't. Es sei die Gelegenheit benutzt , hier mitzuteilen, daß der Unterzeichnete , wenn auch nicht in der Danziger Bucht selbst , aber doch nicht gar zu weit von derselben entfernt, nämlich am Strande südwest- lich von Rositten auf der Kurischen Nehrung im September 1907 zu seiner größten Überraschung ein prächtiges, lebenstrotzendes Exemplar von Halidrys siliquosa gefunden hat, eine Art, die seines Wissens bisher aus der eigentlichen Ostsee unbekannt war; auch Lakowitz erwähnt sie dementsprechend nicht. P. Oberlehrer Dr. Rud. Sachsze, Erster Lehrer der Chemie und Warenkunde an der öftentlichen Handelslehranstalt der Dresdener Kaufmannschaft, Einführung in die chemische Technik. Kurz gefaßtes Lehrbuch der chemischen Techno- logie mit Berücksichtigung der Grundlehren der Chemie. Für Handels-, Real- und Gewerbeschulen mit einem Titelbild und 92 Textfiguren. Leipzig und Berlin, B. G. Teubner, 1907. — Preis 2 Mk. Die Herausgabe des vorliegenden Heftes ist ein guter Gedanke. Gerade die Chemie spielt in der Industrie eine ganz hervorragende Rolle, und hier sich eine gewisse Übersicht zu verschaffen, ist für viele am Platze, und andere werden aus Rücksicht einer allgemeinen naturwissenschaftlichen Bildung gern eine Führung in das von dem Autor behandelte Ge- biet haben wollen. Das Heft von 162 Seiten (ein- schließlich des Registers) beschäftigt sich zunächst mit der Grundlage der chemischen Technik, indem es Luft, Wasser, Kohle , Kalk , Kieselerde etc. be- spricht , sodann mit dem Betriebe der chemischen Technik, nämlich der Leuchtgasfabrikation, dem Feuerungswesen, der Erdölindustrie etc. in 20 kleinen Abschnitten. Prof. Dr. Lassar-Cohn, Königsberg i. Pr., Einfüh- rung in die Chemie in leicht faßlicher Form. 3. verbesserte und vermehrte Auflage. 46 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. VII. Nr. 3 Mit 60 Abbildungen. Hamburg und I.eip/ig, Leo- pold Voß, 1907. — Preis ,^ Mk. Die erste Auflage erschien iSgq. Daß 1907 schon eine 3. Auflage vorliegt, weist auf die erfreu- liche Tatsache, daß doch in weiten Laienkreisen auch Interesse für ernstere naturwissenschaftliche Dinge vorhanden ist, daß sich also nicht alle Liebhaber von Naturwissenschaften durch die oberflächlich - populäre und leider meist hinsichtlich des sachlichen Inhalts so betrübend mangelhafte populäre Literatur fangen lassen. Um eine Idee zu bekommen, was Chemie ist, ist die Arbeit Lassar-Cohn's wohl geeignet; der Stil läßt an manchen Stellen zu wünschen übrig. Ein unzeitgemäßer Gegensatz ist es, wenn Verfasser auf Seite 63 die Naturwissenschaften einteilt in spekula- tive, wie die Chemie, und in beschreibende, wie Botanik und Mineralogie. 1. Dr. F. Dannemann, Der naturwissenschaft- liche Unterricht auf praktisch-heuristi- scher Grundlage. XII -[-366 Seiten. Han- nover, Hahn'sche Buchh., 1907. — Preis 6 Mk. 2. Dr. L. Imhäuser, Methodik des natur- kundlichen Unterrichts. 195 Seiten. Bres- lau, F. Hirt, 1907. — Preis 2,25 Mk. 3. J. Kühnel, Moderner Anschauungsunter- richt. 155 Seiten. Leipzig, J. Klinkhardt, 1907. I. Dannemann's Buch enthält eine außerordentliche Fülle von Anregungen auf allen Sondergebieten des naturwissenschaftlichen Unterrichts. Verf. lebt mit vielen anderen hervorragenden Fachgenossen der festen Überzeugung, daß ein wenn auch nicht alle Zweige der Wissenschaft gleichmäßig umfassender Unterricht, der sich auf eigene Versuche und Beob- achtungen des Schülers stützt, ungleich wertvoller sei als selbst der beste rein demonstrative Lehrgang. Die Meinungen hierüber werden allerdings noch geteilt sein, wenigstens wird der heuristische Gang nur unter der Leitung eines sehr geschickten und in der Vor- bereitung sorgfältigen Lehrers und bei strebsamen Schülern den gewünschten Erfolg zeitigen, sonst aber leicht mit Zeitvergeudung und LTnhist endigen. Immer- hin muß es jedem Lehrer als Ideal gelten, möglichst an eigene Beobachtungen der Schüler anzuknüpfen und gelegentlich ein Naturgesetz zunächst durch ein- fache Freihandversuche abzuleiten, bei denen die Schüler nicht nur zuschauen , sondern selbst Hand anlegen, wie dies z. B. beim Reflexions- und Brechungs- gesetz des Lichtes recht wohl möglich ist. Gerade in dieser Hinsicht bietet die vorliegende Schrift un- gemein viele nützliche Winke und durch sehr aus- gedehnten Literaturnachweis die Möglichkeit w-eiterer Information. Daß der Verfasser des trefflichen „Grund- risses einer Geschichte der Naturwissenschaften" und des billigen, bei Ehlermann (Dresden) erschienenen „Quellenbuches" neben den eigenen Versuchen der Schüler auch den Bildungswert des historischen Ver- ständnisses nicht zu niedrig einschätzt und auch nach dieser Richtung in dem vorliegenden Buche wertvolle Ratschläge erteilt, braucht nur nebenbei erwähnt zu werden. Auch der Reform der Lehrerausbildung mit Rücksicht auf die befürworteten Neuerungen ist ein besonderes Kapitel gewidmet. Als Anhang sind die Beschlüsse der verschiedenen, in den letzten Jahren stattgehabten Kongresse abgedruckt, welche die natur- wissenschaftliche Unterrichtsreform zum Gegenstand der Erörterung gemacht haben. 2. Das Buch von Imhäuser ist für Seminaristen und Volksschullehrer berechnet und berücksichtigt auch die höhere Mädchenschule. Es handelt sich liier wesentlich um eine Kompilation der zurzeit gangbarsten .Ansichten über die StoftVerteilung und Behandlung mit Bezugnahme auf die historische Ent- wicklung der heutigen Unterrichtsmethode. Einige Unterrichtsbeispiele sind sowohl für die Naturgeschichte (Biologie) als auch für die Naturlehre (Physik und Chemie) beigegeben. 3. Kühnel will den elementaren Anschauungs- unterricht nicht an Bildern in der Schulstube, sondern vor den Objekten selbst gegeben wissen, und führt durch eine große Zahl von Beispielen aus, wie sich dies durchführen läßt. Kbr. Literatur. Abraham, Dr. M.: Theorie der Elektrizität. i. Bd. Ein- führung in die Maxwell'sche Theorie der Elektrizität. Mit e. einleit. Abschnitte üb. das Rechnen m. Vektorgrößen in der Physik. Von Dr. A Föppl. 3., vollständig umgearb. Aufl., hrsg. V. Dr. M. .\braham. (XVIU, 460 S. m. II Fig.) gr. 8". Leipzig '07, B. G. Teubner. — Geb. in Leinw. 12 Mk. Amundsen, Roald : Die Nordwest-Passage. Meine Polarfahrt auf der Gjöa. (In i6 Lfgn.) I. Lfg. (S. I — 48 m. Ab- hildgn.) gr. 8". München '07, A. Langen. — 75 Pfg. Anleitung zum Sammeln, Konservieren und ^>rpacken von Tieren f. das zoologische Museum in Berlin. 3. verm. Ausg. (VI, 103 S.) kl. 8°. Berlin '07, (R. Kriedländer & Sohn). — 2 Mk. Fechner, Gust. Thdr. : Über die Seelenfrage. Ein Gang durch die sichtbare Welt, um die unsichtbare zu finden. 2. Aufl., besorgt von Dr. Eduard Spranger. Mit e. Geleit- wort V. Frdr. Paulsen. (XVI, 239 S.) 8". Hamburg '07, L. Voß. — 2 Mk., geb. 2,80 Mk. Hanstein, Prof. Dr. R. v. ; Naturgeschichte des Tierreichs m. besond. Berücksicht. der Biologie. Mit 272 färb. u. 257 schwarzen in den Text eingedr. .Kbbildgn., nebst 1 Erd- karte. (XI, 391, XVI; II, 70 u. III S.) 8». Efllingen '07, J. F. Schreiber. — Geb. in Leinw 8 Mk. Helmboltz, Dr. H.: Über die Erhaltung der Kraft. (1847.) 7. T.ius. (6o S.) Leipzig '07 , \V. Engelmann. — Kart. 80 Pfg. Külpe, Prof. Osw. : Einleitung in die Philosophie. 4. verb. Aufl. (IX, 357 S) gr. 8». Leipzig '07, S. Hirzel. — 5 Mk., geb. 6 Mk. Lampa, Prof. Dr. .^nt. : Lehrbuch der Physik zum Gebrauche f. Studierende. (IX, 565 S. m. 293 Fig.) gr. 8°. Wien '08, W. Braumüller. — lo Mk. , geb. in Leinw. 11,80 Mk. Lampert, Oberstudienr. Prof. Dr. Kurt: Das Leben der Binnengewässer. 2., verb. u. verm. .^ufl. (In ca. 18 Lfgn.) I. Lfg. (S. 1—64 m. Abbildgn. u. 2 färb. Taf.) Lex. 8». Leipzig '07, Ch. H. Tauchnitz. — I Mk. Oppenheimer, Dr. Carl: Grundriß der organischen Chemie. 5. Aufl. (VII, 131 S.) kl. 8». Leipzig '07, G. Thieme. — Geb. in Leinw. 2,40 Mk. Potonie, Prof. H. und W. Gothan , DD.: Vegetationsbilder der Jetzt- und Vorzeit. Nach Originalen von Hugo Wolff- Maage. 3 Taf. Je 85X'I3 "". Farbdr. Eßlingen '07, |. F. Schreiber. — Je 4,50 Mk. , auf Leinw. m. Stäben je 6,50 Mk. und lackiert je 7 Mk., erklärender Text (6 S. m. Abbildgn.) Lex. 8». 30 Pfg. N. F. VII. Nr. 3 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 47 I. L.iubwald mit Unterflora. II. Verlandungsvegetation. III. Moorlandschaft der Stcinkolilenzeit. Riehl, I^r. Jobs.: Kant u. seine Philosophie. (80 S.) gr. 8". Berlin '07, H. .Seemann Nachf. — i Mk., geb. 2 Mk. Roloff, Priv.-Doz. Dr. Max: Cirundriß der physikalischen Chemie. (VIII, 234 S. m. 13 .\bbildgn.| Lex. S". Leip- zig '07, G. Thiemc. — 5 Mk., geb. in Leinw. 6 Mk. Selenka, Emil : Zoologisches Taschenbuch für Studierende, zum Gelirauch hei Vorlesungen und praktischen Übungen zusammengestellt. 5., völlig umgearb. u. stark verm. Autl. V. Priv.-Uoz. Dr. Rieh. Goldschmidt. 2 Hefte, gr. 8". Leipzig '07, G. Thieme. — In Karton 5,60 Mk. Siegel, Priv.-Doz. Dr. Carl: Herder als Philosoph. (XVI, 245 S.) gr. 8». Stuttgart '07, J. G. Cotta Nachf. — 4 Mk. Supan, Prof. Dr. Alex.: Grundzüge der physischen Erdkunde. 4., umgearb. u. verb. .Aufl. (X 936 S. m. 252 Abbildgn. u. 20 färb. Karten.) gr. 8". Leipzig '08 , Veit & Co. — 18 Mk,, geb. in Halbfrz. 20,50 Mk. Wüllner, Adph.: Lehrbuch der Experimentalphysik. 6. Aufl. I. Bd. Allgemeine Physik u. .\kustik. Bearb. v. A. Wüll- ner u. A. Hagenbach. (XIV, 1058 S. m. 333 Abbildgn. u, Fig.) gr. 8". Leipzig '07, B. G. Teubner. — 16 Mk., geb. 18 Mk. Anregungen und Antworten. Herrn Dr. C. M. in Adnet bei Hallein (Salzburg). — Frage I : Sie erhielten aus Raupen vom kleinen Fuchs größere, scheinbar mit Gordius verwandte Würmer und fragen , ob Näheres über derartige Würmer bei Schmetterlingsraupen bekannt sei und wie die Infektion zustande komme. — — Da Sie die Würmer getrocknet einschicken, statt in Spiri- tus, kann ich eine sichere Bestimmung derselben leider nicht vornehmen. — In O. v. Linstow's ,,Compendium der Hel- minthologie" (Hannover 1S78, S. 306) ist, außer zahlreichen anderen Funden von Würmern in Schmetterlingsraupen, auch ein speziell in der Raupe von Vanessa urticae vorkommender Wurm genannt und als Gordius vanessae urticae Hope be- zeichnet. Sie finden in dem genannten Werke die frühere Literatur vollständig verwertet. — In L. Camerano's ,,Mono- graiia dei Gordii" (in: Mem. .Accad. Szienze Torino Ser. 2 T. 47, 1897, p. 339 — 419) ist (p. 355) in dem Verzeichnis der Wirte in jener Tiergruppe keine Schmetterlingsraupe ge- nannt und O. v. L instow behauptet in seiner neueren Ar- beit ,,Helminthologische Beobachtungen" (in: Arch. mikrosk. Anat. Bd. 51, 1898, S. 747 — 763), daß die Angaben älterer Autoren über das Parasitieren von Gordien bei Schmetterlings- raupen auf eine Verwechslung mit Mennis zurückzuführen seien (a. a. O. S. 759). Diese Behauptung scheint mir nicht ganz zutreffend. Wir müßten dann schon annehmen, daß eine neuere Angabe von F. Römer, die sich auf zwei im Hamburger Museum aufbewahrte, in der Raupe von Saturnia artemisiae gefundene Exemplare von Gordius aquaticus stützt (vgl. Zool. Jahrbücher Syst. Bd. 8, 1895, S. 791), ebenfalls auf unrichtiger Bestimmung beruhen. — Häufig wurde in Schmetterlingsraupen, auch in den Raupen von drei Vauessa- Arten Mcrmis albicans v. Siebold gefunden. (Vgl. O. v. Linstow, ,,Das Genus Mermis", in: Arch. f. mikr. Anat. Bd. 53, 1899, S. 149 ff.). Der ausgebildete Wurm lebt in diesem Falle in der Erde. — Über die Infektion sagt O. v. Linstow (Arch. f. mikr. Anat. Bd. 51, 1898, S. 759): ,,Die meisten it/fi-m/s-Arten sind Erdbewohner und die Embryonen bohren sich in an der Erde lebende Insekten ein, in denen sie zu großen Larven heranwachsen ; sie haben nur einen Zwischenwirt; dasselbe dürfte bei den im Wasser lebenden Arten der Fall sein. Die Gordien leben im Wasser; sie haben zwei Zwischenwirte; der erste beherbergt die Em- bryonalform und lebt im Wasser, der zweite die Larve und ist meistens ein Landtier." Da die Larve von Gordius aqua- ticus übrigens nach v. S i e b o 1 d sicher auch in echten Pflanzen- fressern, wie Stenohothrus viridulus es ist, vorkommt, sind auf diesem Gebiete die Rätsel noch keineswegs vollkommen ge- löst. — Ganz eigenartig ist der Übergang des Wurms aus einem Landinsekt ins Wasser. Schon v. Siebold fand einen ertrunkenen Käfer, dessen Körper einen Gordius aquaticus enthielt und v. Linstow sagt (a. a. O. S. 756); „Für die Larven von Gordius tulosnnus habe ich gezeigt, daß sie da- durch im April in die Wiesengräben kommen, daü Laufkäfer, Pterostichus nigcr und Ihirpnliis hirlipes massenhaft auf der Oberfläche des Wassers schwimmen, wo die ) wurde in einem Quarzrohr bis zum Schmelzen erhitzt. Die Emanation und die anderen in dem Rohr befind- lichen Gase wurden dann ausgepumpt und das Rohr zugeschmolzen. Nach einiger Zeit — (einem Monat) — wurde das Spektrum der in dem Rohr enthaltenen Gase untersucht, wobei das voll- ständige Heliumspektrum auftrat. Da nun außer- dem Debierne nachgewiesen hat, daß Helium auch aus Aktiniumsalzen ■') (Fluoriden und Chlo- riden) hergestellt werden kann, so kann es jetzt wohl als feststehend gelten , daß sich Helium aus Radium und Aktinium bildet. Neuerdings sind aber noch weitere Verwandlungen von Elementen bekannt geworden. Wird nämlich die Radiumemanation mit Wasser (H.,0) in Be- rührung gebracht, dann entsteht nicht, wie bei der wasserfreien Radiumemanation, Helium, son- dern Neon. Ersetzt man weiterhin das Wasser durch eine gesättigte Kupfersulfatlösung (CuSO^), so erhält man als wichtigstes Umwandlungsprodukt Argon (mit möglicherweise geringen Beimengungen von NeonJ. Wir sehen also, daß fast alle von Ramsay entdeckten neuen Elemente zum Vor- schein kommen. Da aber diese Gase in das periodische System der Elemente nicht so recht passen wollen — man bezeichnet sie als null- wertig — , so beansprucht ihre Transmutation noch nicht dasjenige Interesse, welches der alier- neuesten , ebenfalls von Ramsay entdeckten, Verwandlung zukommt, nämlich derjenigen des Kupfers in Lithium. LTber diese neueste Ent- deckung Ramsays ist in dieser Zeitschrift seiner- zeit berichtet worden, ') so daß wir uns in bezug hierauf kurz fassen können. Wenn man auf eine Lösung von Kupfersulfat Radiumemanation ein- wirken läßt, dann tritt eine bedeutsame Verände- rung in dieser Lösung ein. Entfernt man nämlich das Kupfer durch irgend ein Mittel aus der Lösung — also beispielsweise durch Schwefelwasserstoff (HoS) — , dann bleibt ein Rückstand übrig, welcher das Spektrum des Lithiums (rote Lithium- linie) zeigt. Das gleiche beobachtet man bei ähnlich behandeltem Kupfernitrat (Cu[N03]._,). Da- gegen bleiben ähnliche Rückstände von Kupfer- nitrat, welche mit der Emanation nicht in Be- rührung gekommen sind, unverändert. Daraus kann man wohl mit Sicherheit schließen, daß sich das Kupfer unter Einwirkung von Radiumemana- ') Wer sich mit dem I'roblem der Radioalitivitüt näher bekannt machen will, der studiere z. B. die im 3. und 5. Bande dieser Zeitschrift veröffentlichten Sammelreferate von A. Becker oder auch das ausgezeichnete Werk von Rutherford : „Radioaktive Umwandlungen", deutsch von M. I.evin 1907. {.Sammlung „Wissenschaft." Xr. 21, Vorlag Vicweg u. Sohn, Braunschweig.) ') S. Chemical News 94, S. 144, igob. -) Zitiert bei Rutherford, ,, Radioaktive tJmwandlungcn" S. 181. ') Aktinium gehört in die Gruppe der obenerwähnten 20 ,, Elemente", welche erst unlängst bekannt geworden sind, ') ,, Naturwissenschaftliche Wochenschrift" Nr. 36, vom 8. September 1907. 74 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. VII. Nr. 5 tion in Lithium verwandelt. Der ganze Vorgang gewinnt an Wahrscheinlichl Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. VII. Nr. in ihrem Zusammenhange mit dem Temperatur- verlauf erfassen. So zeigt uns die für Potsdam geltende Fig. i, dal3 Juli und August etwas schwüler sind als der Juni, da die Differenzen IVI-A.T. trotz der höheren Werte von t in den Hochsommermonaten kleiner geworden sind. Fig. 2 zeigt uns den Typus des tropischen Klimas. Die Kurven für t und M J. F. U. A. »■ l. i. A. S. 0. N. U. J. Fig. 3. Tcmperaturvcrlauf für Kalkutta. F. U. K. H. J. J. A. S. 0. I<>. D. J. Fig. 4. Tcmperaturvcrlauf für Kara Kutn. zeigen zwei Maxima, dagegen die A.T.-Kurve nur eines. Die für das Wohlbefinden des Menschen günstigste Jahreszeit ist offenbar der August, da hier die Differenz M-A und damit die Verdunstungs- möglichkeit am größten ist, dagegen sind Januar und Februar trotz des kaum in Betracht kommen- den Temperaturminimums infolge des engen Zwischenraums zwischen der M- und A-Kurve am schwülsten. In den für Kalkutta geltenden Kurven (Fig. 3) kommt der Einfluß des feuchten Sommer- Monsums sehr deutlich zum Ausdruck. Die im April trotz der maximalen Celsiustempe- ratur vorhandene, relative Trockenheit gestattet noch eine starke Verdunstung und erst im Juni erreicht der Wärmegehalt sein Maximum. Vom Juni bis zum September dauert offenbar die schwülste, für unseren Organismus unangenehmste Jahreszeit. — Das Wüstenklima repräsentieren die Kurven von Kara Kum (nordöstlich vom Aral- See). Der große Abstand zwischen der A- und M-Kurve im Sommer bezeichnet die alle Vegeta- tion unmöglich machende Dürre. Interessant sind auch die von Knoche ge- zeichneten Kurven für den täglichen Gang der t, A und M in Senegambien, weil hier durch das Einsetzen des Seewindes am Nachmittag ein ent- gegengesetzter Verlauf von A und M resp. t er folgt. Der Abend ist daher trotz niedriger Luft- temperatur schwül und erst des Nachts tritt mit der Ausbildung des Landwindes ein steiles Sinken der A-Kurve ein, so daß die frühesten Morgen- stunden zugleich kühl und trocken sind und wäh- rend des ganzen Vormittags der Wüstencharakter andauert. Kbr. Bücherbesprechungen. Die Pflanzengesellschaften der Schweizer Alpen. I. Teil: Dr. H. Brochmann-jerosch in Zürich, Die Flora des Puschlav (Bezirk Bernina, Kanton Graubünden) und ihre Pflanzenge- seUschaften. Mit 5 Vegetationsbildern und einer Karte. Leipzig (Wilhelm Engelmann) 1907. — Preis 16 Mk. Es sollen in einer zwanglos erscheinenden Serie von Abhandlungen die Pflanzengesellschaften der Alpen, vorzugsweise der Schweizer Alpen, behandelt werden, von denen die vorliegende eine monographi- sche Bearbeitung eines nur kleinen Teiles bietet, dafür aber eingehend in die Pflanzengesellschaften eindringt. Umfaßt doch das vorliegende, schön aus- gestattete, große Buch nicht weniger als 438 Seiten. Verfasser hat wesentlich nur die Phanerogamen und Pteridophyten berücksichtigt und nur hier und da übergegrift'en. Zunächst gibt der Verfasser einen orographisch-geologischen , sodann einen klimatolo- gischen Überblick. Der dann folgende Standorts- katalog — auch Pilze, Flechten, Moose enthaltend — umfaßt die Seiten 27 — 236. Nachdem Verfasser so das Tatsachenmaterial vorgeführt hat, geht er auf die Pflanzengesellschaften selbst ein. Den Schluß bilden Kapitel über die Höhenzonen, zur Geschichte der Flora des Puschlav und ein Anhang, der ein Ver- zeichnis der von der Puschlaver Bevölkerung ge- brauchten Pflanzennamen, ein Literaturverzeichnis und anderes enthält. Nach dem anfänglichen Plane sollte der erste Teil den Bernina-Bezirk umfassen; allein im Verlaufe der Untersuchunsen zeigte es sich, daß innerhalb seiner politischen Grenzen, obschon diese beinahe ganz dem Einzugsgebiete des Poschiavino N. F. VII. Nr. 5 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. entsprechen, kein völlig richtiges Bild der pHanzen- geographischen Verhältnisse zu gewinnen war. Daher dehnte \"erfasser später die Exkursionen aus, und zwar sowohl nach Süden, als auch nach Norden, er zögerte nicht, auch die Ergebnisse dieser wenigen Exkursionen außerhalb des Gebietes in die .Arbeit aufzunehmen. Inwieweit diese Resultate von Be- deutung waren, das ergibt sich aus dem florengeschicht- lichen Teil dieses Bandes. In dem ausführlichen Standortskatalog versuchte der Verfasser den allge- meinen Standort der Pflanzen in seinen Ansprüchen an Boden, Meereshöhe und Pflanzengesellschaften möglichst genau zu charakterisieren. 1. M. Abraham und A. Föppl, Theorie der Elektrizität. I. Einführung in die Maxvvell'sche Theorie der Elektrizität. 3. Auflage, herausgeg. von Dr. M. Abraham. 460 Seiten mit 1 1 Figuren. Leipzig, B. G. Teubner, 1907. — Preis geb. 12 Mk. 2. E. Bichat et R. Blondlot, Introduktion a l'etude de l'clectr leite stati(|ue et du magnetisme. 2. edit. 1S8 pages avec 90 figures. — Paris, Gauthier-Villars, 1907. — Prix 5 fi-. 1. Wenn ein rein theoretisches Lehrbuch nach drei Jahren bereits eine Neuauflage erlebt, wie dies mit der vorliegenden Bearbeitung des Föppl'schen Buches durch M. Abraham der Fall ist, so ist dies gewiß dis beste Empfehlung, die dem Buche zu teil werden kann. Die auf S. i — i 25 entwickelte Theorie der Vektorenrechnung gibt dem Leser das mathe- matische Werkzeug an die Hand, mit dessen Hilfe das elektrische und das elektromagnetische Feld im Sinne der RlaxweH'schen Theorie behandelt werden. In einem vierten Abschnitt werden dann als weiterer Ausbau der Theorie die Energieströmung im elektro- magnetischen Felde, die ferromagnetischen Körper und die Elektrodynamik bewegter Körper behandelt. Daß der Bearbeiter an vielen Stellen die allgemeinen Gleichungen durch Anwendung auf konkrete Fälle erläutert, wird das Studium der schwierigen Theorie sicherlich erheblich erleichtern. So findet man z. B. die Theorie der elektrischen Schwingungen und die der Versuche von Hagen und Rubens über die Re- flexion langwelliger Wärmestrahlen durch Metalle be- handelt. Die neue Auflage ist auch durch ein Sach- register bereichert worden. 2. Die nach 22 Jahren in zweiter Auflage er- scheinende Einführung in die statische Elektrizität, deren einer Verf (Bichat) inzwischen verstorben ist, steht auf einem elementareren Standpunkt und soll den Übergang von der Schule zum ernsteren Studium vermitteln. Die Darstellung ist übersichtlich und klar, bei den Apparaten sind nur die wesentlichen Teile beschrieben und von der Theorie sind alle diejenigen Fragen beiseite gelassen worden, die ein mehr mathematisches Interesse haben. Kbr. iy04 1906, üb. dcieii Furschgu. u. Beiibaclitgn. aut yeo- graph. u. kolonialwiitscliaftl. Gebiet. Mit 8 KarteDblättern, 33 Taf. u. ca. 318 lUustr. u. Geländedarslellgn. im Text, hrsg. u. bearb. (XIV, 468 S.) Lex. 8°. Berlin 07, G. Keimer. — 14 Mk., geb. 15,50 Mk. Kobell's Fiz. v., Tafeln zur Bestimmung der Mineralien mit- telst einlacher chemischer Versuclie auf trockenem u. nassem Weg. 15. neu bearb. u. verm. Aull. v. K. Oebbeke. (XXVII, fas S.) 8". München 07, J. l.indauer. — 2,50 Mk., geb. 3 Mk. Koehne, Geologe Dr. Werner: tJeologische Geschichte der Fränkischen Alb. Mit e. geolog. Übersichtskarte u. 28 Ab- bildgn. im Text. (42 S.) gr. 8". München '07, Piloty & l.oehle. — 2 Mk. Meyer, Vict., u. Paul Jacobson: Lehrbuch der organischen Chemie. 2. Aufl. Hrsg. v. Paul Jacobson. 1. Bd. Allge- meiner Teil. — Verbindungen der Fettreihe. Neu bearb. V. Paul Jacobson u. K. Stelzner. i. Tl. Allgemeiner Tl. — Die aliphat. Kohlenwasserstoffe u. ihre einwert. Ab- kömmlinge. II. Abtlg. (XVI u. S. 449— 1060 m. Fig.) gr. 8". Leipzig '07, Veit ^: Co. — 17,20 Mk. (1. Bd. i.Tl. vollständig: 28 Mk., geb. in Hblbfrz. 32 Mk.) Noyes, Prof. William .\.: Kurzes Lehrbuch der organischen Chemie. Deutsch v. Walt. Ostwald. (XXIV, 722 S.) 8°. Leipzig 07, Akadem. Vcrlagsgesellschaft. — 10 Mk., geb. in Leinw. 10,80 Mk. Passarge, Prof. Dr. Siegfr. : Südafrika. F'ine Landes-, Volks- u. Wirtschaftskunde. Mit 47 Abbildgn. auf Taf, 34 Karten u. zahlreichen Profilen. (.\I1 , 355 S.) Lex. 8". Leipzig '08, Quelle & Meyer. — 7,20 Mk., geb. in Leinw. S Mk. Poincare, L. : Die moderne Physik. Übertr. v. DD. Priv.- Doz. M. Brahn u. B. Erahn. (VIII, 260 S.) 8°. Leipzig '08, Quelle & Meyer. — 3,80 Mk., geb. in Leinw. 4,40 Mk. Progressus rei botanicae. F-ortschritte der Botanik. Progres de la botanique. Progress of botany. Hrsg. v. der Asso- ciation internationale des botanistes. Ked. v. Dr. J. P. Lotsy. 2. Bd. (i. Heft. 226 S. m. i8 Abbildgn.) gr. 8». Jena 07, G. Fisclier. — 18 Mk. Sauer, Prof. Dr. A. : Mineralkunde als Einführung in die Lehre vom Stoff der Erdrinde. Ein .•\brii3 der reinen und angewandten Mineralogie. Mit 26 färb. Taf. und mehreren hundert Textbildern. (250 S. ra. 5 Taf.) 32,5X23 cm. Stuttgart '07, Franckh. — 12,20 Mk., geb. in Leinw. 13,60 Mk. Simrotb, Prof. Dr. Heinr. : Die Pendulationstheorie. (XII, 564 S. m. 27 eingedr. Kartenskizzen.) gr. 8°. Leipzig '07, K. Grethlein. — 12 Mk., geb. 14 Mk. Weinhold, Prof. Dr. Adf. F. : Vorschule der Experimental- pliysik. Naturlehre in elementarer Darstellung, nebst An- leitung zum Experimentieren u. zur Anfertigg. d. .Apparate. 5. verb. u. verm. Aufl. (VIII, 580 S. m. 445 Holzschn. u. 2 färb. Taf.) gr. S". Leipzig '07, (luandt & Händel. — 10,50 Mk., geb. in Halbfrz. 12,50 Mk. Wettstein, Prof. Dr. Rieh. R. v. : Handbuch der systemati- schen Botanik. IL Bd. 2. Tl. (i. Hälfte.) Mit 995 Fig. in 165 Textabbildgn. (S. 161—394.) gr. 8". Wien '07, F. Deuticke. — g Mk. Wiesner, Dir. Prof. J.: Der Lichtgenuß der Pflanzen. Photo- metrische u. physiolog. Untersuchgn. m. besond. Rücksicht- nahme auf Lebensweise, geograph. Verbreitg. u. Kultur d. Pflanzen. (VllI, 322 S. m. 25 Fig.) gr. 8". Leipzig '07, W. Engelmann. — 9 Mk. Wimmer, Lyz.-Rekt. J. : Deutsches Pflanzenleben nach Alber- tus Magnus (1193 — 1280). Ein Nachtrag zur „Geschichte des deutschen Bodens". (77 S.) gr. 8". Halle a. S. '08, Buchh. des Waisenhauses. — 1,60 Mk. Zopf, Prof. Dir. Dr. W. : Die Flechtenstoffe in chemischer, botanischer, pharmakologischer und technischer Beziehung. (XI, 450 S. m. 71 Abbildgn.) gr. 8". Jena '07, G.Fischer. — 14 Mk. Literatur. Frobenius, Leo: Im Schatten des Kongostaates. Bericht üb. den Verlauf der ersten Reisen der D. J. A. F. E. von Anregungen und Antworten. Es wurde einige Male im Verlaufe der letzten Jahre gefragt, weshalb wir nicht alle Fremdwörter „ängstlich" vermeiden. Wir erwidern : weil die deutsche Sprache nichts Künstliches, von 7« Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. VII. Nr. 5 einzelnen Gemachtes, Willkürliches, sundern weil sie etwas Naiür- liches, sich selbst Entwickelndes und Gestaltendes ist, deren Zweckdienlichkeit gemindert wird und ileren Schönheit vergeht, sobald die natürliclie Crwüchsigkeit gestört wird, wie ein Baum, wenn an ihm ein unverstandiger Gärtner anstatt allenfalls die vertrockneten Blätter und Teile abzunehmen, ihn zu einem Besen oder Galgen zurechtstutzt durch das Wegschneiden gesundheitsstrotzcniler Aste. Hören Sic, was in iler Sache die Besten der Nation sagen. (Die folgenden 3 Stücke hat Herr Prof. Dr. Holde gesammelt imd uns freundlichst zur Ver- fügung gestellt). P. 1) Aus Schopenhauer (Bd. II. Erstes Buch. Kap. 12). — „Nur die Deutschen sind auf den unglücklichen Einfall geraten, die termini technici aller Wissenschaften verdeutschen zu wollen. Dies hat zwei große Nachteile. Erstlich wird der fremde und auch der deutsche Gelehrte genötigt, alle Kunst- ausdrücke seiner Wissenschaft zweimal zu erlernen, welches, wo deren viele sind, z. B. in der Anatomie, unglaublich müh- sam und weitläufig ist. W^ären die anderen Nationen nicht, in diesem Stücke, klüger als die Deutschen, so hätten wir die Mühe, jeden terminus technicus fünfmal zu erlernen usf. ufs. 2) sind jene Verdeutschungen der termini technici fast durchgängig lange, zusammengeflickte, ungeschickt ge- wählte, schleppende, dumpftönende , sich von der übrigen Sprache nicht scharf absondernde Worte, welche daher sich dem Gedächtnis schwer einprägen, während die von den alten, unvergeiSlichen Urhebern der Wissenschaften gewählten griechischen und lateinischen Ausdrücke die sämtlichen ent- gegengesetzten guten Eigenschaften haben und durch ihren sonoren Klang sich leicht einprägen. Was für ein häßliches, kakophonisches Wort ist nicht schon ,, Stickstoff'' statt .Azos! ,,Verbum, Substantiv, Adjektiv" behält und unterscheidet sich doch leichter als Zeitwort, Nennwort, Beiwort, oder gar ,, Umstandswort" statt Adverbium. Ganz unausstehlich, und dazu noch gemein und barbiergesellenhaft ist es in der Ana- tomie. Schon ,, Pulsader und Blutader" sind der augenblick- lichen Verwechselung leichter ausgesetzt, als Arterie und Vene . . . usf. usf. — — wozu also jene ungeschickte, verwirrende, schleppende, ja abgeschmackte Verdeutschung? ... — Die- selbe widerwärtige Wirkung jener Deutschtümelei wird man in allen Wissenschaften finden. — Die lateinischen und griechi- schen .Ausdrücke haben zudem noch den Vorzug, daß sie den wissenschaftlichen Begriff als einen solchen stempeln und ihn aussondern aus den Worten des gemeinen Verkehres und den diesen anklebenden Ideenassoziationen usf. usf. Endlich hängt an den antiken terminis technicis die un- mittelbarste Notwendigkeit der Erlernung der alten Sprachen . . . Kommt es aber dahin, dann wird Roheit, Plattheit und Gemeinheit sich der ganzen Literatur bemächtigen. Ferner will ich Gelegenheit nehmen, das Unwesen zu rügen , welches seit einigen Jahren , auf unerhörte Weise, mit der deutschen Rechtschreibung getrieben wird .... Die Elenden zählen wahrhaftig die Buchstaben und nehmen keinen Anstand, ein Wort zu verkrüppeln, oder eines in fal- schem Sinne zu gebrauchen, sobald nur zwei Buchstaben da- bei zu lukrieren sind. Wer keiner neuen Gedanken fähig ist, will wenigstens neue Worte zu Markte bringen, und jeder Tintenkleckser hält sich berufen, die Sprache zu verbessern usf. usf. Freytag und Treitschke über die Sprach- reiniger. (Aus dem Berliner Tageblatt 1899.) — Soeben erscheint in einem interessanten kleinen Büchlein (Leip- zig, S. Hirzel) ein Teil des Briefwechsels, den Gustav Freytag und Heinrich von Treitschke in den Jahren 1863 bis 1894 gepflegt haben. Die beiden Männer hatten sich im Jahre 1862 kennen gelernt, als Treitschke von München als Privatdozent nach Leipzig zurückkehrte ; und nachdem sie im Jahre darauf in ein trautes \'erhältnis zueinander getreten, haben sie trotz der Differenz des Alters — Freytag war um 16 Jahre älter als Treitschke — sich bis zuletzt treue Freund- schaft bewahrt. Die vorliegende, von AltVed Dove verständ- nisvoll besorgte Auswahl zeigt die Freunde, die beide Dichter waren und beide Historiker, in der schlichten Haltung guter Kameraden. Wir wollen unseren Lesern eine Probe aus diesem Briefwechsel mitteilen. .\m 23. Februar 1889 schreibt Treitschke an Freytag in Sachen der Sprachreinigungsfragc, die Ende der 80er Jahre weite Kreise beschäftigte, folgendes: ,, Verehrter Herr und Freund , heute komme ich Ihnen mit einer .Anfrage , die um baldige .Antwort bittet. Die Narretbei unserer Sprachreiniger droht gemeinschädlich zu werden, seit die Leute sich eine öffentliche Anerken- nung des ISIinisters erschwindelt haben, (joßler ist sehr fleißig und wohlmeinend, für die Wissenschaft der beste Kultusminister, den wir seit .Altenstein gehabt haben, aber eigentlich nur in tien Naturwissenschaften bewandert, im übrigen Dilettant und also nach Dilettantenart geneigt, auch in das innere Leben der Sprache und der Wissen- schaft, das die Behörden gar nichts angeht, einzu- greifen. Darum hat Erich Schmidt die einliegende Er- klärung entworfen. Sie soll dem Minister und namentlich auch dem jungen Kaiser zeigen, daß gerade die Männer, denen unsere Sprache vertraut und lieb ist, ihr altes stolzes Eroberungsrecht ihr nicht verkürzen wollen. Wir denken aus ganz Deutschland etwa 40 Namen zu sam- meln, lauter angesehene Schriftsteller und Redner, nicht allzuviel Professoren. Männer von ganz verschiedener Richtung, Kögel und Harnack, Hehn und Virchow, Klaus Groth, Fontane, W. Jordan haben bereits unterzeichnet. Mommsen , H. Grimm , Rümelin und andere sind eben- falls sicher; einige schlechte Stilisten wie der mir schreck- liche * * * müssen freilich mitlaufen. Nun können Sie denken, daß uns an Ihrem Namen das meiste liegt ; ich bitte Sie herzlich darum, denn ich meine, ohne Ihre Unterschrift sollte die Erklärung lieber gar nicht ver- öfi"entlicht werden . . . Die Sache hat offenbar zwei Seiten und läßt sich in Kürze nicht erledigen. Wir Schriftsteller schreiben ruhig weiter, so gut wir unser Deutsch verstehen, und einmal wird die Fremdwörterjagd doch ihr Ende nehmen gleich allen anderen Moden. Aber für die Schulen besteht eine wirkliche (Gefahr. Schon bringen die Schulbuben täglich neue Wortungetüme heim , die ihnen als Verdeutschungen für Revolution, Redaktion usw. eingebläut werden. Hätten wir uns vor zehn Jahren rechtzeitig geregt, so würde Puttkamer seine Orthographie nicht eingeführt haben : hinterher schämte er sich selbst darüber. Sollen wir jetzt zuwarten, bis einige geheime Oberschulpedanten einen Index verbotener Fremdwörter für die Schulen aufstellen und Ihre Journalisten mit drauf- setzen? Ich glaube sicher, Goßler hält ein, sobald er erfährt, wie die wirklichen Kenner der Sprache urtheilen." Die ebenso bezeichnende Antwort Freytags lautet we- sentlich so: ,, Wiesbaden, 26. Febr. 89. Lieber Freund. Es ist ja richtig, daß die Sprachreiniger von der frucht- bringenden Gesellschaft bis über Karl Müller ') herab sehr viel Törichtes verordnen wollten , und uns oft lächerlich erscheinen. Dennoch hat die Agitation, deren Vertreter sie waren , weit mehr Segen als Nachteil ge- bracht. Denn sie haben Hunderttausende an Perücke und Zopf gezogen und gemahnt, auf das deutsche Sprach- gut gegenüber den neuen Importen zu achten. Auch die tausend kleinen Pedanten des Sprachvereins, meist Schul- meister, helfen dazu, das Verbummeln der Tagespresse und der Beamtensprache zu bändigen, und wenn sie, wie hier am Rhein merkbar wird, eifrig und gläubig gegen französische Speisekarten und Butikenschilder kämpfen, so mahnen sie auch die Jugend , noch auf anderen Ge- bieten als dem der Sprache , ihr Deutschtum hochzu- halten. Ich selbst verdanke dieser Polizeiwirtschaft, daß ich aufmerksamer auf den deutschen .\usdruck und spar- samer im Gebrauch der Fremdwörter beim Schreiben ge- worden bin. Deshalb bin ich geneigt ihre Abgeschmackt- heiten mit guter Laune zu betrachten und mich sogar über Daniel Sanders so wenig als möglich zu ärgern. Nun ich denke , Sie haben im Grunde dieselbe Emp- findung, und es ist bei uns, wie sonst zuweilen, nur die ') Karl Christian Müller war ein teulsch - patriotischer Agitator napoleonischer Zeit ; 1814 gab er ein ,,Verteutschungs- Wörterbuch der Kriegssprache" heraus. N. F. VII. Nr. 5 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nuance, welche Temperament unil Aller /.uteileu. Wenn die Racker aber für ihre Erfindungen Staalsliille fordern, so hört allerdings der Spaß auf, und ich bin gern bereit, eine Verwahrung dagegen zu unterschreiben. Das zu Gericht Sitzen über hervorragende Schriftsteller macht den Eindruck, als ob wir uns durch den Lärm dieser Sperlinge angegriffen fühlten. Kür ihren l'.rief und Ihre gute Meinung hin ich Ihnen herzlich dankbar. Immer in Treue Ihr Freytag." Hier nun die Erklärung, von der in dem Briefe von Treitschke die Rede ist (abgedruckt aus dem 63. Bande der Preußischen Jahrbücher). Seit einigen lahren haben sich in Deutschland Schutz- und Trutzvereine zur Reinigung unserer Muttersprache ausge- breitet und ihren Grundsätzen nicht blol3 mannigfache .Aner- kennung, sondern auch praktischen Erfolg bei einzelnen wie bei malJgebenden Behörden zu verschaffen gewußt. Jetzt, wo der Gesamtvorstand des Allgemeinen deutschen Sprachvereins die Autorität der Regierung anruft, die Schule in den Dienst seiner Bestrebungen stellen und nach dem Muster der Rechtschreibung auch den Sprachgebrauch von oben geregelt sehen möchte , fühlen die Ünterzeiclineten sich gedrungen öffentlich zu erklären, daß sie auf Grund der Ent- wicklung und der Bedürfnisse, der weltbürgerlichen .\neignungs- fähigkeit und der nationalen Widerstandskraft unserer Sprache, Literatur und Bildung, auf (Irund des guten Rechtes unserer führenden Schriftsteller, die ihre Worte mit Bedacht wählen, auf Grund der deutschen und ausländischen Erfahrungen mancher Jahrhunderte solche Bevormundung entschieden zu- rückweisen. Pflege der Sprache beruht ihnen nicht vornehmlich auf Abwehr der Fremdwörter, die jetzt zum Gebot des N'a- tionalstolzes erhoben wird. Es genügt, daß unsere Ju- gend durch wissenschaftlich und pädagogisch gebildete Lehrer wie bisher zum sauberen Gebrauch der Sprache und zu fort- schreitender Versenkung in die .Schätze der Nationalliteratur angeleitet werde. Sie meinen allerdings, daß verständige Rede und Schrift von berufener Seite dem verschwenderischen Mißbrauch der Fremdwörter im geselligen und geschäftlichen Verkehr steuern kann. Die Regierungen mögen, von sach- und sprachkundi- gen Männern beraten, umfassender und zugleich behutsamer als bisher auf Einzelgebieten der Kanzleisprache und des militärischen Wortschatzes Wandel Schäften. Die Unterzeichneten, denen es fernliegt den U eber- schwang der Sprach mengerei zu schützen , verwahren sich aber dagegen , daß Richtigkeit oder Unrichtigkeit, Ent- behrlichkeit oder Unentbelirlichkeit durch Sprachbehör- den entschieden werde. Sie kennen und wollen keine Reichssprachämter und Reichssprachmeister mit der Autorität zu bestim- men was Rechtens sei. Unsere durch die Freiheit ge- deihende Sprache hat nach jeder Hochflut von Fremdwörtern allmählich das ihrem Geist Fremde wieder ausgeschieden , aber die Wortbilder neuer Begriffe als bereichernden Ge- winn festgehalten. Darin soll sie nicht verarmen. Den maßvollen Satzungen des Allgemeinen deutschen Sprachvereins laufen zahlreiche Beiträge in den Vereinsorganen und der übergroße Eifer vieler Vertreter zuwider, welche das Heil der Sprache im Vernichtungskriege gegen das Fremd- wort suchen und durch sprach- und sinnwidrige Seh n e 1 1 p rägu n g von Er s a tz w ö rt e r n Schaden an- richten und Unwillen herausfordern. Die Unterzeichneten wollen in diesen Fragen da stehen, wo die freien Meister der Sprache, unsere Klassiker, standen. Darum verwahren sie sich gegen die Anrufung staatlicher Autorität und gegen die behende Geschäftigkeit der Puristen, die nach Jacob Grimms Wort in der Oberfläche der Sprache herumreuten und wühlen. Berlin, 28. Februar 1S89. Carl Bardt, Direktor d. Joachimsth. Gymnasiums, Berlin. Michael Bernays, München. Ernst Curtius. Hans Delbrück. Wilhelm Dilthey. Ernst Dryander, Konsistorialrat, Berlin. Th. Fontane. Karl Frenze!. Gustav Freytag. Emil Frommel, Hof- u. Garnisonprediger. Karl Gerok, Stuttgart. Otto Gildemeister. Klaus Groth , Kiel. Ernst Häckel , Jena. Adolf Harnack. Rudolf llaym, Halle. Victor Hchu. Paul Heyse , München. Hans Hopfen. < iscar Jäger, (Jymnasial-Dircktor, Köln. Wil- helm Jordan, Frankfurt a./M. Rudolf K'igel, Ober-IIof- und Domprediger. Julius Rodenberg. Gustav Rümclin, Tübingen. Erich Schmidt. Hermann Scholz, Prof., .\rchidiakonus, Berlin. Otto Schroeder, Berlin. Rudolf Solim, Leipzig. Friedrich Spielhagen. Anton Springer, Leipzig. Heinrich von Sybel. Heinrich von Treitschke. Gustav Uhlig , Gymnasial-Direktor, Heidelberg. RudoU Virchow. Dietrich Volkmann, Rektor d. Landesschule Pforta. Karl Weinhold , Breslau. Karl Weiz- säcker, Tiibingen. Gustav Wendt, Ober-Schulrat u. Gymn.- Direktor, Karlsruhe. Ulrich von Wilamowitz- Moellendorft', Professor , Göttingen. E. von Wildenbruch. Eduard Zeller. Herrn A. W. in Nierstein a. Rh. — Sie schicken uns eine Küchenschabe , l'eiijiianeta orientalis, und einen Mehlkäfer, Tcnebriii uuiUtor , und möchten wissen, wie die Tiere leben und wie man sich dieser lästigen Mitbewohner unserer Häuser erwehren kann. — — Über den Mehlkäfer sagt J. R. Bos („Tierische Schädlinge und Nützlinge" , Berlin 1891 , S. 289) folgendes; ,,Der Mehlwurm", die Larve des Mehlkäfers, „kommt in großer .\nzahl im Mehl und Zwieback vor; ilen Käfer findet man im Sommer überall da , wo er als Larve lebte. Er versteckt sich gewöhnlich am Tage. Abends und während der Nacht kommt er aus seinem Verstecke hervor. — Für die ganze Entwicklung braucht der Mehlkäfer ein Jahr. Im Sommer werden die Eier gelegt, und die Larven sind im nächsten Frühling ausgewachsen und verpuppen sich. — Gegenmittel: l) Man bewahre Mehl, Zwieback usw. in Kisten und Schränken , die durch Gaze abgeschlossen sind. 2) Falls sich die Mehlwürmer schon im Mehle befinden, kann man sie durch Sieben daraus entfernen." Nach J. J. Weir (Trans, ent. Soc. London 3. Ser. Vol. 5, 1865 67, Proc. (. 1866, p. VlII) soll die Larve vom Mehlkäfer auch durch Be- nagen der Korke von Weinflaschen schädlich werden. Auch in diesem Falle läßt sich kaum ein anderes Mittel angeben als guter Abschluß der Flaschen. Der ziemlich plumpe Käfer vermag nämlich in gut verschlossene Kisten etc. nicht einzudringen. — Der Mehlkäfer wird übrigens oft auch gezüchtet , weil die Larve ein vorzügliches Futter iür Insektenfresser, z. B. für Nachtigallen, ist. — Über die Zucht der Mehlkäfer gibt es schon eine ganze Literatur. Ich verweise hier nur auf die Schriften und Aufsätze von F. Graessner, Mehlwurmzucht, Auszug in: Ornithol. Cen- tralblatt 5. Jahrg., 1880, S. 117 — 18, von F. Schmeltz- p fennig, ebenda S. 125 — 26, von G. Aubry, in: Feuilles jeun. Natural., 19. Ann., 188S, Nr. 217, p. II und auf einen .Aufsatz in der Naturwissenschaftlichen Wochenschrift N. F. Bd. ^, S. 143. — Die Küchenschabe kommt nach der sehr eingehenden Darstellung ihrer Lebensweise und Vertilgungs- miltel von C. L. Marlatt („The principal Household In- sects of the United States, in : U. S. Department of Agricul- ture, Div. of Entom. Bull. Nr. 4 N. S , Washington 1902, p. 84 — 95) in Speisekammern, Küchen usw., besonders in der Nähe von Feuerplätzen vor. Sie kann sich, da der Körper flachgedrückt ist, in enge Spalten verkriechen und kommt nur während der Dunkelheil aus diesem Versteck hervor, um Eßwaren und Abfälle des Menschen zu fressen. Die Eier werden, in eine längliche Kapsel, die am einen Rande gesägt ist, eingeschlossen; diese Kapsel wird, oft teilweise aus dem Körper vorragend, vier Wochen lang von der Mutter umher- gelragen. Dann sind die Jungen entwickelt und werden nun von der Mutter beim Ausschlüpfen aus der Kapsel unterstützt, indem diese den gesägten Rand derselben mit den Füßen lockert. Auch nach dem Ausschlüpfen werden die Jungen von der Mutler mit dem Körper bedeckt und bewacht. — Nach etwa 7 Häutungen, bei denen die Chitinhülle am Rücken platzt, ist die .Schabe erwachsen. Die Entwicklung erfordert, je nach den Nahrungs- und Temperaturverhältnissen , längere oder kürzere Zeit und soll bisweilen 4 Jahre dauern. In ihrer Gestalt ist die junge Schabe der ausgebildeten ähnlich. Nur die Flügel entwickeln sich erst bei der letzten Häutung zur vollen Größe. Beim Männchen bedecken sie dann den größten Teil des Hinterleibes. — Zur Vertilgung ist Arsenik — wenigstens bei manchen Schabenarten — nicht verwend- bar, weil die Schaben mit Arsenik vergiftete Speisen nicht fressen. Frisches Insektenpulver, reichlich ausgestreut, betäubt 8o Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. Vir. Nr. s und lötet die Tiere. Sie können dann morgens aulgesammelt werden. Das beste Gift, das man zur Anwendung gebracht hat, ist eine Phosphorpastc , die auch in Pillentorm verkauft wird. — In kleinen Räumen , die fast luftdicht verschlossen werden können, tötet Schwefelkohlenstoffgas, wenn es 24 Stun- den lang in der nötigen Konzentralion einwirkt, die Schaben und alles andere Ungeziefer. Es werden zu dem Zweck offene Gefäße mit flussigem Schwefelkohlenstoff aufgestellt. — Da Schwefelkohlenstoffgas sehr feuergefährlich ist , wird man es an manchen Orten nicht anwenden können. Dann empfiehlt sich, statt dessen den Rauch von verbrennendem Insekten- pulver anzuwenden. Der Rauch soll nämlich oft besser wir- licn als das Pulver selbst (vgl. Naturw. Wochenschr. N. F. Bd. 5, S. 68S). — Auch Schabenfallen hat man konstruiert. So verwendet man einen Kasten, in den man irgend einen riechenden Köder bringt, um ilm dann, statt mit einem Deckel, mit vier nach einer mittleren Öffnung hin geneigten, mit ihren Rändern sich berührenden Glasplatten zu bedecken. Dahl. Herrn Gyranasial-Oberlehrer F. N. in Heiligenstadt. — Sie fragen ob zu den in der Xaturwiss. Wochenschr. N. F. Bd. 5, S. 592 genannten Schriften über Brutpflege neuer- dings noch wichtige .\rbeiten hinzugekommen seien. — — Ich möchte hier nochmals betonen, daß die Literatur über den Gegenstand auch nicht annähernd erschöpfend gebracht werden kann, da fast jede Arbeit über die Lebensweise eines Tieres oder einer Tiergruppe auch Angaben über die Brut- ])flege enthält. — Die Brutpflege ist bei einer Tierart um so vollkommener ausgebildet, je schwie'iger für die Jungen die Nahrung zu beschaffen ist, d.h. vor allen Dingen, je lokaler die Nahrung in der Natur vorkommt. Nur bei Tieren, die von zerfallenden Pflanzenteilen und von Plankton sich nähren, fehlt sie oft gänzlich. Bei Tieren, die vom Raube, vom Honig der Blüten und von anderen Säften sich nähren, ist sie meist sehr vollkommen entwickelt. — Nach diesen Gesichtspunkten werden Sie leicht weitere Literatur aufsuchen können. — Unter den Insekten sind es besonders die Bienen, Raubwespen und Ameisen, welche eine sehr vollkommene Brutpflege zeigen. Die sehr umfangreiche Literatur über diese Tiergruppen liefert Ihnen also Beispiele in Hülle und Fülle. — Zu den an der von Ihnen angedeuteten Stelle genannten Schrillten über Brut- pflege bei Wirbeltieren möchte ich noch eine wichtige Arbeit von G. Brandes und W. Schoenichen hinzufügen: ,,Die Brutpflege der schwanzlosen Batrachier*' (in: Abh. naturf. Ges. Halle Bd. 22, 1901, S. I — 69), die ebenfalls zahlreiche Bei- spiele liefert. Dahl. Herrn Sanitätsrat Dr. R. H. in Sensburg (( istpr.). — Ihre Frage, eine in Aquarien öfter von Ihnen beobachtete Schnecke betreffend, beantwortet uns Herr Dr. Thiele, Kustos und A'erwalter der Molluskenabteilung am zoologischen Museum in Berlin dahin, daß es sich wahrscheinlich um einen Albino von Planorhis corneus handelt. Sicheres kann Ihnen nur dann mitgeteilt werden, wenn Sie eine der Schnecken, die Sie meinen, einschicken. Herrn B. in l'.delsield. — In den v